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Kein ernsthaft zu verfolgender Weg

Von einer gesetzlich verankerten Frauenquote hält Dorothee Dzwonnek wenig. Die Generalsekretärin der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat den Eindruck: Nicht einmal die Wissenschaftlerinnen selbst wollen eine solche Vorgabe. Und setzt auf die Selbstverpflichtung der Wissenschaft.

Als (erste) Generalsekretärin der größten Forschungsförderorganisation in Deutschland bin ich häufig mit Wissenschaftlerinnen aus den verschiedensten Fachgebieten und Einrichtungen und auf den unterschiedlichsten Karrierestufen im Gespräch. So wie ich zuvor als (erstes weibliches) Mitglied im Vorstand des größten deutschen Forschungszentrums in Jülich und als (insgesamt dritte) Kanzlerin einer deutschen Universität in Dortmund oft mit Professorinnen, wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen oder Studentinnen zu tun hatte. Eine „Frauenquote“ in der Wissenschaft kam und kommt dabei nur höchst selten ernsthaft zur Sprache. Und wenn, dann nur so, dass sie kein ernsthaft zu verfolgender Weg ist.

Natürlich, die Situation von Wissenschaftlerinnen hierzulande ist nach wie vor unbefriedigend. Aber eine Frauenquote ist nicht der richtige Weg zu mehr Chancengleichheit. Dies gilt erst recht für eine gesetzlich festgeschriebene und für das gesamte Wissenschaftssystem gleich verbindliche Regelung. Sie ist der Wissenschaft und den Wissenschaftlerinnen schlicht wesensfremd.
Reputation ist das höchste Gut

Eine solche Quote trägt, erstens, den unterschiedlichen Gegebenheiten in der Wissenschaft nicht Rechnung; zu vielfältig und verschieden sind die Problemlagen und -lösungsmöglichkeiten in den jeweiligen Wissenschaftsgebieten und Einrichtungen. Eine Quote macht, zweitens, nicht allein die wissenschaftliche Qualität zum Maßstab für wissenschaftliche Karrieren. Damit setzt sie, drittens, hochqualifizierte Frauen der Gefahr aus, als bloße „Quoten-Frauen“ gesehen zu werden. In der Wissenschaft, in der Reputation das höchste Gut darstellt, ist dies besonders karrierehinderlich. So verwundert es kaum, dass gerade Wissenschaftlerinnen eine Frauenquote ablehnen.Und viertens: Eine Quote verträgt sich nicht mit einem System, das stärker als andere Systeme selbstgesteuert ist; so wie die besten wissenschaftlichen Ideen aus der Wissenschaft selbst kommen müssen, so müssen auch die Impulse für mehr Chancengleichheit aus ihr heraus entwickelt und von ihr selber umgesetzt werden. Eben dies will die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit ihren „Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards“ erreichen. Sie wurden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erarbeitet und vor gut zwei Jahren von der überwältigenden Mehrheit der DFG-Mitglieder als Selbstverpflichtung angenommen. Die Standards definieren Gleichstellung als Aufgabe für die gesamte Einrichtung, auf allen Ebenen, in allen Steuerungselementen und mit fester Verankerung in der Leitung. Sie sehen Maßnahmen zur nachhaltigen personellen und strukturellen Förderung von Chancengleichheit vor; sie erfassen alle Qualifikationsstufen und berücksichtigen die Heterogenität der einzelnen Fächer und Einrichtungen.

Verpflichtung der Wissenschaft

Natürlich, auch hier gibt es Zielzahlen: Die Mitgliedseinrichtung verpflichtet sich, den Anteil an Wissenschaftlerinnen auf allen Qualifizierungsstufen in einer bestimmten Zeit um einen bestimmten Prozentsatz zu erhöhen. Dabei orientiert sie sich an dem Rekrutierungspotenzial auf der jeweils unteren Karrierestufe. Ein solches wissenschaftsgeleitetes und maßgeschneidertes „Kaskadenmodell“ ist schon an sich etwas ganz anderes als eine gesetzlich verordnete und undifferenzierte Quote. Und es hat immer nicht nur die bloße Zahl im Blick, sondern auch die zu ihrer Erreichung notwendigen Instrumente und Prozesse.

Innerhalb kurzer Zeit haben die Gleichstellungsstandards an zahlreichen Universitäten und Forschungseinrichtungen spürbare Impulse gesetzt. Und wozu sie ihre Mitgliedseinrichtungen bewegen will, setzt die DFG auch selber um: Sie hat einen paritätisch besetzten Vorstand und drei Vizepräsidentinnen. Chancengleichheit ist Leitungsaufgabe und wird von einem (der fünf männlichen) Vizepräsidenten voran getrieben. Und auch in den wichtigsten Gremien sind Wissenschaftlerinnen stärker vertreten als es dem Frauenanteil an Lehrstühlen und Professuren entspricht. All das kann noch besser werden, doch sehen wir die Wissenschaft so auf dem richtigen Weg.

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