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Überforderung macht sich breit: Gegen die tägliche E-Mail-Flut kommt kaum einer an. Dabei ließe sich auf viele Nachrichten verzichten. Ein Plädoyer für eine bewusstere Kommunikationskultur.

Dieser Artikel ist in DUZ Wissenschaft und Management in der Rubrik "Reflexionszeit" erschienen und Teil der Online-Reihe "Weiterdenken & Diskutieren" auf DUZ Wissenschaftskarriere.

„Wie bitte? Du hast mehr als 10.000 ungelesene E-Mails in deiner Inbox?“ Ich saß mit Freunden am Tisch, die meisten von ihnen arbeiten im Wissenschaftsbereich. In diesem Moment fand ich drei Sachverhalte überraschend: Erstens dass der Satz tatsächlich gesagt wurde. Zweitens dass er mir als wahr bestätigt wurde, und drittens dass ich die Einzige am Tisch war, die diese Information aufregend fand. Ich verstehe, dass man nicht mehr dazu kommt, jede Mail zu lesen, aber was spricht gegen das Löschen der E-Mails? Dauert zu lange, lautet eine Antwort am Tisch, und weiter im Text: Es könnte ja doch etwas dabei sein, das man vielleicht noch lesen muss. Und außerdem, ließ ich mich belehren, sind es lediglich ungeöffnete E-Mails, nicht ungelesene. Den Betreff würde man sich schon anschauen, in Kombination mit dem Absender dann entscheiden, ob die E-Mail geöffnet wird. Das funktioniere ganz gut, erklären mir meine Freunde, und falls sich einmal jemand melde und eine ausstehende Reaktion einfordere, könne man diese E-Mail aus dem weiten Meer der ungelesenen E-Mails wieder herausfischen. Ganz normal, machen alle.

Wie konnte es so weit kommen? Die E-Mail wird ad absurdum geführt, und das, obwohl sie eigentlich ein sinnvolles Kommunikationsmedium ist: Wie sonst soll ich viele Informationen an eine große Anzahl von Menschen versenden und das in sehr kurzer Zeit? Was mein Adressat damit macht und wie er darauf reagiert, das bekomme ich leider nicht mit. Eine komplexe Interaktion, die Kommunikation meist auszeichnet, ist daher nur stark eingeschränkt möglich.

Henry Mintzberg schrieb in seinem Buch „Managen“ im Jahre 2010: „Möglicherweise fördert das Internet die Netzwerke, während es die Gemeinschaften schwächt – innerhalb der Unternehmen ebenso wie zwischen ihnen.“ Hat er recht? Brauchen wir nicht gerade dieses Gemeinschaftsgefühl für eine gesunde Organisation, in der alle Akteure an einem gemeinsamen erfolgreichen Weiterbestehen interessiert sind? Für mich ist das ein zentraler Aspekt, den insbesondere Wissenschaftsmanagerinnen und Wissenschaftsmanager nicht aus den Augen verlieren sollten.

Werden Sie für eine neue Kommunikationskultur aktiv: Schreiben Sie weniger E-Mails, kommunizieren Sie direkt! Senden Sie weniger „cc“ und „an alle“, leiten Sie E-Mails nicht einfach kommentarlos weiter. Greifen Sie zum Telefonhörer oder gehen Sie die zwei Büros weiter und stellen Ihre Frage persönlich. Das klingt banal, aber manchmal sind es eben die kleinen Dinge. Denn, mal ehrlich, diesen klassischen Dreiklang haben wir doch alle schon einmal erlebt: „Davon wusste ich nichts.“ – „Stand aber in der E-Mail.“ – „Habe ich nicht bekommen.“ Das bringt niemanden weiter.

Vor ein paar Jahren war ich auf einer internationalen Konferenz, die ihre Teilnehmer mit diesen tellergroßen Namensschildern ausstattete. Ein Stand auf dieser Konferenz bot unterschiedlich bedruckte Banderolen an. Ein Spruch lautete: „I read your e-mail“ und war ein beliebtes Giveaway. Ich muss die Banderole noch irgendwo haben. Die werde ich meinem Freund mit den 10 000 ungelesenen E-Mails überlassen, er kann sie eindeutig besser gebrauchen.

DR. ELISABETH HOLUSCHA Hochschulberaterin und Strategiecoach mit 20 Jahren Erfahrung im Wissenschaftsmanagement.

www.hochschulcoaching.de

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