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Wohin mit Landau?

Die Doppeluni Koblenz-Landau soll geteilt und der Landauer Standort der TU Kaiserslautern zugeschlagen werden. Doch dort hält man wenig von den Plänen.

„Wir hatten das nicht auf dem Schirm“: Solchermaßen überfahren reagierte der Präsident der TU Kaiserslautern im Februar, Prof. Dr. Helmut Schmidt, als er von Journalisten auf die geplante Fusion seiner Uni mit dem Standort Landau angesprochen wurde. Auf dem Tisch lag der Ministerratsbeschluss, aus der Doppeluni Koblenz-Landau den Standort Landau auszugliedern und ihn der TU Kaiserslautern zuzuschlagen. Termin der Fertigstellung: Oktober 2022. Reaktion in Kaiserslautern: offener Protest.

Der Senat der TU empörte sich, weder seien die universitären Gremien noch Statusgruppen in den Entscheidungsprozess einbezogen worden. 49 emeritierte Professoren schrieben einen offenen Brief, in dem sie nicht nur das Procedere, sondern auch das Fusionsziel ablehnten. Der Asta der Hochschule forderte, dass die Landesregierung angesichts der unüberschaubaren Risiken ein Ausstiegsszenario vorlegen solle.

Die Präsidentin der Uni Koblenz-Landau, Prof. Dr. May-Britt Kallenrode, konterte auf den Protest in Kaiserslautern: Wenn der Ministerratsbeschluss die TU Kaiserslautern unvorbereitet getroffen habe, dann habe diese den Bericht jener Kommission nicht ernst genug genommen, die das rheinland-pfälzische Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur im April 2017 eingesetzt hatte. 15 Experten unter dem Vorsitz des Siegener Rektors und HRK-Vizepräsidenten Prof. Dr. Holger Burckhart sollten ein Hochschulzukunftsprogramm für das Land unterbreiten, Potenziale, Herausforderungen und Chancen der Hochschullandschaft prüfen.

Zukunftsfähigkeit bezweifelt

m April 2018 legten sie die Ergebnisse vor: Ihr Bericht bezweifelte die Zukunftsfähigkeit der Doppeluniversität Koblenz-Landau und legte dem Land nahe, mit potenziellen Partnern in der jeweiligen Region in Dialog zu treten. Für die TU Kaiserslautern empfahl die Kommission, die leistungsfähigen Forschungskerne zu stärken und mit der Region Pfalz zu kooperieren.

Für die Doppeluni Koblenz-Landau nimmt Präsidentin Kallenrode in Anspruch, angesichts der Kommissionsergebnisse „viel früher und viel ernsthafter“ in den Dialog mit dem Ministerium eingestiegen zu sein. Das mag unter anderem damit zu tun haben, dass das Zukunftsprogramm klarstellt, dass die Doppeluni ihren dritten Standort, nämlich ihren Verwaltungssitz Mainz, nun wirklich nicht braucht.

Es sei kein Wunder, hält Kaiserslautern dagegen, dass die Problem-Uni sich von dem Bericht eher angesprochen fühlte. „Wir hingegen wurden über den grünen Klee gelobt, als eine Universität, die sich hervorragend entwickelt“, sagt TU-Präsident Schmidt. Deshalb habe niemand in Kaiserslautern damit gerechnet, dass eine Reform anstehe, schon gar nicht eine übers Knie gebrochene. Schmidt hätte sich mehr Zeit gewünscht, um interne Gremien einzuschalten und zu prüfen, ob die möglichen Chancen einer Fusion die Risiken und den damit verbundenen Aufwand rechtfertigen. Ein Vorgehen, das Amtskollegin Kallenrode in Koblenz für wenig sinnvoll hält: „Eine Entscheidung in den Gremien bringt nichts. Hochschulstrukturentscheidungen sind Entscheidungen des Ministeriums, das schließlich auch für die Finanzierung verantwortlich ist.“

Dass sich die beiden beteiligten Hochschulen zu dem Prozess so unterschiedlich verhalten, hat einen einfachen Grund: Kaiserslautern hat eventuell etwas zu verlieren, Koblenz-Landau hingegen kann nur gewinnen. „Unter Governance-Gesichtspunkten sind wir nicht gut und wehrhaft aufgestellt“, sagt die Präsidentin von Koblenz-Landau. Ihre Hochschule sei im Verhältnis zu ihrer Größe finanziell sehr schlecht ausgestattet und kämpfe mit Strukturproblemen. So gebe es im fachlichen Angebot der beiden Standorte zwar durchaus Überschneidungen. Sie würden kapazitätsrechtlich aber getrennt geführt. Koblenz und Landau seien „völlig unterschiedliche Biotope mit unterschiedlichen Perspektiven“, sagt Kallenrode. So böten sich zum Beispiel für Koblenz regionale Kooperationen an, die aber in Landau nicht funktionieren. „Die Trennung ist für Koblenz eine große Chance“, findet Kallenrode deshalb. Gleichzeitig braucht Landau die Ablösung nicht zu fürchten: Das Land hat eine umfassende Bestandsgarantie ausgesprochen. Weder Arbeitsplätze noch Institute noch Finanzmittel würden von Landau abgezogen und nach Kaiserslautern wandern, Studierende müssten nicht pendeln.

Klare Entwicklungsziele gefordert

Ganz anders sieht die Situation in Kaiserslautern aus. Die TU hat sich mit ihrem naturwissenschaftlich-technischen Schwerpunkt und ihren sieben Sonderforschungsbereichen eine gute Ausstattung erarbeitet und sieht nicht, wie sie von der Fusion profitieren soll. „Eine so aufwendige Umstrukturierung macht nur Sinn, wenn sie mit klaren Entwicklungszielen in Forschung und Lehre verbunden ist“, meint Präsident Schmidt. „Andernfalls bremst der Transformationsaufwand die Hochschulentwicklung an den Standorten und führt so insgesamt zu einer Schwächung.“

Zwar gebe es Möglichkeiten für gemeinsame Forschung mit der Landauer Psychologie und den Umweltwissenschaften. Auch in der Lehramtsausbildung könne es Synergien geben. „Aber die Bestandsgarantie für Landau zementiert die räumliche Entfernung und erschwert so Perspektiven eines wirklichen Zusammenwachsens“, bemängelt Schmidt. Statt eines Miteinanders sieht es eher wieder nach einem Nebeneinander aus.

Grundsätzlich vermisst man in Kaiserslautern eine Begründung, warum die beiden Hochschulen nun zusammengehen sollen. Und in der Tat fehlt ein schlüssiges inhaltliches Konzept des Ministeriums. In einem Interview zur Fusion mit der „Rheinpfalz“ im Februar argumentierte Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf (SPD) recht dünn: Koblenz profitiere von der Trennung, weil man sich auf seine Stärken konzentrieren könne, Kaiserslautern dagegen ziehe Vorteile aus einer breiteren Aufstellung.

Ein offener Brief von 49 Professoren

In seinem offenen Brief gemeinsam mit 48 Kollegen zog dazu Dr. Wilfried Meyer, emeritierter Professor am Fachbereich Chemie der TU, den kritischen Schluss, „dass eine rein verwaltungstechnische Zusammenführung angestrebt ist, die nicht durch hochschulpolitische Ziele in Forschung und Lehre begründet ist, keine Entwicklungspotenziale ins Auge fasst und im Wesentlichen mit den existierenden Ressourcen der Universitäten umgesetzt werden soll.“

In einem immerhin sind sich die betroffenen Hochschulen einig: Mit den insgesamt acht Millionen Euro Transferkosten, die das Ministerium über einen Zeitraum von fünf Jahren für beide Standorte übernehmen will, ist die Fusion nicht zu machen. Deshalb hat nun nachträglich doch der Prüfprozess begonnen, den sich die TU Kaiserslautern anfangs gewünscht hatte. Der Ministerratsbeschluss, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Ministeriums, sei eine Grundsatzentscheidung und für das Handeln des Ministeriums maßgeblich. Dennoch wolle man den betroffenen Hochschulen einen „partizipativen Beteiligungsprozess“ anbieten. Der sieht so aus, dass regelmäßig eine Steuerungs- und sechs Arbeitsgruppen dazu tagen, wie sich der Hochschulumbau gestalten lässt.

Denn auch andere Alternativen wären denkbar. Etwa, Institute zu verlagern und damit die Standorte der Doppeluni Koblenz-Landau stärker inhaltlich zu differenzieren, so eine Idee von May-Britt Kallenrode, die, wie sie sagt, bisher aber kein Gehör gefunden habe. Landau und Koblenz zu zwei selbstständigen Unis aufzubauen, wäre eine weitere Möglichkeit, für die sich im Juli noch Ex-Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) aussprach. Doch: „Für die Ausstattung einer weiteren Universität ist Rheinland-Pfalz nicht reich genug“, sagt der Kaiserslauterner Präsident Schmidt.

Dann bleibt am Ende vermutlich doch nur die Fusion mit Kaiserslautern? Über das Gesetz dazu soll im Januar der Landtag abstimmen. Die betroffenen Hochschulen hätten aber die Zusage, sagt Schmidt, dass es kein Gesetz gebe, bevor sich die Hochschulen nicht einig seien. Er folgert: „Das kann eine Hängepartie werden.“ //

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