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Fluch des Wissens

Forscher der Uni Hohenheim haben Pressemitteilungen der Bundesregierung analysiert, die das Thema Corona aufgreifen

Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim kritisiert unverständliche Pressemitteilungen.

Sie haben untersucht, wie verständlich Corona-Pressemitteilungen der Bundesregierung sind. Warum gerade Pressemitteilungen?

Seit März 2020 hat die Bundesregierung mehr als 1 360 Pressemitteilungen mit Bezug zu Corona veröffentlicht. Das sind sehr viele. Da sie auch auf der Webseite der Ministerien stehen, werden sie nicht nur von Journalisten gelesen, sondern auch von Bürgern.

Was war das Ergebnis Ihrer Analyse?

Pressemitteilungen sind für Laien oft kaum verständlich. Leser können die Informationen nur schwer aufnehmen. Das ist in Krisenzeiten wie diesen ein Problem. Denn es erschwert die Akzeptanz von Maßnahmen und das Befolgen von Regeln.

Woran machen Sie diese Unverständlichkeit fest?

Wir sehen das zum Beispiel an langen Schachtelsätzen mit 40 bis 50, zum Teil über 80 Wörtern. Zusammengesetzte Wörter wie „Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz“ oder „lebensmittelkennzeichnungsrechtlich“ werden nicht erläutert. Auch Fachbegriffe wie „Covid-19 Evidenz-Ökosystem“ sind kaum verständlich. Dabei ist das schlicht ein Netzwerk von Universitätskliniken, die Daten zu Covid-19 sammeln, um medizinische Behandlungen oder Vorsorge zu verbessern.

Liegt es am Thema Corona, dass die Behörden nicht klarer formulieren?

Nein, es ist ein generelles Problem der Behörden, die oft in verstaubten Formulierungen verfangen sind. Statt auf schöne Verben setzt man dort auf Substantive, lange Sätze und Wortzusammensetzungen.

Woran scheitert eine verständliche Formulierung?

Das liegt an der Tradition von Behörden, die alles, was zu einem Thema gehört, in einen Satz packen wollen. Dazu kommt der Fluch des Wissens: Je mehr man über ein Thema weiß, umso weniger kann man sich vorstellen, dass andere weniger darüber wissen. So wird oft vergessen, dass Begriffe des behördlichen Alltags für andere nicht Normalität sind. Zudem ist die Corona-Kommunikation meist Ergebnis von Kompromissrunden, bei denen sich Bund und Länder unter Zeitdruck auf etwas einigen müssen. In der externen Kommunikation müssen sich dann alle wiederfinden, zumindest ein bisschen.

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