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"Die Hochschulen werden sich weiter politisieren"

Benedikt Brisch, DAAD-Außenstellenleiter in New York über Bidens Wahlsieg und die Hoffnungen der US-amerikanischen Wissenschaft

Die Wissenschaftsgemeinschaft hat den Sieg von Joe Biden gefeiert. Worüber kann sie sich denn besonders freuen?

Sie kann vor allem damit rechnen, dass eine Biden-Regierung alle Ansätze, die internationale Mobilität von Studierenden und Wissenschaftlern einzuschränken, wieder zurückfährt. Das ist ein entscheidendes Thema, denn die Erfolgsgeschichte der US-Wissenschaft basiert zum großen Teil darauf, die besten Talente der Welt anzuziehen und ihre Kreativität und Forschungsleistung zu gewinnen. Man muss sich klar machen, dass die amtierende Regierung vermutlich weiterhin immer wieder versucht hätte, Visa-Beschränkungen einzuführen. Zuletzt war im September ein entsprechender Vorschlag gemacht worden, der sehr viel Kritik vonseiten der Wissenschafts-Community auf sich zog. Einfache vier Jahre werden es für die neue Regierung trotzdem nicht werden – die „blaue Welle“ ist ausgeblieben und gerade in den Hochschulen wird es Auseinandersetzungen geben. Schon jetzt gibt es eine Reihe an Themen, die viel Streitpotenzial haben.

Welche Themen sind das?

Grundsätzlich werden die Hochschulen stärker im Fokus der Politik stehen. Umfragen haben gezeigt, dass viele konservative Wähler den Hochschulen zunehmend kritisch gegenüberstehen. Sie sehen sie als linksliberale Hochburgen, die junge Menschen einseitig beeinflussen. Es gibt ein paar Punkte, in denen die Meinungen von Konservativen und Liberalen grundsätzlich auseinandergehen. Buzz-Words sind unter anderem „Free Speech” und „Hate Speech”. Was „Free Speech” angeht, gibt es den Erlass von 2019, in dem Trump die freie Rede auf dem Campus fordert. Die Hochschulen argumentieren, dass es die durchaus gebe, man aber keine „Hate Speech” zulassen dürfe. Es ist aus meiner Sicht sehr wahrscheinlich, dass wir an den Hochschulen eine weitere Politisierung der Debatten erleben werden.

Ein zentrales Wahlversprechen Bidens ist der bessere Zugang zu Bildung. Kann er darüber stolpern?

Entscheidend ist die Richtung, die er nun vorgibt. Alle wissen, dass das ein langer Weg ist und auch einer, der nicht unumstritten ist. Für viele US-Amerikaner hat Bildung einen hohen Stellenwert und sie sind auch bereit, dafür zu bezahlen. Auch deswegen kommt immer wieder die Frage auf: Warum soll ein Studium auch für die, die es sich leisten können, kostenlos sein? Es wird darauf ankommen, ob für dieses komplexe Problem auch clevere Lösungen entwickelt werden, allen ist aber klar, dass diese sorgfältig vorbereitet werden müssen. Was wir zudem noch nicht wissen, ist, wie die Zusammensetzung des Kongresses aussieht. Davon hängt maßgeblich ab, wie viele seiner Ideen der neue Präsident umsetzen kann.

Was bedeutet der Wahlsieg für die deutsche und europäische Wissenschaftsgemeinschaft?​

Wir müssen die transatlantischen Wissenschaftsbeziehungen wieder auf Kurs bringen. Diese Beziehungen haben immer einen hohen Stellenwert gehabt, auch unter der Trump-Regierung. Ich rechne aber fest damit, dass sie nochmal richtig Aufschwung erhalten. Viele Hochschulen und führende Wissenschaftsjournale haben vor der Wahl Position bezogen, das ist ein Novum. Deswegen glaube ich, dass die Bereitschaft, in diese Beziehungen zu investieren, jetzt sehr groß ist. Ich habe auch den Eindruck, dass die letzten Jahre dazu geführt haben, dass den amerikanischen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen der Wert der internationalen Allianzen und Partnerschaften vor Augen geführt wurde, man weiß diese jetzt mehr zu schätzen als vorher. //

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