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Die Neugierige

Die Geografin Berit Edlich managt Wissenschaft an der TU Dresden und tüftelt ein Start-up aus, mit dem sie ihre Erfahrungen an andere weitergeben will.

Schon am Gymnasium wusste Berit Edlich genau, was sie will, nämlich Geografie studieren, um das Zusammenwirken von Mensch und Natur zu erforschen. Doch die 1990er-Jahre waren in ihrer Geburtsstadt Leipzig von Umbrüchen und Neuanfängen geprägt. „Es gab viel Unsicherheit und meine Eltern konnten sich nicht vorstellen, dass ich mit einem Geografiestudium später Geld verdienen kann. Deshalb entschied ich mich für eine Banklehre“, erinnert sich Berit Edlich. Bereut hat sie die zweijährige Ausbildung keineswegs, denn mit diesem Job konnte sie später ihr Studium finanzieren. „Es hat mir sehr genützt“, sagt sie heute.

Nach dem Studium widmete sie sich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden Fragen der Stadt- und Regionalplanung, betreute Projekte und übernahm auch administrative Aufgaben. „Es war zwar gewünscht, dass ich promoviere“, erinnert sie sich, „doch ich habe gesehen, wie schwierig es für viele Kollegen war, ihre Doktorarbeit abzuschließen. In den Nullerjahren war eine Promotion oft nicht mit einer Festanstellung verknüpft.“ Deshalb entschied sie sich gegen eine Promotion und vertiefte stattdessen mit einer berufsbegleitenden Weiterbildung an der Universität Basel ihr Wissen im Management von Projekten der öffentlichen Hand. Wirtschaftsförderung und Innovation zählten ebenfalls zum Curriculum. In der Schweiz entstand auch die Idee, für eine Weile im Ausland zu arbeiten.

Eine passende Stelle, die auf ihr Profil passte, fand Edlich in den Niederlanden an der Radboud Universität in Nijmegen. Dort erweiterte sie mit den neuen Aufgaben ihr Wissen und sammelte internationale Berufserfahrung. Sie forschte zur europäischen Raumentwicklung und lernte viel über europäische Forschungsprojekte, etwa, wie Anträge gestellt und dokumentiert werden müssen. Dieses Wissen half ihr, nach drei Jahren wieder in Dresden Fuß zu fassen.

Die Technische Universität (TU) Dresden erlangte in der ersten Förderrunde 2012 den Exzellenzstatus. Für das Forschungsmanagement suchte die Hochschule Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beraten, betreuen und das Forschungsmanagement professionalisieren. In fünf Themenfeldern suchte die TU Dresden Fachkräfte als Project Scouts. Berit Edlich übernahm als Project Scout den Forschungsschwerpunkt Energie, Umwelt, Mobilität. „Als ich 2013 an der TU Dresden begann, waren die Aufgaben sehr vage definiert. Wir hatten als Team viele Freiheiten, waren weit weg von der Zentralverwaltung. Man hat uns machen lassen. Organisatorisch gehörten wir zum Prorektorat“, erzählt sie im Rückblick.

In den sechs Jahren als Project Scout entwickelte sie gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen verschiedene Beratungsansätze, informierte über Förderprojekte, begleitete die Forschenden von der Idee bis zur Antragstellung, vernetzte die Wissenschaftler, experimentierte mit Workshop-Formaten und pflegte auch Netzwerke außerhalb der TU Dresden. „In erster Linie höre ich zu und frage nach. Im Gespräch mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern versuche ich, die Motivation des Einzelnen zu ergründen und sie mit den Fördermöglichkeiten abzugleichen“, sagt Edlich über ihre Arbeit. Auch die strategische Beratung der Hochschulleitung zu Fragen der Forschungsförderung zählte zu den Aufgaben. Edlich erinnert sich gerne an die Zeit, in der sie gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen die Beratung zur Forschungsförderung professionalisierte.

Eine Evaluation im Jahr 2016 bestätigte den Erfolg des Konzepts. Die Stellen der Project Scouts wurden in permanente Positionen umgewandelt und das Team in die zentrale Verwaltung integriert. „Das war eine logische Entwicklung, um die Jobs zu erhalten. Aber die Aufgaben haben sich sehr verändert, die Freiheiten nahmen ab, es kamen mehr Verwaltungsaufgaben hinzu“, sagt Edlich. Deshalb entschied sich die Wissenschaftsmanagerin, nach einer neuen Aufgabe zu suchen. „Ich wollte einen anderen Weg einschlagen“, erinnert sich die 41-Jährige an das vergangene Jahr.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern, als Coach ein Team zu motivieren und sich immer wieder auf neue Projekte, Menschen und Situationen einzustellen, ist Edlichs Metier. Sie absolvierte eine Weiterbildung als Teamcoach, beschäftigte sich intensiv mit neuen Arbeitstechniken wie dem Design Thinking oder wie sich Ideen in Workshops bildlich darstellen lassen. Schließlich fand sie einen neuen Job, in dem sie ihre Talente besser einsetzen kann und der ihr mehr Freiraum bietet: Seit Oktober 2019 unterstützt sie an der TU Dresden als Wissenschaftskoordinatorin Prof. Dr. Jens Krzywinski, der Technisches Design an der Fakultät für Maschinenwesen der TU Dresden lehrt.

„Hier kann ich meine Kenntnisse als Wissenschaftsmanagerin einbringen. Ich berate Doktoranden und Wissenschaftler, baue Netzwerke auf und entwickle Ideen für Workshops“, sagt Edlich. So wolle sie bald einen Schreibworkshop für Doktoranden anbieten. Begeistert ist sie von den vielen Freiheiten in ihrem neuen Job: „Noch ist vieles offen, wie ein weißes Blatt Papier.“ Diesen Gestaltungsspielraum weiß sie zu schätzen. „Mich treibt eine große Neugier an, ich liebe es, immer wieder neue Verbindungen herzustellen und unterschiedliche Menschen miteinander bekannt zu machen“, sagt sie.

Die Wissenschaftsmanagerin engagiert sich auch im Berufsverband der Forschungsförderer, dem Netzwerk Forschungs- und Transfermanagement Fortrama. Mit ihren ehemaligen Kolleginnen Jenny Pick und Isabell Maibaum tüftelt sie gerade an einem Konzept für ein eigenes Beratungsunternehmen. Im Rahmen des Start-ups wollen die drei in Zukunft Forschungsverbünde und Wissenschaftseinrichtungen mit ihrer Expertise unterstützen. – Gibt es eigentlich irgendetwas, das ihren Elan stoppen könnte? Bei dieser Frage lacht sie und verrät: „Die einzige Bremse ist mein sechsjähriger Sohn, der Aufmerksamkeit einfordert.“ //

Lebenslauf:

1978  Geboren in Leipzig

1996 –1998 Ausbildung zur Bankkauffrau in Leipzig

1998–2005  Diplom-Studium der Geographie, Betriebswirtschaftslehre und Soziologie an der Technischen Universität (TU) Dresden und der Universität Leipzig

2005 –2008 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden

2008 –2011 Stellvertretende Leitung des nationalen Kontaktpunkts im Central Europe INTERREG IVB Programm am Leibniz-Institut für ökologische   Raumentwicklung in Dresden

2011 –2013 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Radboud University, Nijmegen, Niederlande

2013 –2019 Project Scout für das Forschungsfeld Energie, Umwelt, Mobilität an der TU Dresden

seit 2019 Wissenschaftliche Koordinatorin für die Professur Technisches Design der TU Dresden

Berit Edlich:

"Wissenschaft braucht Management, weil sonst allerhand auf der Strecke bleibt und Ideen nur schwer realisiert werden können.

Ich bin gerne Wissenschaftsmanagerin, weil ich meine Nase gern in viele neue Dinge stecke, selber vor Ideen sprudele und Vorhaben mit ermöglichen kann.

Das behindert meine Arbeit als Wissenschaftsmanagerin: Absoluter Störfaktor ist der Befristungswahnsinn, den es auch im Wissenschaftsmanagement gibt. Viele Einrichtungen, die nicht auf Exzellenzmittel zurückgreifen können, haben zu wenig Personal.

Hier ist ein Umdenken in Wissenschaftseinrichtungen notwendig: Ein Umdenken sehe ich im allgemeinen und simplen Verständnis, dass das wirkliche Kapital der Wissenschaftseinrichtungen die Menschen mit ihren Erfahrungen sind und dass man sie unbedingt wertschätzen muss.

Darauf bin ich stolz: Dass ich einen völlig neuen Service an der TU Dresden etabliert habe, Agilität gegen Linearität verteidigt habe und den Mut besitze, viele eigene Ideen umzusetzen."

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