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// Editorial: Beraten //

Denke ich über Belarus und die gewalttätigen Szenen nach, die uns das Fernsehen seit Wochen fast täglich vor Augen führt, fürchte ich um die vielen jungen Menschen, …

… die zwischen die Räder eines sich mit allen Mitteln an die Macht klammernden Despoten zu geraten drohen. Die belarussische Opposition, darunter auch  viele Studierende und Dozenten (siehe Seite 6), geraten zunehmend in die Schusslinie der Staatsorgane. Die Alternative – Gefängnis oder Exil – klingt wie „Pest oder Cholera“. 

Was können wir, was kann die freie westliche Welt tun – und nicht nur im Fall von Belarus –, damit nicht schon wieder eine ganze Generation junger Menschen ohne jegliche Zukunftsperspektiven bleibt? Erinnern wir uns doch nur an das Tian’anmen-Massaker, wo der studentischen Demokratiebewegung in Peking der Garaus gemacht wurde. Das ist jetzt über 30 Jahre her. Doch die Bilder aus dem Juni 1989 haben sich bei vielen von uns tief im kollektiven Gedächtnis festgesetzt und mit ihnen das Bewusstsein, dass der Westen weitestgehend versagt hat, als es darum ging, den  verfolgten chinesischen Regimegegnern und Intellektuellen eine neue Heimat oder zumindest Schutz zu bieten. Business hat nun Mal so gut wie immer Vorrang vor den Menschenrechten. Die Aussicht auf pralle Auftragsbücher – zumal in Zeiten von Corona – wischt jeden Appell zur Seite, sich nicht gemein zu machen mit den Lukaschenkos, Putins, Erdoğans oder Xi Jinpings dieser Welt.

Fast einem kleinen Hoffnungsschimmer gleich kommt da die Ankündigung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD): „Wir wollen in der Welt globale Verantwortung übernehmen.“ Im Rahmen der mitten in der Corona-Krise verabschiedeten neuen Strategie „DAAD 2025“ hebt die Förderorganisation hervor, dass sie ihre Rolle als außenwissenschaftspolitischer Akteur stärker ausfüllen möchte. Im Interview mit der DUZ (ab Seite 12) betont DAAD-Präsident

Joybrato Mukherjee: „Wir erleben heute autoritäre Entwicklungen, zunehmende nationale Egoismen, Gewalt in politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen sowie fehlende Solidarität bei humanitären Katastrophen, Flüchtlingsbewegungen und klimabedingten Katastrophen. Es ist daher dringend notwendig, dass auch der DAAD seinen Beitrag zur Überwindung dieser Krisen leistet und mit seiner Förderpolitik auf die aktuellen weltweiten Herausforderungen reagiert.“

Hoffen wir mal, dass sich dieser hehre Anspruch in der rauhen Wirklichkeit der Weltpolitik nicht in Luft auflöst.  

Ich wünschen Ihnen allen, dass Sie bei allen Ihren Vorhaben, trotz Ungemachs und Schwierigkeiten, die die Corona-Zeit und die vielen unerquicklichen politischen Entwicklungen mit sich bringen, die Hoffnung nicht verlieren und fest an die Wirkmächtigkeit von Wissenschaft für eine weltoffene Gesellschaft glauben. Lassen Sie sich dazu von Kerstin Schill, der Rektorin des Hanse-Wissenschaftskollegs, ermutigen (ab Seite 16).

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