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Ein Wettbewerb der Fakultäten!

Der Verwaltungswissenschaftler Sebastian Wolf von der Universität Konstanz plädiert für einen Wettbewerb der Fakultäten, um die Zahl von dauerhaft beschäftigten Dozenten an Hochschulen zu erhöhen.

"Die Beschäftigungssituation des akademischen Mittelbaus ist in letzter Zeit verstärkt in den Fokus politischer Debatten gerückt. So diskutierte der Bundestag Anfang November in erster Lesung über eine Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes. 80 bis 90 Prozent aller Wissenschaftler in Deutschland sind mit befristeten Verträgen beschäftigt, die oft eine Laufzeit von nur wenigen Monaten aufweisen.

Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz schafft hier allerdings nur einen arbeitsrechtlichen Rahmen, der nicht selten überbewertet wird. So betont etwa Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU), dass die Hauptverantwortung für die Schaffung von mehr unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen im Hochschulbereich bei den Ländern liege. Der Bund entlaste die Länder durch die Übernahme der BAföG­Mittel jährlich um 1,2 Milliarden Euro. „Damit kann man sofort, wenn man es denn will, Dauerstellen einrichten“, sagte sie.

Die Hochschulen wollen das in der Regel nicht. Es liegt im ureigenen Interesse der Lehrstuhlinhaber und Fakultäten, das wissenschaftliche Personal prekär und abhängig zu beschäftigen. Sie begründen das damit, Innovation, Flexibilität und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. In der Realität verkommen Mitarbeiterstellen oft zur reinen Verhandlungsmasse zwischen ohnehin gut bestallten Professoren, während andere erfahrene Forscher jahrelang ein Dasein als akademische Tagelöhner fristen.

Daher kommt der Landesebene tatsächlich eine Schlüsselrolle zu. Politiker wie die baden­württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Bündnis 90/Die Grünen) wollen einerseits den Universitäten mehr Freiräume geben, andererseits die Beschäftigungssituation jüngerer Forscher verbessern. Dabei scheinen sie auszublenden, dass die Hochschulen auch in der Vergangenheit größere Spielräume und mehr Geld nicht nachhaltig genutzt haben, um den Mittelbau besserzustellen.

Zudem begünstigt projektgebundenes Geld in der Regel befristete Beschäftigungsverhältnisse. Deshalb wäre es sinnvoll, wenn die Länder gezielt Anreize setzten: Ein Teil der langfristigen Grundfinanzierung sollte nur dann fließen, wenn die Universitäten die Quote dauerhaft beschäftigter Dozenten unterhalb der Professur signifikant erhöhen.

Das Ganze ließe sich sogar relativ kostenneutral als Wettbewerb der Fakultäten eines Landes untereinander organisieren. Dieses Vorgehen würde die drittmittelversessenen Hochschulen bestimmt mobilisieren. Zusätzliche zweckgebundene Mittel wie die oben erwähnten Gelder aus der BAföG­Entlastung würden die genannten Anreize noch verstärken.

Ein solches Verfahren ist zudem autonomieschonend. Die Hochschulen werden nicht gezwungen, mehr akademische Dauerstellen zu schaffen. Ist ihnen weitreichende Flexibilität bei der Beschäftigung ihrer nichtprofessoralen Forscher wichtiger, verzichten sie allerdings auf einen Teil ihrer Grundfinanzierung.
Völlig neu ist die Idee, bestimmte Mittel an die Schaffung von permanenten Stellen jenseits der Professur zu binden, natürlich nicht. So hat etwa Baden­Württemberg vor ein paar Jahren mit einem Hochschulausbauprogramm für einige neue akademische Ratsstellen gesorgt.

Welcher Anteil unbefristeter Dozenten wäre anzustreben? 20 bis 30 Prozent dauerhaft beschäftigte Forscher sollten die notwendige Dynamik und Durchlässigkeit im deutschen Wissenschaftssystem nicht gefährden. Andere Staaten haben höhere Anteile, ohne dass dies ihre renommierten Hochschulen ruiniert. Allerdings könnte es sein, dass die Länder nicht zu Mitteln wie der hier skizzierten anteiligen Budgetkonditionierung greifen werden, weil sie fälschlicherweise bereits in der – vermutlich eher bescheiden ausfallenden – Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes ein ausreichendes Steuerungsinstrument sehen."

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