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Kraftraum fürs Gehirn

Das Freiburg Institute for Advanced Studies (Frias) bringt die besten Forscher der Welt mit den besten der Uni Freiburg zusammen. Die Arbeitsbedingungen sind ideal, weshalb Fellow Jan G. Korvink meistens gute Laune hat.

Caenorhabditis elegans ist bloß ein kleiner Wurm, aber in der Biogenetik ein großer Star. Einer seiner Fans ist Prof. Dr. Jan G. Korvink. Er rückt ihm auf die Pelle, so gut und so oft er kann. Dabei muss er sich beeilen. Der Wurm lebt nur zwei Wochen, hinterlässt aber rund 1000 Nachkommen; die Tierchen sind nur einen Millimeter lang, durchsichtig und setzen sich aus 956 Zellen und 302 Nerven zusammen. Warum ist Korvink so vernarrt in dieses Wesen? Weil sich ein Drittel seines Genoms mit dem des Menschen deckt.

Ein Glücksfall für die Forschung, und doch nicht ganz perfekt. Denn trotz seiner Transparenz gibt der Wurm nicht allles preis. Das wird sich bald ändern: Am Freiburg Institute for Advanced Studies (Frias) werden ihm jetzt nicht nur die Genetiker sehr nahe kommen, sondern auch Mikrosystemtechniker Korvink. Mit viel Geld vom Europäischen Forschungsrat (ERC) wird er eine Plattform aufbauen, um jeden einzelnen Miniwurm per Superchip und Kernspinresonanz so zu durchleuchten, dass er seine molekularen Daten bei lebendigem Leib vollkommen preisgibt.

Niemand weiß, was daraus entsteht

Korvink ist einer der Freiburger Uni-Professoren, die das Frias als interne Fellows nutzen dürfen. Als dessen Gast auf Zeit kam er immer wieder mit einem Kollegen der School of Life Sciences am Frias zusammen. Eines Tages kam ihm die Idee für das ERC-Forschungsprojekt in den Kopf. Diese Begegnungen schätzt Korvink ganz besonders an dem Freiraum, den ihm das Frias bietet. „Vorher hat man in seinem Institut eher versteckt vor sich hin geforscht, soweit man dazu kam. Jetzt sind wir hier zusammengewürfelt. Niemand weiß, was daraus entsteht, und ich genieße den persönlichen Austausch mit so tollen Leuten aus der ganzen Welt.“ Das macht nicht nur gute Laune, sondern wird mit viel Geld aus Brüssel belohnt. Für Pioniere auf ihrem Gebiet wie Korvink ist das Frias wie ein Kraftraum, der perfekt auf sein Trainingsprogramm zugeschnitten ist. Nicht nur das eigene Forschungsgebiet, sondern auch angrenzende Disziplinen profitieren von dem Energieschub, den ihm die Uni Freiburg ermöglicht. „Ich brauche das. In meinem Arbeitsgebiet ist wahnsinnig viel Bewegung.“ Zum zweiten Mal ist er interner Fellow und leitet dessen Bereich für Forschung zur weichen Materie (School of Soft Matter Research) mit einem Physiker. Man muss können, was Korvink kann, um an einem solchen Institut viel zu erreichen: Wissenschaft weiterdenken als nur das eigene Projekt. Und weiter noch. Über die Forschung hinaus. Erst als er am Frias nur noch forschte und nicht mehr lehrte, kam ihm die Idee für für ein neues Lehrangebot, mit dem er Studenten in internationalen Teams anstachelt, gemeinsam Patente zu entwickeln und zum Laufen zu bringen. Die Uni zeichnete ihn dafür mit einem Lehrpreis aus. „Ich brauche als Forscher immer auch den Zugang zu gutem wissenschaftlichem Nachwuchs“, sagt Korvink. Forschung existiere nur dann, wenn man sie weitererzähle.

Deutschland wurde wachgeküsst

Seit 15 Jahren ist Korvink in Freiburg, obwohl er sich immer als Kosmopolit mit britischem Pass fühlte. Er war immer in Bewegung. Der Vater kam aus Rotterdam, er selbst kam in London auf die Welt und wuchs in Südafrika auf. Als Kind war er begeisterter „Lego-Ingenieur“, wie er es nennt. In Kapstadt absolvierte er ein Maschinenbau-Studium. 1986 ging er im Alter von 25 Jahren nach Europa an die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich. Die Mikrosystemtechnik steckte damals auch dort noch in den Kinderschuhen. Er war einer der ersten, der auf diesem Gebiet promovierte. Den Ruf nach Freiburg erhielt er, weil er Computer als Werkzeug für die Mikrosystemtechnik zu nutzen verstand. 1997 kam er nach Deutschland und spürte eine seltsam negative Atmosphäre an den Hochschulen, und das „trotz des tollen wissenschaftlichen Potenzials“. Inzwischen habe die Exzellenzinitiative Deutschland „richtig wach geküsst“, sagt Korvink, „und zwar viel schneller als alle dachten“. Auch seine Uni in Freiburg. Nun will er, dass es weitergeht: „Man hat jetzt zusammen etwas zu gewinnen.“

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