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„Säulen der Demokratie“

Seit einem Vierteljahrhundert beobachtet und begleitet Wolfgang Heuser die Wissenschaftsszene. Ein Blick des früheren Verlagsleiters und heutigen Herausgebers der DUZ darauf, wie sich das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sowie zu den Medien gewandelt hat

Herr Dr. Heuser, als Sie 1996 Verlagsleiter der DUZ wurden, traf sich die Wissenschaftsszene in Bonn gerne auf den DUZ-Foren. Warum war dieses Format so erfolgreich und warum ist ein solcher direkter Kontakt zwischen Wissenschaftlern und Wissenschaftsjournalisten wichtig?

Weil dort die Protagonisten der Wissenschaftsszene Themen kontrovers diskutieren konnten, die den Wissenschaftlern und Wissenschaftsmanagern unter den Nägeln brannten. Die DUZ-Redaktion und die eingeladenen Fachjournalisten wiederum erhielten dort aus erster Hand interessante Hintergrundinformationen. Und – was für beide Seiten bis heute wichtig ist – man konnte dort gegenseitiges Vertrauen aufbauen. Für unseren Verlag bot dieses Format nicht nur zusätzlich die Möglichkeit, unsere Produkte und Dienstleistungen für die Wissenschaftsszene zu präsentieren, sondern auch, in direkten Gesprächen zu erfahren, wie wir Hochschule und Wissenschaft künftig mit innovativen Angeboten unterstützen können.

Sie beobachten die Wissenschaftsszene seit 25 Jahren. Wo hat sie sich aus Ihrer Sicht am augenfälligsten verändert?

Ganz eindeutig bezüglich der Qualität und des Stellenwerts der Wissenschaftskommunikation, mit der sich unser Verlag größtenteils beschäftigt. In den Neunzigerjahren war dieser Bereich bei Weitem noch nicht so professionalisiert wie heute. Man könnte sogar sagen, dass er damals als lästige Aufgabe empfunden wurde und eher eine marginale Rolle spielte. Heute steht außer Frage, dass qualitativ gute Wissenschaftskommunikation immens wichtig ist. Das zeigt sich nicht zuletzt am hohen Grad der Professionalisierung, durch den sich mittlerweile das Personal und die von ihm umgesetzten Projekte und Maßnahmen in den Kommunikationsabteilungen der Hochschulen und außeruniversitären Wissensschafts- und Forschungseinrichtungen auszeichnen.

Die DUZ wurde vor 75 Jahren mit dem Bedürfnis gegründet, die Wissenschaft mehr in die Verantwortung für die Gesellschaft zu nehmen. Wie hat sich das in den letzten Jahrzehnten entwickelt?

Die DUZ erschien 1945 das erste Mal, damals noch als GUZ, Göttinger Universitätszeitung. Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen, war zu dieser Zeit ein zentrales Anliegen der Herausgeber. Dies spiegelt sich in den Anfangsjahren sehr stark in den Beiträgen und in den in der GUZ angestoßenen Debatten wider: So kritisierte dort der Soziologe Alexander Mitscherlich die „Unmenschliche Wissenschaft“ der NS-Zeit. Der Philosoph Karl Jaspers rief dazu auf, dass der Mensch die Technik bestimmen müsse und nicht umgekehrt. Und der Sozialpsychologe Erich Fromm und der Soziologe Jürgen Habermas erörterten wichtige Bausteine demokratischen Denkens und Handelns. Mit den Jahren und der Ausrichtung auf wechselnde Zielgruppen der Wissenschaftscommunity ging diese Fokussierung auf die Gesellschaft nahezu verloren. Erst mit der Gründung des DUZ Medienhauses 2015 rückte dieser Aspekt wieder stärker in den Blickpunkt unserer Berichterstattung und wurde erneut zu einem zentralen Anliegen der DUZ.

2019 wurde die DUZ von „Deutsche Universitätszeitung“ umgetauft in „DUZ – Magazin für Wissenschaft und Gesellschaft“ und hat damit einen Trend gesetzt. Was wollten Sie und die Redaktion damit bewirken?

Als Angelika Fritsche, die Redaktionsleiterin der DUZ, mit ihrer Idee vorstellig wurde, die DUZ auf dieses Thema zu fokussieren, war für uns klar: Dies greifen wir unbedingt auf. Als DUZ und als DUZ Medienhaus wollen wir der Öffnung der Wissenschaft in die Gesellschaft den gebührenden Raum geben und die Wissenschaftscommunity bei dieser immens wichtigen Aufgabe unterstützen. Die Expertise der Wissenschaft zur Lösung drängender Gegenwarts- und Zukunftsfragen wird angesichts zunehmender weltweiter Krisen immer häufiger abgerufen. Die Bedeutung von Wissenschaft für unser Wohlbefinden und unsere Lebensqualität rückt immer deutlicher in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Und auch die Unesco appelliert in ihren Empfehlungen immer wieder an die Verantwortung der Wissenschaft für die Gesellschaft. Wir sind nur ein kleines Verlagshaus, aber dennoch voller Zuversicht, unseren „David“ richtig positioniert zu haben.

Sie werben mit dem Slogan „75 Jahre unabhängiger Journalismus für die Wissenschaft“. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Die DUZ ist eines der wenigen tatsächlich unabhängigen Magazine in Deutschland. Das DUZ Medienhaus steht in keinerlei Abhängigkeit zu einer Institution und auch intern ist die Redaktion, innerhalb eines notwendigen Kostenrahmens, umfassend unabhängig. Für mich ist das eine wichtige Voraussetzung dafür, dass wir unseren Leserinnen und Lesern qualitativ hochwertigen, gut recherchierten, kritischen und damit auch glaubwürdigen Journalismus bieten können.

Wie hat sich das Mediengeschäft im Wissenschaftsbereich in den letzten 25 Jahren verändert und was bedeutet das für Sie?

Die Digitalisierung hat das Mediengeschäft, gerade auch im Wissenschaftsbereich, deutlich verändert und wesentliche Säulen verlegerischer Tätigkeit ins Wanken gebracht. Das betrifft vor allem den Anzeigen- und Abonnementbereich. Nun mag man in diesem Kontext sofort an die teils unanständigen Abonnement-Bedingungen manch großer Konzerne denken, die zu Recht zu einer negativen Reaktion des Marktes geführt haben. Aber im Wissenschaftsmarkt agiert auch eine große Anzahl mittlerer und kleiner Akteure, die zuverlässige und vertrauenswürdige Partner der Wissenschaftscommunity sind. Diese vielfältige unternehmerische Landschaft ist es wert, erhalten zu werden, wird es aber zukünftig immer schwerer haben.

Wie sehen Sie heute das Verhältnis zwischen Medien und Akteuren aus der Wissenschaft?

Das Verhältnis der unterschiedlichen Akteure war immer auch von der Bedeutung der Thematik in der öffentlichen Wahrnehmung bestimmt. Ich erinnere mich noch gut an Jahre, in denen auch lokale Tageszeitungen ihre eigenen Wissenschaftsseiten hatten, die dann der wirtschaftlichen Krise der Tageszeitungen zum Opfer fielen. In jüngster Zeit lässt das pandemische Geschehen Medien und Wissenschaft wieder enger zusammenrücken. Nüchtern aufklärender Wissenschaftsjournalismus ist angesichts irrationaler, populistisch aufgeheizter Fake News dringend erforderlich, auch um die Gesellschaft realitätsnah zu informieren. Und ich habe den Eindruck, dass angesichts dieser gemeinsamen Aufgabe die verschiedenen Akteurinnen und Akteure deutlich zusammenrücken.

Sowohl die Medien als auch die Wissenschaft stecken in einer Glaubwürdigkeitskrise. Was können beide tun, um dies zu durchbrechen und das Vertrauen der Öffentlichkeit (wieder) zu gewinnen?

Zunächst einmal auf der Basis umfassender Professionalität hoch motiviert weiterarbeiten, trotz eines zum Teil heftigen Gegenwinds. Klingt simpel, ist es aber keineswegs. Hierbei dürfen beide Seiten aber nicht auf sich alleine gestellt sein. Gerade die Politik sehe ich in hoher Verantwortung. Sie muss die Grundlage schaffen, dass diese beiden unabdingbaren Säulen einer demokratischen Gesellschaft unbedrängt und gut ausgestattet ihre dem Allgemeinwohl dienenden Tätigkeiten ausüben können.

Wenn Sie heute vor der Wahl stünden, Verleger der DUZ zu werden, würden Sie ...

... als naiver Überzeugungsarbeiter ähnlich und mit gleich großer Freude diese Aufgabe wieder annehmen. „Mit großer Freude“, weil ich schon immer ein intrinsisch motivierter Arbeiter war und mich glücklich schätze, einen winzigen Bruchteil zum Bildungsgeschehen beitragen zu dürfen. „Ähnlich“ und nicht genauso, weil ich an Fortschritt glaube und an die Notwendigkeit, jenseits unverrückbarer Grundwerte seine Handlungen immer neu zu justieren. Als „Arbeiter“, weil spätestens nach dem Reden auch das hartnäckige Handeln kommen sollte. Aus „Überzeugung“, weil man als Gesellschaft wie auch als Einzelner etwas braucht, an dem man sich festhalten kann, einen Rahmen, einen Kompass, nicht zuletzt auch einen moralischen, mit dessen Hilfe man agieren sollte. „Naiv“, weil das Leben und berufliche Handeln vor dem Hintergrund gewisser Überzeugungen meines Erachtens eine Portion Naivität erfordern. //

ZUR PERSON

Dr. Wolfgang Heuser, der an der Universität Bonn promovierte Historiker und ausgebildete Lehrer ist seit Juni 2015 Herausgeber der DUZ, die er von seinem früheren Arbeitgeber, der Dr. Josef Raabe Verlags-GmbH übernahm. Von 1996 an bis zur Gründung des DUZ Medienhauses in Berlin vor fünfeinhalb Jahren verantwortete er als Verlagsleiter die Wissenschaftssparte des zum Klett-Konzern gehörenden Raabe-Verlags – zunächst in Bonn, ab 2002 dann von Berlin aus.

Foto: Annette Koroll​

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