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// Editiorial: Biss //

Woher kommt das Coronavirus? Dieser Tage hat die Universität Hamburg auf eine Studie aus ihrem Haus aufmerksam gemacht, die die These aufstellt, dass es einem chinesischen Labor entwichen sei.

Kaum erschienen, war sie auch schon zerfleischt. Also, die Studie. Und auch die Universität. Kolleginnen und Journalisten fielen im Chor über das Werk her. Hieß es schon in der die Veröffentlichung begleitenden Pressemitteilung, die Studie liefere „keine hochwissenschaftlichen Beweise, wohl aber zahlreiche und schwerwiegende Indizien“, so wurden nun die Qualifikation des Verfassers, die Quellenlage und die Bezeichnung „Studie“ kritisiert. Und die Universität hätte sich als Institution nicht hinter die Meldung stellen dürfen, hieß es.

Doch raus ist raus, und solche Nachrichten, einmal in die Welt geflattert, können nicht wieder eingefangen werden. Der gute Grund ist eine Demokratisierung der Öffentlichkeit durch die Digitalisierung: Es braucht keinen Sender und keine Druckerei mehr, um sich zu äußern, und der Zugang zu Informationen ist leicht wie nie. Doch wer beurteilt ihren Wahrheitsgehalt, und wer schätzt verlässlich ihre Bedeutung ein? Was fangen wir an mit der Nachricht über das chinesische Labor? Und was werden die Chinesen dazu sagen? Wie wichtig ist die Studie und welche Folgen zeitigt sie?

Teure Technik hin oder her, dafür braucht es Journalismus. Menschen, die gelernt haben, Informationen nicht nur zu prüfen – das können viele –, sondern auch in gesellschaftliche und politische Zusammenhänge einzuordnen. Auszuwählen, was relevant ist für den öffentlichen Diskurs. Filterblasen, Journalismus imitierender PR und Fake News zum Trotz: In der Krise vor einem Jahr hat ein Rekordanteil des Publikums abends um acht geprüft, was dran ist an den Meldungen über das Virus, und was passieren wird. Die Tagesschau verzeichnete ­Zuschauerrekorde.

Wir richten im DUZ THEMA dieser Ausgabe (ab Seite 20) den Blick auf den Wissenschaftsjournalismus. Unsere Autorin Annick Eimer schürft tiefer: Ist den Beteiligten auf beiden Seiten klar, dass Journalismus ein Gegenüber sein sollte und nicht bloß ein reichweitenträchtiger verlängerter Arm der Wissenschaftseinrichtungen? Bei Wissenschaftlern macht Journalismus sich beliebt, wenn er ihre anspruchsvollen Inhalte verständlich erklärt und verbreitet. Und wenn es um den Kampf gegen „alternative Fakten“ und die Verteidigung von Wahrheitstreue geht, sitzen Journalisten und Wissenschaft ja auch in einem Boot. Doch der Physiker und Fernsehjournalist Ranga Yogeshwar mahnt im DUZ-Interview (Seite 28): Journalismus muss darüber hinaus gehen. Er muss auch kritisieren – und die Wissenschaftsorganisationen müssen sich das gefallen lassen.

Vielleicht ist es Zeit, aus dem gemeinsamen Boot wieder auszusteigen. Es ließe sich ja auch als Flotte ­weitersegeln.

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