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Elixiere der Exzellenz sind bedroht

Sie sind die Zukunftshoffnung mancher Universitäten: die Institutes for Advanced Studies. Konzipiert als Kreativlabore der Spitzenforschung, leben einige von ihnen vom Geld der Exzellenzinitiative. Mitte Juni entscheiden die Gutachter, wohin die Millionen fließen. Die Spannung an den Universitäten steigt.

Als Gast hat man es meistens gut. Viele Forscher suchen nach Jahren harter Arbeit an der Uni eine Zeit des Rückzugs. Sie wollen Gast, englisch: Fellow, sein. Zum Beispiel am Freiburg Institute for Advanced Studies (Frias). Dort sind sie von Lehrverpflichtungen, Verwaltungskram oder endlos langen Debatten in Gremien befreit. Sie können sich zu den Höhenflügen der eigenen Lieblingsforschungsthemen aufschwingen. Und doch ist es kein abgehobenes, privilegiertes Luxusleben, das dort bereits 252 Wissenschaftlern zuteil wurde.

Strahlkraft auf die ganze Hochschule

Die Erwartungen sind hoch, das Arbeitspensum ist straff. Kreative Jungbrunnen für ausgebrannte Forscher sollen solche Elite-Institute wie das Frias sein. Aber sie wirken auch wie rettende Gesundheitselixiere, die den rasanten Uni-Betrieb von seinen Überlastungssymptomen heilen. Ob in München oder Aachen, in Konstanz, Heidelberg oder Göttingen, fast alle Exzellenz-Universitäten setzen auf den Energieschub, den solche Spitzenzentren freisetzen, und auf die Strahlkraft, mit der sie die ganze Hochschule vitalisieren. Vorbild ist das Urmodell: das Institute for Advanced Studies in Princeton. Von ihm profitierten über 6000 Koryphäen, darunter 38 Nobelpreisträger wie Albert Einstein. Solche Kraftzentren für das Gehirn fördern wissenschaftliche Exzellenz. Doch kaum eines der deutschen Institute wäre international konkurrenzfähig, würde der Bund nicht Geld zuschießen.

Jährlich fließen seit 2008 rund 9,4 Millionen Euro aus der Bundeskasse nach Freiburg. Oben drauf kommen noch 20 Prozent des sogenannten Overheads an die Freiburger Uni, also Zuschüsse für Sach- und Personalkosten. Das Frias ist ein perfektes Beispiel für den Entwicklungsschub, den die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder an wenigen Universitäten in Deutschland angestoßen hat. Das Forschungszentrum ist zugleich das Herzstück des Freiburger Zukunftskonzeptes, mit dem die ganze Uni unter dem Motto Fenster für die Forschung im Jahr 2007 erfolgreich war. Die Idee dahinter war, nicht nur ausländische Gäste ins Breisgau zu locken, wie es die meisten solcher Institute machen, sondern vor allem die eigenen Leute zu fördern. Dafür entwickelte die Uni das Modell des internen Fellow. „Wir wollten, dass auch unsere eigenen Spitzenleute ihre Forschungsbatterien hier bei uns aufladen und nicht sonstwo in aller Welt“, sagt Rektor Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer. Ihm geht es nicht nur um ein befristetes Exzellenz-Projekt für Spitzenforschung, Internationalisierung und Nachwuchsförderung, sondern „um eine strukturelle Veränderung der ganzen Hochschule“.

Handverlesene Professoren

Seither kommen am Frias die Besten zusammen. Ein Teil aus Freiburg, ein weiterer aus dem Ausland, der Rest sind Nachwuchswissenschaftler (Junior Fellows). Sie arbeiten in vier Bereichen, den sogenannten Schools: Geschichte, Sprache und Literatur, Lebenswissenschaften und auf dem Gebiet der weichen Materie, mit der neue Materialien für die Industrie entwickelt werden. Sie arbeiten drei Jahre lang nur an ihren Projekten.

Wer mitmachen will, muss sich einem strengen Auswahlverfahren stellen. Alle, auch die Freiburger Professoren, werden von unabhängigen wissenschaftlichen Beiräten handverlesen. Inzwischen bewerben sich so viele, dass sich jeder schon ausgezeichnet fühlt, wenn er einen Platz bekommt. Zum Beispiel der Romanist Prof. Dr. Andreas Gelz. Seine Zeit als Fellow widmet er nicht nur den eigenen Forschungen über die Rolle des Skandals im spanischen Kulturraum, sondern auch einem Antrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für eine Graduiertenschule, wenn er nicht mehr Frias-Gast ist. Oder die Medizinerin Prof. Dr. Kerstin Krieglstein, die am Frias in der molekularen Embryologie „ganz neue Dimensionen“, wie sie sagt, erschließt und „als Bonbon“ in den Begegnungen mit anderen Disziplinen die „Neue Universitas“ erlebt. Abgelehnte Bewerber klingen nicht so glücklich. Natürlich habe es an der Uni dann erhebliche Spannungen gegeben, sagt der Freiburger Rektor Schiewer. Inzwischen werde die interne Unterscheidung zwischen dem Elite-Institut und der Hochschule von der ganzen Uni getragen, „weil alle sehen, welchen Mehrwert das Frias erzeugt“.

Erfolgreich vernetzt und mit Bundesgeld ausstaffiert scheint zumindest in Freiburg das Konzept aufzugehen, deutschen Universitäten mit Exzellenzzentren auch international wieder zu Rang und Namen zu verhelfen. Ohne Bundesförderung jedoch kann es ganz schnell wieder schlecht aussehen. Das weiß der international renommierte Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Hans Joas, heute Fellow am Frias. Bis vergangenes Jahr war er selbst noch Leiter eines solchen Instituts, des Max-Weber-Kollegs der Uni Erfurt. Anders als das Frias konnte das Erfurter Kolleg immer nur mit der Hilfe seiner chronisch klammen Uni rechnen und musste sich deshalb vor allem mit Drittmitteln über Wasser halten. Unter der Regie Joas‘ und seines Dekan-Kollegen Wolfgang Schluchter gelang das. Die Finanzprobleme drückten die Mutteruniversität so sehr, dass sie sich selbst den Zugriff auf Fellowships sichern wollte. Der Konflikt um die wissenschaftliche Unabhängigkeit des Exzellenzzentrums eskalierte derart, das Joas seinen Hut nahm.

Die Beispiele aus Freiburg und Erfurt machen das Problem deutlich. Auch die Institutes of Advanced Studies werden keine Elixiere der Exzellenz bleiben, sondern nur kurz flackernde Strohfeuer, wenn das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in der Bildungsfinanzierung am Ende doch bleibt. Das aber ist noch nicht ausgemacht (siehe Kasten). Und so steht ab 2017 auch die Zukunft der Institutes of Advanced Studies in den Sternen, wenn die Exzellenzinitiative am Ende ist und der Bund den Ländern und damit den Hochschulen nicht helfen darf.

„Die Konsequenz wäre, dass wir Spitzenuniversitäten nicht halten könnten“, sagt Rektor Schiewer. Dann wird es Notlösungen geben. Er hofft für das Frias auf eine Dreier-Finanzierung. Baden-Württemberg und die Uni haben ein Drittel zugesichert. Fehlt nur noch der Bund.

Wann und wie das Kooperationsverbot fallen könnte

Wann und wie das Kooperationsverbot fallen könnte

  • Das Problem:  Seit der Föderalismusreform von 2006 hindert das Kooperationsverbot den Bund an der Förderung von Bildungseinrichtungen der Länder. Erlaubt sind nur zeitlich begrenzte Programme wie die Exzellenzinitiative oder der Hochschulpakt.
  • Der Vorschlag: Ein Entwurf des Bundesforschungsministeriums zur Änderung des Artikels 91 b im Grundgesetz schlägt vor, das Kooperationsverbot nicht aufzuheben, sondern nur zu lockern. Danach sollen künftig nicht nur Projekte, Hochschulbauten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen vom Bund mit gefördert werden dürfen, sondern auch Einrichtungen an Hochschulen.
  • Der Fahrplan: Abstimmung mit den Ländern bis zum Sommer, Lesungen im Bundestag im Oktober und November, Inkrafttreten zum 1. März 2013.

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