DUZ AKTUELL

POLITIK & GESELLSCHAFT

FORSCHUNG & INNOVATION

STUDIUM & LEHRE

KOMMUNIKATION & TRANSPARENZ

ARBEIT & PSYCHOLOGIE

WISSENSCHAFT & MANAGEMENT

 Login

Lohnt sich eine wissenschaftliche Laufbahn für mich?

Nach meiner Dissertation habe ich eine wissenschaftliche Laufbahn ins Auge gefasst. Obwohl ich wild entschlossen bin, kommen mir zunehmend Zweifel, ob und wie ich eine Professur in meinem Fach der Geisteswissenschaften erreichen kann. Lohnt sich eine wissenschaftliche Laufbahn für mich?

Dieser Artikel ist im DUZ Magazin für Wissenschaft und Gesellschaft in der Rubrik "Unter 4 Augen" erschienen und Teil der Online-Reihe "Ratgeber" auf DUZ Wissenschaftskarriere.

Coach Iris Koall antwortet:
Ihre Ambivalenz ist ein Hinweis darauf, dass die Chancen und die Risiken einer solchen Laufbahn tatsächlich nur schwer einschätzbar sind. Sie benötigen einen Plan A und einen Plan B. Zunächst zum Plan A (Professur): Haben Sie in Ihrer Fakultät Unterstützung für eine Habilitation? Betrifft Ihr Habilitationsprojekt kontemporäre und zukünftige Forschungen, und: Gibt es dafür gegebenenfalls Forschungsprogramme? Haben Sie kollegiale Kooperationen, dass Sie einen Beitrag zum Wissensfortschritt leisten können? Machen Ihnen die administrativen, lehrenden und selbstverwaltenden Tätigkeiten in der Fakultät insgesamt wirklich Spaß, also nicht nur Ihre Forschung im stillen Kämmerlein? Befragen Sie zudem Professorinnen und Professoren dazu, wie sie die aktuelle Berufungslage in Ihrem Fachgebiet einschätzen. Informieren Sie sich über die Zeiten potenzieller Neubesetzungen. Wenn Sie die Möglichkeit haben, eine Tenure-Track-Position zu erhalten, ist dies eine ausgezeichnete Chance, um diesen Beruf zu erlernen.

Aber: Diese Klärungen und ausgezeichnete wissenschaftliche Leistungen sind eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung. Ein Schlüssel für das Tor zur Professur ist Ihre Bekanntheit in Reputationsnetzwerken. Eine realistische Chance auf eine Professur haben Sie, wenn Sie im Vorfeld gesehen, angesprochen und zu einer Bewerbung aufgefordert werden. Dies bedeutet auch, dass Sie einen nicht zu vernachlässigenden Teil Ihrer Zeit der Reputationsarbeit widmen sollten, in der Sie durch Publikationsprojekte, Networking, Konferenzteilnahmen und -gestaltungen, Auslandsaufenthalte und Kooperation in Forschungsprojekten Ihre Kompetenz in einer Forschungsszene – gerade in machtvollen Netzwerken – unter Beweis stellen können.

Jetzt brauchen Sie gegebenenfalls Geduld, wenn Sie als Postdoc in prekären Stellungen tätig werden. Möglicherweise müssen Sie sich die Zeit nehmen, Souveränität in Berufungsprozessen zu entwickeln. Üben Sie: Bewerben Sie sich, sobald Sie Ihr Profil als passend wahrnehmen. Seien Sie ruhig mutig bei Bewerbungen auf Ausschreibungen. Sie werden dadurch wahrgenommen.

Je nach Bewerbungslage, Ihrer Profilentwicklung und -erweiterung kann es sein, dass Sie einen für Sie spannenden und realistischen Plan B entwickelt haben, um in einem anderen professionellen Feld eine angemessene Position zu finden. Diesen Plan B sollten Sie bei aller Ambition als gleichwertig betrachten und mitdenken und gelegentlich überprüfen. Welche ergänzenden Qualifikationen können Sie erwerben, die Sie für die Industrie, außeruniversitäre Forschung oder Ähnliches interessant machen?
Da das Durchschnittsalter für eine Habilitation bei rund 43 Jahren liegt, sind Sie für Einstiegsjobs in der Industrie häufig zu alt oder überqualifiziert. Eine Alternative liegt deshalb in der Selbstständigkeit als Beraterin, wo Sie Ihre Expertise Organisationen zur Verfügung stellen. Scheuen Sie sich nicht, auch in diese Richtung zu denken, denn der Hochschulbereich ermöglicht Ihnen die Ausbildung einer Professionalität und Persönlichkeit, die Sachlagen einschätzen, Situationen durchdenken und planvoll umsetzten kann.

Literatur:
Müller, Mirjam (2014): Promotion, PostDoc, Professur – Karriereplanung in der Wissenschaft, Frankfurt: Campus

DR. IRIS KOALL ist Wissenschaftscoach und Trainerin insbesondere zu den Themen von Kompetenz- und Karriereentwicklung, Prävention und Schutz vor sexueller Belästigung sowie Gender und Diversity. Zudem ist sie Mitglied im Coachingnetz Wissenschaft, das Partner der DUZ ist.

www.coachingnetz-wissenschaft.de

Login

Der Beitragsinhalt ist nur für Abonnenten zugänglich.
Bitte loggen Sie sich ein:
 

Logout

Möchten Sie sich abmelden?

Abo nicht ausreichend

Ihr Abonnement berechtigt Sie nur zum Aufrufen der folgenden Produkt-Inhalte: