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Willkommen, Frau Professor!

Wer den Frauenanteil in der Wissenschaft signifikant erhöhen will, muss mehr bringen als ein artiges Ja zur Gleichstellung. Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg stellte vor ein paar Jahren ihr Recruitment um. Binnen kurzer Zeit stieg der Frauenanteil dort weit über den Bundesdurchschnitt.

Wann und wie genau der Aufstieg begann, weiß heute keiner so genau zu sagen. Wahrscheinlich aber ging die Initialzündung im Jahr 2002 von Christiane Prochnow-Zahir aus. Damals schlug die Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) vor, Professoren an Universitäten und außeruniversitären Instituten bei Berufungen direkt anzuschreiben und persönlich um Empfehlungen zu bitten: „Haben Sie Kontakt zu promovierten Wissenschaftlerinnen, die in der Wirtschaft tätig sind oder waren und für die die Professur interessant sein könnte?“ Der Versuchsballon erwies sich als Volltreffer: Ja, die Herren Professoren wissen, wer infrage kommt. Ja, sie leiten die Botschaft weiter. Und ja, die so erreichten Frauen sind hoch qualifizierte Leistungsträgerinnen.

Aufstieg aus dem Mittelfeld

Heute ist der Brief ein unverzichtbares Element im Recruitment-Konzept der HAW, das konsequent auf ein Ziel ausgerichtet ist: die 50-Prozent-Marke beim Professorinnen-Anteil. Diesem Ziel kommt die HAW seit einigen Jahren deutlich näher. Zwischen 2005 und 2007 stieg der Frauenanteil bei den Neuberufenen von 23 auf 33 Prozent. Insgesamt ist an der HAW mittlerweile jede fünfte der rund 400 Professuren weiblich besetzt (21 Prozent), deutlich mehr als der bundesweite Schnitt (16 Prozent).

Dabei dümpelte Deutschlands drittgrößte Fachhochschule lange im Mittelfeld des Gleichstellungsrankings des Bonner Kompetenzzentrums für Frauen in der Wissenschaft (CEWS) und fiel demnach nicht weiter auf. Weder im negativen noch im positiven Sinne. Im aktuellen CEWS-Hochschulranking nach Gleichstellungsaspekten – es basiert auf Daten von 2007 und wird in diesen Tagen veröffentlicht – liegt die HAW nun aber beim Indikator „Professuren“ und bei der Steigerung des Professorinnenanteils in der Spitzengruppe.

Spitzenbewertungen erhielt die HAW Hamburg auch im Professorinnen-Programm des Bundesforschungsministeriums. Die HAW-Anträge rangieren unter den bes­ten sieben der knapp 80 erfolgreichen Anträge. Das stärkt nicht nur das Renommee, sondern liefert auch Argumente nach innen. „Natürlich ist es für Männer nicht ganz leicht, die Macht zu teilen“, räumt Prof. Dr. Monika Bessenrodt-Weberpals ein. Was da von außen so leicht wirkt, ist eben doch ein Kraftakt, der gewollt sein muss. Als Vizepräsidentin ist Bessenrodt-Weberpals seit 2007 neben Präsident Prof. Dr. Michael Stawicki an der Spitze Garantin für den Gleichstellungskurs der Hochschule. Doch natürlich würde das wenig nützen, wenn die Basis nicht mitzöge. „Es gibt intern eine hohe Bereitschaft, die Gleichstellungsziele zu erreichen“, erklärt Christiane Prochnow-Zahir und betont: „Die Fortschritte konnten wir natürlich nur erzielen, weil uns der Generationenwechsel in der Professorenschaft die Chance dazu gab.“

In manchen Fächern half bislang jedoch alles nichts: Der Frauenanteil in den Ingenieurwissenschaften hängt auch an der HAW bei schlappen sechs Prozent. Schicksal? Nein, eine Herausforderung, sagt Präsident Michael Stawicki. „Geht nicht gibt’s nicht!“ Damit ist die Botschaft an Christiane Prochnow-Zahir und ihre Kollegen klar: Ihr Einsatz bitte! Denn auch wenn Prochnow-Zahir betont, der Erfolg habe viele Ursachen – Dreh- und Angelpunkt beim Re­cruitment ist die Stabsstelle Gleichstellung. Sie sorgt dafür, dass die Ausschreibungen nicht nur breit, sondern auch gezielt gestreut werden. Sie kooperiert mit der niedersächsischen Datenbank PROfessur (www.professur.fh-hannover.de), um in Kontakt zu potenziellen Kandidatinnen zu kommen. Und sie ist es eben, die die Briefe schickt.

Sei es die jährliche Informationsveranstaltung über den Karriereweg Fachhochschulprofessorin oder die gezielte Einladung von Praktikerinnen zu Gastvorträgen mit der Option, sie als Lehrbeauftragte zu engagieren: „Wir versuchen, die Frauen mit verschiedenen Formaten anzusprechen“, sagt Bessenrodt-Weberpals. Das zugkräftigste, aber teuerste Mittel ist die Frauenförderprofessur. Bis 2006 von Bund und Land gefördert, finanziert die HAW die Stellen jetzt selbst, die Frauen bei reduziertem Lehrdeputat die Chance geben, zu promovieren oder Erfahrungen in der Wirtschaft zu sammeln. Fünf Frauen hat die HAW aus dem Programm mittlerweile berufen, zwei sind im Programm und eine wird gerade ausgewählt. Eingesetzt werden sie dort, wo Männer dominieren. In den Ingenieurwissenschaften etwa. Der Aufbruch soll die ganze Hochschule erfassen.

Berufung: Professorin

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