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Die stillen Brückenbauer zwischen Ost und West

Mehr als 200 deutsche Hochschulen arbeiten mittlerweile mit Partnerhochschulen in Osteuropa zusammen – Tendenz steigend. Die Qualitätssicherung vor Ort gelingt maßgeblich mit deutscher Hilfe.

Budapest/Düsseldorf Vor 25 Jahren lagen sie hinter dem Eisernen Vorhang, vor zehn Jahren galten sie als exotisch, heute gehören sie fest dazu: die Hochschulen und Forschungsinstitute in den Staaten, die mit den Osterweiterungen von 2004 und 2007 der Europäischen Union beigetreten sind. Über 3500 Kooperationen unterhalten sie mittlerweile mit mehr als 200 deutschen Hochschulen. Zählt man alle Nachfolgestaaten Jugoslawiens, die Ukraine und Weißrussland hinzu, sind es fast 4000. Seit 2004 hat sich die Zahl der Partnerschaften verdoppelt, und sie steigt weiter.

Eine Voraussetzung dafür sind einheitliche Standards in der Qualitätssicherung. In den vergangenen Jahren hat es in diesem Punkt eine deutliche Annäherung gegeben. Das Qualitätsmanagement in Osteuropa integriert sich immer weiter in die westlichen Strukturen. Das Netzwerk der europäischen Akkreditierungs- und Qualitätssicherungsorganisationen im Hochschulbereich (Enqa) spielt dabei eine wichtige Rolle. Es ist von der EU-Kommission mitfinanziert und hat unter anderem die Richtlinien für die Qualitätssicherung im europäischen Bildungsraum erstellt. „Die meisten Agenturen aus Osteuropa sind inzwischen Vollmitglied bei Enqa oder auf dem Weg dorthin“, sagt Dr. Achim Hopbach. Er ist der ehemalige Geschäftsführer des deutschen Akkreditierungsrates, seit Juli Chef der österreichischen Akkreditierungsagentur AQA und Präsident der Enqa: „Das heißt, sie arbeiten nach europäischen Standards.“ Das war lange anders: Ein Problem der Agenturen aus Osteuropa sei ihre mangelnde Unabhängigkeit von Ministerien gewesen, weiß Hopbach.

Meist geht es bei den Kooperationsprojekten um den Austausch von Studierenden und Professoren im Erasmus-Programm. Wer etwa Erasmus-Studenten ins Ausland schickt, muss sich davon überzeugen, dass die Anerkennung von Prüfungen und Seminaren gerechtfertigt ist. Wenn ein gemeinsamer Studiengang aufgebaut wird, werde es aber ernst, sagt Rudolf Smolarczyk, Referatsleiter für Hochschulbeziehungen zu Mittel- und Osteuropa bei der Hochschulrektorenkonferenz (HRK): „Dann muss man sich mit den Genehmigungsstrukturen des jeweiligen Landes auseinandersetzen.“ Früher hätten das nicht alle Institutionen beachtet und Studiengänge geplant, die in dem beteiligten Land von vornherein nicht genehmigt werden konnten.

Es komme auch heute noch vor, dass gemeinsame Studiengänge formale Kriterien nicht erfüllen, sagt Achim Hopbach, weil etwa eine Hochschule einen bestimmten Abschluss nicht verleihen dürfe. Das sei jedoch nicht nur in Osteuropa ein Problem. Oft verlangten die unerschiedlichen nationalen Bestimmungen, dass Studiengänge in beiden Ländern separat akkreditiert würden. Die Enqa will sich deshalb dafür einsetzen, dass sich die Staaten auf ein gemeinsames Verfahren einigen. Im Jahr 2015, bei der nächsten Bologna-Konferenz in Armenien, sollen sich die Minister damit befassen.

Ost- und Südosteuropa haben auch das Qualitätsmanagement-Netzwerk Ceenqa (Central and Eastern European Network of Quality Assurance Agencies in Higher Education). Daran sind unter anderem Deutschland und Österreich beteiligt. Im vergangenen Jahr wurde es aus dem ehemals losen Netzwerk Ceen gegründet. Das Netzwerk ist in Düsseldorf registriert – aus rein praktischen Gründen, heißt es. Das Sekretariat hat seinen Sitz in Budapest. Ein Konkurrenzverhältnis zwischen Enqa und Ceenqa sieht Hopbach nicht. Zum einen gebe es viele Doppelmitgliedschaften. Zum anderen seien die Ausrichtungen unterschiedlich. Während Enqa auch eine politische Interessenvertretung sei, beschränke Ceenqa sich auf den Erfahrungsaustausch.

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