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Von der Ideenschmiede zum Einhorn

Die ETH Zürich bringt im Schnitt jedes Jahr 30 Ausgründungen hervor. Wer auf Basis von Technologien, die an der Hochschule entwickelt wurden, gründen und wer sich „ETH-Spin-off“ nennen darf, ist in einem umfangreichen Regelwerk festgelegt.

Die ETH zählt weltweit zu den gründungsstärksten Hochschulen. Aus ihren Spin-offs entstehen erfolgreiche, eigenständige Unternehmen, die nicht nur Arbeitsplätze generieren und den Wirtschaftsstandort Schweiz stärken, sondern auch wichtige gesellschaftliche Herausforderungen lösen. Die Unterstützung durch die ETH ist für diesen Erfolg mitentscheidend, wie Franziska Schmid, Mediensprecherin der ETH, darlegt: „Der wichtigste Transfer von Wissen erfolgt nach wie vor über Köpfe – nämlich über unsere Studierenden und natürlich auch die über die Forschungszusammenarbeit mit der Wirtschaft. Dabei haben sich vor allem die ETH-Spin-offs als äußerst effiziente Vehikel für den Technologietransfer etabliert. Die Studierenden sind eine wichtige Zielgruppe für uns. Unser Anliegen ist es, ihr unternehmerisches Denken zu fördern.“ Das ETH-Gesetz ist ein Bundes­gesetz, das die Kompetenzen zwischen Parlament, Bundesrat, dem ETH-Rat und den Hochschulen regelt.

Damit das gelingt, pflegt die ETH enge Kontakte zu Wirtschaft, Politik und Verwaltung und fördert unter anderem mit der Lizenzierung von Technologien und einem unternehmerischen Ökosystem insbesondere Spin-offs. „Es ist der ETH Zürich ein zentrales Anliegen, Innovationen aus der Hochschule möglichst schnell nutzbar zu machen und in die Gesellschaft zu tragen – dieser Auftrag ist auch im ETH-Gesetz verankert,“ so Franziska Schmid.

Effiziente Anschubförderung auf allen Ebenen

Um dieses Ziel zu erreichen, wird das Unterstützungs­angebot laufend ausgebaut – wie etwa mit den Pioneer Fellowships: Das Stipendienprogramm unterstützt mit bis zu 150.000 Schweizer Franken für 18 Monate ETH-Studierende und -Forschende dabei, aus ihren Forschungsergebnissen marktfähige Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Darüber hinaus erhalten sie unternehmerisches Coaching, Unterstützung durch eine Professorin oder einen Professor, Zugang zur ETH-Infrastruktur und zum unternehmerischen Ökosystem. Finanziert wird das Ganze durch die ETH Zürich Foundation. Weil der Bereich immer wichtiger wird, wurde vor zweieinhalb Jahren ein eigenes Vizepräsidium für Wissenstransfer und Wirtschaftsbeziehungen an der ETH etabliert.

Ein weiteres Beispiel ist das offene Ideenlabor Student Project House, das Studierenden ermöglicht, auch außerhalb des Curriculums mit Gleichgesinnten an Ideen zu arbeiten, sich zu vernetzen, Prototypen zu entwerfen und zu bauen. Auf Wunsch erhalten auch sie Beratung und Coaching. Die ETH Zürich unterstützt ihre Spin-offs zudem in der Startphase mit Büros, Laboren, Kommunikations- und Informatikdienstleistungen und ermöglicht die Nutzung von Infrastrukturen und spezialisierten Geräten zu guten Konditionen. 

„Die Unterstützung durch die ETH ist für diesen Erfolg mitentscheidend. Als Grundlagenforschungsinstitution produzieren wir vor allem sehr frühe Technologien, die für die etablierte Industrie häufig noch nicht genügend aufbereitet sind und die in diesem Umfeld wirtschaftlich und mit absehbarem Risiko weiterentwickelt werden können. Da helfen die jungen, dynamischen Start-ups, welche typischerweise mit Risiko­kapital finanziert sind, eine Technologie relativ schnell auf das nächste Niveau oder sogar darauf basierende erste Produkte in den Markt zu bringen,“ schildert Mediensprecherin Franziska Schmid. 

Von Spin-Offs zu weltweit agierenden Unternehmen

Erfolgreiche Spin-offs wie Synhelion, Planted und Climeworks, die breit wahrgenommen werden, würden auch andere dazu inspirieren, ihre Ideen weiter voranzutreiben, so Schmid. So hat Synhelion sich auf die Herstellung von Solartreibstoffen spezialisiert, die aus Sonnenlicht und CO2 aus der Luft hergestellt werden. Planted ist ein Anbieter für pflanzliche Fleischalternativen. Und Climeworks ist ein Unternehmen, das eine Filtertechnologie entwickelt hat, mit der sich CO2 direkt aus der Umgebungsluft filtern lässt.

Aus einer Studie der ETH geht hervor, dass 93 Prozent der ETH-Spin-offs die Fünfjahresmarke erfolgreich überstehen. Mit jedem Spin-off entstehen im Schnitt mehr als 30 Arbeitsplätze, so die Studie. Die Anzahl der Gründungen bleibe mit circa 30 ETH-Spin-offs pro Jahr auf konstant hohem Niveau, so die Schweizer Handelszeitung im Januar 2023. Auch bei den Investoren scheint das Interesse an den ETH-Spin-offs groß zu sein: So flossen 2022 rund 1,2 Milliarden Schweizer Franken in die ETH-Spin-offs – so viel wie noch nie. Drei ETH-Jungunternehmen sind sogar sogenannte Einhörner, Unternehmen, die schon vor dem Börsengang eine Bewertung von einer Milliarde Dollar überschritten haben.

Durch die substanziellen Finanzmittel, die in Form von Risikokapital, Business Angels oder Venture-Capital für das Wachstum und die Weiterentwicklung der Firmen eingesetzt werden, werde auch die Entwicklung der ETH-Technologien enorm beschleunigt – nennt Franziska Schmid einen der Vorteile, die die ETH durch ihr Engagement für die Spin-offs erhält. Für die ETH sei es aber vor allem wichtig, dass ihre Spin-offs hochqualifizierte Arbeitsplätze in Zürich und der Schweiz schaffen und durch die Zusammenarbeit mit anderen Partnern die Innovationskraft der Schweizer Wirtschaft stärken. So gebe die Hochschule den Steuerzahlern wieder etwas zurück.

„Wir stellen aber mit großer Freude fest, dass erfolgreiche Alumni und Alumnae, darunter eben auch ehemalige Spin-off-Gründende, die ETH zusehends finanziell unterstützen. Zudem helfen erfolgreiche ETH-Spin-offs dabei, die besten Talente nach Zürich zu holen. Davon profitiert nicht nur die ETH, sondern die ganze Schweizer Wirtschaft“, so Schmid. Außerdem erhält die ETH Gelder aus den vergebenen Lizenzen und ihren Beteiligungen an den Spin-offs, wenn diese aufgekauft werden oder an die Börse gehen. Hierzu hat die ETH eine ganze Reihe von Richtlinien erarbeitet, die helfen sollen, Transparenz und Rechtssicherheit darüber zu schaffen, was möglich ist, wie die Verfahren sind und was von den Ausgründern erwartet wird.

Mit Richtlinien Konsens schaffen

Zurzeit werden an der ETH Zürich die Richtlinien für die Ausgründung von Unternehmen – die Spin-off-Richtlinien – überarbeitet. Sie beschreiben, was genau ETH-Spin-offs sind, welche Bedingungen erfüllt werden müssen, damit man diese Qualitätslabel führen darf, welche Unterstützungen möglich sind, welche Rollen Professorinnen und Professoren haben können, wie hoch ihre Beteiligung am Unternehmen sein kann oder wie potenzielle Inte­ressenskonflikte vermieden werden können. 

„Die Richtlinien werden von einer Arbeitsgruppe sehr erfahrener Experten aus verschiedenen Bereichen erarbeitet, mit internen und externen Stakeholdern verifiziert und in einem iterativen Prozess wieder überarbeitet. Zuletzt gibt es eine Vernehmlassung in der ganzen ETH Zürich, wonach die Feedbacks entsprechend eingepflegt werden und die ETH-Schulleitung dann die Richt­linien offiziell in Kraft setzt“, schildert Schmid das Verfahren, wie diese Richtlinien an der ETH entstehen. „Solche Richtlinien sind zentral, weil sie die nötige Transparenz und Sicherheit schaffen sowie die Erwartungen an gewisse Verhaltensweisen festlegen“, erläutert Franziska Schmid.

Warum diese Richtlinien an der ETH Zürich funktionieren, erklärt sie wie folgt: „Durch die Einbindung der gesamten Organisation bei der Etablierung der Richtlinien wird ein umfassender Konsens geschaffen, was zu einer hohen Akzeptanz und Umsetzungsbereitschaft führt.“ Die Richtlinien bieten insbesondere auch für die Gründerinnen und Gründer mehr Transparenz und Sicherheit, sodass sie wissen, was alles möglich ist und welche Unterstützung sie erwarten können. In den neuen Spin-off-Richtlinien wird unter anderem detaillierter dargelegt, welche Lizenzbedingungen unter welchen Gegebenheiten zur Anwendung kommen, wenn eine ETH-Technologie wirtschaftlich genutzt werden soll.

Die Bezeichnung „ETH-Spin-off“ und das dazugehörige Logo sind geschützt und markieren einen Qualitätsstandard, der sich international bereits zu einer viel begehrten Auszeichnung entwickelt hat. //

Weiterführende Informationen

Die ETH Zürich hat eine Übersicht ihrer Spin-off-Unternehmen online veröffentlicht.

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