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"Beim Smalltalk kann ich ins Schwitzen geraten"

Prof. Dr. Klaus Hurrelmann über seine Erfahrungen als Wissenschaftler ohne akademischen familiären Hintergrund

Die meisten Wissenschaftler kommen aus der Mittel- oder Oberschicht. Die ganze Geschichte, wie es ist, wenn man nicht dazu gehört, steht im DUZ
Magazin 05/2020 ("Aus einfachen Verhältnissen")
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Herr Hurrelmann, Sie haben eine bewegte Jugend mit einem ungewöhnlichen Bildungsweg hinter sich.


Mein Vater war Matrose, später Schiffsführer und meine Mutter Hausfrau. In den 1950er-Jahren erlebte ich am Gymnasium den Dünkel meiner Mitschüler, deren Väter Ärzte und Anwälte waren. Als Ehrgeizling mit guten Noten wurde ich ausgegrenzt. Deshalb wollte ich zeigen, dass ich kein Streber bin, und beging Diebstähle. Als die aufflogen, wurde ich vor ein Jugendgericht gestellt und verurteilt. Ich musste vier Wochenenden ins Gefängnis und wurde von allen weiterführenden Schulen Niedersachsens verwiesen.

Heute sind Sie ein bekannter Soziologe und Erziehungswissenschaftler. Wie kam es dazu?


Nach dem Verweis wechselte ich auf ein Gymnasium in Bremerhaven im Bundesland Bremen und machte doch noch Abitur. Dann habe ich mich früh für Soziologie, Psychologie und Pädagogik interessiert. Ich wollte verstehen, was mir passiert war. 1968 machte ich mein Diplom. Meine erste Anstellung war in einem Forschungsprojekt mit dem Schwerpunkt „Abweichendes Verhalten in der Schule“. 1971 promovierte ich, 1975 habilitierte ich mich und wurde kurz darauf Professor an der Universität Essen.

Sie haben in der Wissenschaft schnell Karriere gemacht. Fühlen Sie sich als Kind aus nichtakademischem Haushalt dennoch manchmal deplatziert?


Vor allem beim scheinbar so entspannten Smalltalk. Zum Beispiel mit einem Sektglas in der Hand beim Neujahrsempfang des Unidirektors. Da können mir schon mal die Schweißperlen übers Gesicht laufen.

Wie gehen Sie mit solchen Unsicherheiten um?

Ich kompensiere das – wo immer möglich – durch einen eigenen Stil: freundlich, aufgabenbezogen, zuverlässig, pünktlich und hilfsbereit. Außerdem versuche ich, junge Leute an der Uni stark zu machen. Ich habe mir in all den Jahren eine Sensibilität für soziale Konstellationen bewahrt.

ZU PERSON 

Prof. Dr. Klaus Hurrelmann ist ein bekannter deutscher Bildungs-, Jugend- und Gesundheitsforscher. Seit 2009 ist er Senior Professor an der Hertie School of Governance in Berlin. Davor war der heute 76-Jährige Professor für Sozialisation an den Universitäten Essen und Bielefeld.

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