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Viel mehr über Organisationskultur sprechen

Veränderungen in Organisationen gelingen vor allem dann, wenn sie die individuelle Kultur der Einrichtung berücksichtigen. Das gilt auch für Hochschulen – für sie sogar in besonderem Maße

Dieser Artikel ist in DUZ Wissenschaft und Management in der Rubrik "Reflexionszeit" erschienen und Teil der Online-Reihe "Weiterdenken & Diskutieren" auf DUZ Wissenschaftskarriere.

"Uni, wie tickst Du?“ – so lautete schon der Titel meiner Dissertation. Ich bin Fan des Themas Organisationskultur! Und Anfang November hielt ich bei einem Workshop des Dachprogramms Lehren einen fachlichen Impuls zu diesem absoluten Lieblingsthema. Das großartige Programm bringt Personen aus Hochschulleitung, Hochschullehre, Hochschuldidaktik und Hochschulmanagement zusammen. In individuellen Projekten entwickeln die Teilnehmenden die Lehre an ihrer Hochschule weiter (www.lehrehochn.de).

Über organisationskulturelle Merkmale von Hochschulen wird viel zu wenig gesprochen. Dabei sind sie entscheidend für jede Hochschulentwicklung. Die Organisationskultur der Hochschulen ist viel individueller, als gemeinhin vermutet wird. Tatsächlich tickt jede Hochschule hochgradig individuell und was an Veränderung an der einen Hochschule funktioniert, mag an der anderen Hochschule ins Leere laufen.

Klar, es gibt so etwas wie eine übergreifende Hochschulkultur und Wissenschaftsorganisationen ticken anders als Wirtschaftsunternehmen, anders als etwa Banken oder Verlagshäuser. Diesen Umstand haben die Hochschulen Mitte der 1990er-Jahre im Diskurs um „New Public Management“ erfolgreich klargestellt. Deshalb ist es heute gesellschaftlicher Konsens, dass Hochschulen eine andere Form der Leitung brauchen. Dieser Erkenntnis verdanken wir es, dass es Wissenschaftsmanagement überhaupt gibt.

Aber zurück zur Hochschulkultur. Veränderungsprozesse in Hochschulen, auch in der Hochschullehre, gelingen dann, wenn die Veränderung und die Art und Weise, wie sie vorgenommen wird, zu den informellen Spielregeln an der Hochschule passt. Wer die eigene Hochschule verändern möchte, kann nicht bei Strukturen und Prozessen aufhören. Erst wenn die Einstellungen der Organisationsangehörigen mitgehen, wenn die informellen Spielregeln sich ändern, wird Veränderung tatsächlich geschehen.

Organisationsentwicklungsprozesse, die nicht bis dahin vordringen, führen zu einem Phänomen, das den wunderbaren Namen „Decoupling“ trägt: die Entkopplung der formalen Ebene von der Handlungsebene der Organisationsangehörigen. Ich bin sicher, alle, die das lesen, hatten mit diesem Phänomen bereits zu tun. Ein Klassiker: das Leitbild, das Geschlechtergerechtigkeit für die Hochschule ausruft – aber nicht dazu führt, dass spürbar mehr Frauen berufen werden.

In meinem Impuls hatte ich die Teilnehmenden des Lehren-Workshops eingeladen, sich auf die Spur ihrer Hochschulkultur zu begeben. Was ist bei uns wichtig? Woran halten wir uns? Welche ungeschriebenen Gesetze gelten? Wer sind die Stakeholder? Was macht bei uns gute Lehre aus? Wie offen für neue Lehre sind wir? Gemeinsam im Kollegium solche Fragen zu reflektieren, bereitet den Boden für ein erfolgreiches Veränderungsprojekt.

DR. UTE SYMANSKI gründete 2009 Hochschulcoaching und ist Beraterin und Coach mit 20 Jahren Erfahrung im Wissenschaftsmanagement. Sie arbeitet mit Führungspersönlichkeiten im Wissenschaftssystem.
www.hochschulcoaching.de

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