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// Editorial: Aufgerüttelt //

Not macht erfinderisch, heißt es so schön. Ob das tatsächlich stimmt, wäre mal ein lohnenswertes Thema für eine wissenschaftliche Untersuchung...

... Was wir aber auch ohne eine solche Basis mit Gewissheit behaupten können: In Ausnahmesituationen werden Kräfte freigesetzt, die bisher als unmöglich Erscheinendes möglich machen. Ein Blick auf die Corona­Krise und was sie in Politik und Wissenschaft in Gang gesetzt hat, ist ein schöner Beweis dafür.

Gerne überspringe ich an dieser Stelle das vielfach gelobte und zugleich geschmähte 130­Milliarden­Euro­Konjunkturpaket, das die Bundesregierung soeben verkündet hat, und wende mich den Hochschulen zu: Fast über Nacht gelang es ihnen, von Präsenz­ auf Basismodus umzustellen und trotz der Pandemie den Betrieb aufrechtzuerhalten. Was vorher vielfach blockiert wurde und nur gegen große Widerstände durchsetzbar war, bekam in der Notsituation – nicht selten unfreiwilligen – Auftrieb. Zumindest digitale Lehrveranstaltungen, Online­Tutorials, internationale Konferenzen per Videoschaltung, unkomplizierte Online­Immatrikulationen, Video­Bewerbungsverfahren und Homeoffice­Optionen für Tausende von Verwaltungsmitarbeitern werden aus dem Hochschulalltag nicht mehr wegzudenken sein. Damit sie zu einem echten Mehrwert werden, ist es jedoch notwendig, dass sie nun verstetigt und bewusst in die bestehenden Abläufe und strategische Überlegungen überführt werden. Denn Selbstläufer sind die aus der Not heraus aus dem Boden gestampften Maßnahmen und Neuerungen nicht. Das zeigen die Gespräche, die die DUZ mit Hochschulleitungen und Verwaltungspersonal, mit Lehrenden und Studierenden über ihre Erfahrungen in Corona­Zeiten (ab Seite 20) geführt hat.

Was die Verantwortlichen jetzt besonders im Blick haben sollten: Vieles wurde möglich, weil alle Betroffenen – vom Sachbearbeiter und Techniker bis hin zum Dozenten und Studierenden – bereit waren und es noch sind, im Hinblick auf die Qualität und Funktionalität der Angebote Abstriche zu machen und persönliche  Einbußen in Kauf zu nehmen. Doch das darf kein Dauerzustand sein. Wer über längere Zeit im Homeoffice arbeiten muss, sollte darauf bauen können, dass ihn der Arbeitgeber Hochschule mit der passenden Ausstattung versorgt. Wer seine Studierenden mit digitaler Lehre erfolgreich durchs Studium führen soll, braucht eine entsprechende Unterstützungsstruktur nebst Weiterbildungsangeboten und zeitlicher Entlastung. Und Beifallklatschen und ein paar warme Worte alleine reichen auf Dauer auch nicht aus, um übermäßigen Stress und Überstunden bereitwilliger Mitarbeiter zu kompensieren.

Oder anders betrachtet: Die Corona­Krise birgt nicht nur große Chancen für den technologischen Umbau und die Digitalisierung der Hochschulwelt, sondern zugleich für einen mehr am Mitarbeiterwohl orientierten Führungsstil und ein Arbeitsumfeld, das eine bessere Work­Life­Balance ermöglicht. Das sind doch mal schöne Aussichten.

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