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Angst vor der Berufungsverhandlung - was tun?

Niemals hätte ich damit gerechnet, als Juniorprofessorin berufen zu werden. Aber das Hearing lief super, meine Drittmittelerfolge und Preise haben wohl überzeugt. Mir ist nun mulmig, ich fühle mich wie eine Betrügerin. Denn so gut bin ich doch gar nicht. Mir graust vor der Berufungsverhandlung

Dieser Artikel ist im DUZ Magazin für Wissenschaft und Gesellschaft in der Rubrik "Unter 4 Augen" erschienen und Teil der Online-Reihe "Ratgeber" auf DUZ Wissenschaftskarriere.

Coach Monika Klinkhammer antwortet:
Gratulation, welch ein Erfolg, Sie haben es verdient! – Dies haben Sie wohl oft gehört. Vermutlich verstärken ernst gemeinte Glückwünsche neben Freude auch Ihre Gefühle von Scham und Angst, nicht zu genügen. Im Coaching mit Erstberufenen werden solche Gefühle und Gedanken regelmäßig thematisiert. Ein steiler Aufstieg, der eigene überraschende Erfolg oder die erste Berufungsverhandlung verunsichern emotional.

So, wie Sie es beschreiben, deutet einiges (auch) auf ein Hochstaplersyndrom hin: Im Gegensatz zu realen Hochstaplern, die ihre Erfolge über Fälschungen von Studien, Qualifikationen oder durch Plagiate erworben haben, wird damit genau das Gegenteil beschrieben. Menschen, die dazu neigen, sind meist gerade besonders qualifizierte, leistungsstarke Persönlichkeiten und ausgewiesene Experten. Spitzenleistungen werden in ihrem Umfeld als selbstverständlich angesehen, Arbeitsüberlastung und entgrenzte Arbeitszeiten und -orte sind auch für sie selbst meist alltäglich. Trotzdem trauen sie ihrem Erfolg und ihrer eigenen Leistung nicht so recht.
Ursachen liegen oft in der familiären und beruflichen Sozialisation. Kommt eine mit dem Statusaufstieg verbundene Verunsicherung hinzu, meldet sich das Hochstaplersyndrom schnell zu Wort. Auch die wissenschaftliche Arbeit, das Arbeitsethos, die Organisationskultur in Hochschulen und die Spezifika der Wissenschaftskarriere selbst können ein Hochstaplersyndrom auslösen oder verstärken.

Im bisherigen Berufungsverfahren mussten Sie als Postdoc so tun, als ob Sie die Rolle einer Juniorprofessorin schon jetzt souverän einnehmen. Bei solchen Auftritten gilt die ganze Aufmerksamkeit neben Ihrem wissenschaftlichen Profil Ihrer optimalen Performance. Dabei wissen alle Beteiligten, dass Ihnen die Erfahrung als Professorin (noch) fehlt und Sie nur so tun, als ob Sie in dieser Berufsrolle bereits angekommen seien. Das Wissen um diese Inszenierung, die damit verbundenen Ambivalenzen, Gefühle und Gedanken sind für Sie deutlich erlebbar, sie werden jedoch nicht ausgesprochen.

Was können Sie dagegen tun:

  1. Bereiten Sie sich durch Fachberatung, Training und Coaching inhaltlich und taktisch gut auf die rechtliche, kommunikationspsychologische und verhandlungsstrategische Situation der Berufungsverhandlung vor. Was sind Ihre Ziele, Strategien und Forderungen? Was ist im Vorfeld wie zu tun? Wer nimmt teil?
  2. Proben Sie Ihren Auftritt und üben Sie im vertrauten Kreis oder im Coaching.
  3. Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein und erarbeiten Sie eine für Sie höchstattraktive Vision Ihrer Rolle als Juniorprofessorin in Collagen, Bildern oder Symbolen. Briefen Sie sich selbst und listen Sie auf, welchen Kompetenzen, Erfolgen, Qualifikationen oder Begutachtungen Sie Ihren Ruf verdanken. Wer, den Sie fachlich und menschlich schätzen, steht hinter Ihnen?

Das Risiko eines Scheiterns ist gering. Ihre Chance, für künftige Verhandlungen zu lernen, dagegen ist hoch.

Literatur:

Rohrmann, Sonja (2019): Wenn große Leistungen zu Selbstzweifel führen. Das Hochstapler-Selbstkonzept und seine Auswirkungen. Hogrefe Verlag, Göttingen.

Links:

SRF-Radio-Sendung: www.srf.ch/ sendungen/passage/als-ob-vom-nagenden-gefuehl-ein-hochstapler-zu-sein

Selbsttest: http://impostortest.nickol.as

DR. MONIKA KLINKHAMMER arbeitet als Coach, Lehrcoach, Supervisorin, Gestalttherapeutin und Trainerin im Wissenschaftsbereich. Zudem ist sie Mitglied im Coachingnetz Wissenschaft, das Partner der DUZ ist.

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