Bewerbung auf eine Professur

Ich stelle gerade die Unterlagen für meine erste Bewerbung auf eine Professur zusammen. Wo soll ich meine beiden Kinder erwähnen? Ich habe gehört, dass man sie im CV lieber weglassen soll, um nicht als weniger leistungsfähig abgestempelt zu werden. Was raten Sie?

Dieser Artikel ist im DUZ Magazin für Wissenschaft und Gesellschaft in der Rubrik "Unter 4 Augen" erschienen und Teil der Online-Reihe "Ratgeber" auf DUZ Wissenschaftskarriere.

Coach Mirjam Müller antwortet: 

Liebe Fragende, ob und wie Kinder im wissenschaftlichen Lebenslauf dargestellt werden sollen, ist eine knifflige Frage, zu der es unterschiedliche Positionen gibt: Einige vertreten die Auffassung, dass Informationen aus dem Privatleben, wie Familienstand und Mutterschaft, nicht erwähnt werden sollten, da sie eine Projektionsfläche für bewusste oder unbewusste Assoziationen zu Arbeitsfähigkeit oder Persönlichkeit bieten. Für Wissenschaftlerinnen, die sich im angelsächsischen Raum qualifiziert haben, sind persönliche Angaben befremdlich und werden für Bewerbungen als irrelevant bewertet. Zudem gilt dies als politically incorrect. ​

Gleichzeitig ist zu beobachten, dass sich die Kultur an deutschen Universitäten begonnen hat zu verändern. Hochschulen lassen sich für ihre Familienfreundlichkeit zertifizieren. Policies und Maßnahmen, wie beispielsweise aktive Rekrutierung und Dual Career-Programme, dienen dazu, mehr Frauen zu berufen. Die Praxis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das „akademische Alter“ von Bewerberinnen und Bewerbern um Elternzeiten oder teils pauschal um zwei Jahre zu verjüngen, verbreitet sich auch an Hochschulen. Tendenziell können Sie an progressiveren Unis mit offensiver Gleichstellungspolitik, in weniger konservativen Fächern oder in Kommissionen mit jüngerer Professorenschaft, die möglicherweise selbst Elternzeit genommen hat, mit mehr Verständnis rechnen.

Um Kinderzeiten zu Ihren Gunsten anrechnen zu können, muss die Kommission allerdings klar erkennen können, dass Kinder vorhanden sind. Wie setzen Sie das also praktisch um?

  • Wenn Sie Kinder haben, aber keine Elternzeit genommen haben, können Sie Ihren Nachwuchs in den Block „Persönliche Angaben“ gleich oben in Ihrem Lebenslauf aufnehmen, zum Beispiel in der Form: „Familienstand: verheiratet/Partnerschaft, zwei Kinder (*2012, 2016)“. Bleiben Sie sachlich und knapp, nennen Sie keine Vornamen oder exakte Geburtsdaten.
  • Wenn Sie Elternzeit genommen haben, sollten Sie diese Angabe (zusätzlich oder alternativ zu den persönlichen Angaben) als Teilinformation zu der wissenschaftlichen Position aufnehmen, während der die Elternzeit lag, zum Beispiel: „9/2015-12/2017 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an Institut für X der Universität Z (01-06/2016 Elternzeit)“. Das verbindet eine präzise Angabe mit dem Vorteil, dass die wissenschaftliche Tätigkeit im Fokus Ihrer tabellarischen Darstellung bleibt.
  • Gehen Sie im Anschreiben nicht auf Ihre Familiensituation oder Elternrolle ein. In aller Regel wirken Erläuterungen zu familiären Belastungen nicht werbend, sondern rechtfertigend. Zudem kann diese Angabe im Eifer des Gefechts übersehen werden, wenn die Kommission aus dem Lebenslauf heraus Ihre Qualifikationszeiten berechnet.​
  • Für jede der aufgezählten Strategien gibt es gute Argumente. Die Entscheidung, welchen Umgang Sie für sich selbst angemessen finden, liegt bei Ihnen. Viel Erfolg bei Ihrer Bewerbung!

    www.coachingnetz-wissenschaft.de

    Mirjam Müller ist Personalentwicklerin und Coach an der Universität Konstanz. Sie engagiert sich im Coachingnetz Wissenschaft, das als Partner der DUZ die regelmäßige Kolumne "Unter 4 Augen" erstellt.

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