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// Editorial: Die Weltgewandte //

Nun hocken wir also wieder im Lockdown. Oder sollte ich Shutdown sagen? Das Online-Wörterbuch Leo übersetzt Lockdown mit Ausgangssperre ...

... und Shutdown mit Abschalten und Stilllegung. Die weitergehende Recherche führt zu einer Erläuterung von Dr. Annette Klosa-Kückelhaus vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim und ergibt: In der herkömmlichen Verwendung passt keines der beiden Wörter so ganz. Ein Lockdown kann eine Absperrung eines bestimmten Gebiets als Sicherheitsmaßnahme bezeichnen, ein Shutdown die Schließung einzelner Geschäfte oder Unternehmen; wir kennen ihn auch aus den USA als Bezeichnung für das Schließen staatlicher Einrichtungen, wenn der Haushalt nicht bewilligt wurde.

Aber muss man es so genau nehmen? Sprache ist in Bewegung und irgendwie wissen doch alle, was gemeint ist, egal, ob man nun Lockdown oder Shutdown sagt. Für die Verständigung mit den Mitmenschen in Australien oder Großbritannien haben wir mit diesen Begriffen auch gleich die richtigen Worte, das ist praktisch. So weit, so gut!

Jenseits der schnellen Alltagskommunikation wird es allerdings schwierig. Lock- wie Shutdown beschreiben nicht genau genug, was wir in Deutschland in unserem Rechtssystem zur Bekämpfung der Pandemie einschränken oder verbieten – und was nicht. Ein entsprechendes deutsches Wort (über das man sich dann auch streiten könnte) gibt es nicht. So kann es passieren, dass manche Disputanten erst nach einiger Zeit merken, wenn sie von unterschiedlichen Dingen sprechen. Oder dass die Mitmenschen im Ausland ganz andere (meist gravierendere) Einschränkungen und Zwangsmaßnahmen meinen, wenn sie Lockdown oder Shutdown sagen. Wir erleben sozusagen am eigenen Leib, was Olga Rösch vom Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftsprache (Adawis) in ihrem Beitrag im THEMA in dieser Ausgabe formuliert: Die Sprache dient nicht nur der Kommunikation, sondern auch der Erkenntnis. Sie muss präzise sein und Bezüge herstellen können. Eine einfache Entlehnung aus einer anderen Sprache beraubt das Wort seiner Fäden, die es zum sprachlichen Umfeld spinnt. Genau das aber geschieht, wenn Nicht-Muttersprachler auf Englisch lernen und schreiben, kritisieren Rösch und ihre Mitautoren. Es ist die Schattenseite der Internationalisierung, die sie aktuell vor allem in Bayern unter anderem durch die anstehende Novellierung des Hochschulgesetzes vorangetrieben sehen. Im THEMA (ab Seite 16) spielen sie durch, was Muttersprache kann und was Anglisierung bedeutet, in der Wissenschaft, gesellschaftlich und juristisch.

Was man auch können muss, national wie international, in der Mutter- wie in der Fremdsprache, ist: zuhören. Man kann wahrscheinlich gar nicht oft genug darauf hinweisen in unserer wortreichen Zeit. Ausdrücklich empfiehlt es jedenfalls Dorothea Rüland, langjährige Generalsekretärin des DAAD. Kurz bevor sie ihr Amt weitergibt, hat sie sich noch einmal zum Gespräch mit DUZ Wissenschaft & Management eingefunden (ab Seite 10).

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