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// Editorial //

Das ist doch mal ein frischer Satz: „Wir haben Lust auf Zukunft“, ...

... schrieben die Mitglieder der Koalitionsparteien in den Koalitionsvertrag, auf dessen Basis wir in den kommenden Jahren im Bund regiert werden sollen. Lustvolle Politiker sind ja eher eine Seltenheit dieser Tage. Dass sie ihre Momente des Frohsinns ausgerechnet im Abschnitt über „Innovation, Wissenschaft, Hochschule und Forschung“ dokumentiert haben, verbunden mit der Aussage, sie seien „offen für Neues“, freut uns natürlich, bewegt sich die Wissenschaftspolitik doch sonst eher in Ernst, Anspruch und großen Herausforderungen. Die holten dem weiteren Vertragstext zufolge auch die Koalitionäre direkt wieder ein. Nach der Ankündigung, „Impulse für die Wissenschafts- und Forschungslandschaft“ setzen zu wollen, heißt es unter anderem, man wolle „Innovation und Transfer von der Grundlagenforschung bis in die Anwendung fördern und beschleunigen“. 

In den zentralen „Zukunftsfeldern“, die die Koalitionäre dafür aufzählen, geht es vor allem um Klima, Energie, Digitalisierung, die Modernisierung des Gesundheitssystems, Mobilität und Biodiversität. Gute und wichtige Themen. Aber was ist eigentlich mit in den Geistes- und Kulturwissenschaften anzusiedelnden Themen? Zeigen nicht der gegenwärtige Zustand unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens und das dramatische Scheitern bei der Bekämpfung der Pandemie recht deutlich, dass es zur Bewältigung der großen Herausforderungen noch mehr braucht als naturwissenschaftlich-technische Erfolge? Tatsächlich haben die Koalitionäre daran auch gedacht und noch ein weiteres Zukunftsfeld drangehängt: „Gesellschaftliche Resilienz, Geschlechtergerechtigkeit, Zusammenhalt, Demokratie und Frieden“. Das klingt ob der lieblos anmutenden Zusammenwürfelung zwar ein bisschen nach „Gedöns“, aber wir bleiben fröhlich und gehen davon aus, dass sich mindestens die Sozialwissenschaften mit Extra-Förderung an der Zukunft beteiligen dürfen. Selbige, also die Zukunft, wird zeigen, ob auch für die Geisteswissenschaften was drin ist. 

Die wiederum sind dann natürlich ihrerseits gefordert, sich auf den gesellschaftlichen Bedarf einzustellen. Dazu hatte schon der Wissenschaftsrat im vergangenen Jahr das Positionspapier „Anwendungsorientierung in der Forschung“ veröffentlicht. Aber sind die Geisteswissenschaften überhaupt dafür aufgestellt? Silke Schmidt, promovierte Amerikanistin und Autorin unseres THEMAs in dieser Ausgabe (ab Seite 10), hat Zweifel. Sie knöpft sich die Geistes- und Kulturwissenschaften vor und spielt einmal durch, was es für sie bedeutet, dem Wissenschaftsrat zu folgen und angewandte Forschung zu betreiben. Ein Beitrag, der in die Zukunft blickt. Macht er auch „Lust“ darauf? Entscheiden Sie selbst.

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