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Indonesien setzt zur Aufholjagd an

Bei der Zusammenarbeit mit Asien konzentrieren sich Hochschulen zumeist auf China und Japan. Indonesien wird oft vernachlässigt. Dabei unternimmt das Land einiges, um aufzuholen. Und: Es wird geopolitisch immer wichtiger.

Jakarta Wenn sich am 12. und 13. Oktober 2013 die Pforten der Bildungsmesse Ehef (European Higher Education Fair) in Jakarta öffnen, dann dürfte die Teilnehmerzahl deutscher Hochschulen überschaubar sein. Für Dr. Irene Jansen, die in der indonesischen Hauptstadt die Außenstelle des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) leitet, ist das nichts Neues. „Voriges Jahr haben aus Deutschland nur sieben Universitäten teilgenommen, darunter keine der großen Technischen Universitäten“, sagt sie. Und auch in diesem Jahr rechnet Jansen nicht mit vielen deutschen Hochschulen: „Indonesien steht im Schatten anderer Länder wie Brasilien.“

Mit anderen Staaten Asiens kooperieren Deutschlands Hochschulen weitaus mehr: 924 Partnerschaften listet der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) beispielsweise mit China auf, 490 mit Japan. Indonesien kommt nur auf 95. Um die Hochschulkooperation Europas mit Asien zu forcieren, verhandeln Bildungsminister aus beiden Kontinenten seit einigen Jahren über das Bildungssekretariat der Plattform Asia-Europe Meeting (Asem). Auch Indonesien nimmt daran teil. Bis Ende September war Asem beim DAAD angesiedelt. „Dreh- und Angelpunkt aller Bemühungen ist die Anerkennung von Studienleistungen und Qualifikationen, um die Mobilität von Studierenden zu steigern“, sagt Dr. Siegbert Wuttig, der das Asem-Bildungssekretariat beim DAAD leitete. Diese Anerkennungsfragen im Austausch zwischen Europa und Asien seien bisher nicht geregelt.

Einen ersten Meilenstein haben die Minister im Mai mit der Asem Recognition Bridging-Erklärung gesetzt. Die zentrale Botschaft: Die Asem-Staaten wollen bis zum Jahr 2015 nationale Informationszentren zum Hochschulsystem aufbauen. Die Zentren sollen Auskunft geben, wo sich Universitäten befinden, welche Abschlüsse diese anbieten oder was Inhalte der Studienprogramme sind – Fragen, auf die beispielsweise deutsche Studierende, die sich für ein Studium in Asien interessierten, bislang kaum zuverlässige Antworten bekamen.

Währenddessen reformiert das Asem-Mitglied Indonesien fleißig sein Hochschulsystem: Voriges Jahr beschloss die Regierung ein neues Hochschulgesetz. Das Gesetz genüge internationalen Ansprüchen, lobt Jansen. Es sehe etwa vor, dass Fakultäten, die international kooperieren möchten, eine A-Akkreditierung vorlegen müssen, die strenge Qualitätsansprüche hat.
Unterstützung kommt bei der Qualitätssicherung aus Deutschland. DAAD und HRK schulen über das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geförderte Regionalprojekt Asean-QA (Quality Assurance) unter anderem Beauftragte für Qualitätsentwicklung an den indonesischen Spitzenuniversitäten Universität Indonesia, Institut Technologie Bandung und Universität Gadjah Mada. Eines der Ziele: „Durch den Austausch mit europäischen Experten möchten wir dazu beitragen, dass Hochschulen das interne Qualitätsmanagement verbessern können“, sagt DAAD-Referatsleiter Marc Wilde.

Gelingt es, die Qualität in der Wissenschaft zu verbessern, könnte es den Inselstaat, der mit rund 245 Millionen Einwohner der viertgrößte Staat der Welt ist, noch attraktiver machen für den internationalen Hochschulmarkt. Vier Millionen Studenten hat das Land derzeit erst, nur zwölf Prozent aller Sekundarabsolventen besuchten 2011 eine der 90 staatlichen Universitäten und 3000 privaten Hochschulen. Der Regierung ist das nicht genug. Sie will die tertiäre Bildung ausbauen und forciert den Aufbau von 500 Community Colleges.

Höher ist der Akademisierungsgrad in China: 31 Millionen Chinesen studierten im Jahr 2010, fast 25 Prozent eines Altersjahrgangs. „Das ist für ein Schwellenland ein beachtlicher Wert“, sagt Dr. Thomas Schmidt-Dörr, der das DAAD-Büro in Peking leitet. Allerdings herrscht zwischen Deutschland und China noch ein Ungleichgewicht beim Studierendenaustausch: 23.000 Chinesen studieren in Deutschland, nur etwa 6300 deutsche Studierende wagten den Sprung nach Fernost. Chinas Regierung will das ändern: Bis zum Jahr 2020 soll die Zahl internationaler Studierender von derzeit rund 320.000 auf 500.000 steigen. Wenn die chinesischen Universitäten ihr englischsprachiges Angebot ausbauten, erhöhe sich auch der Zustrom deutscher Studierender, sagt Schmidt-Dörr.

An den indonesischen Top-Universitäten, sagt Jansen, sei das Interesse an der Kooperation mit Deutschland durchaus vorhanden, allerdings seien die Hochschulen nicht mehr nur am studentischen Austausch interessiert. „Die Hochschulen wollen sich auch strategisch positionieren“, sagt sie. Sie achteten darauf, ob deutsche Hochschulen noch mit anderen asiatischen Partner zusammenarbeiteten, wie sie in internationalen Rankings stünden oder welche Forschungsschwerpunkte sie hätten.

In zwei Jahren werden die indonesischen Universitäten einen weiteren Trumpf aus dem Ärmel ziehen können. Dann wird die Asean Economic Community (AEC) gegründet. Sie entspricht der Europäischen Union. Indonesien werde dann das mit Abstand größte und wirtschaftlich mächtigste Land dieser Verbundregion sein, sagt Jansen.

www.asem-education-secretariat.org

Prof. Dr. Teja Tscharntke

Interkultureller Umgang

„Wir Deutsche sind oft zu direkt in Verhandlungen“

Der Agrarökologe Prof. Dr. Teja Tscharntke von der Universität Göttingen kooperiert seit mehr als zehn Jahren mit Hochschulen in Indonesien.

duz: Warum ist die Zusammenarbeit mit Indonesien für Sie so wichtig?

Tscharntke: Indonesien mit seiner Inselwelt zählt zu den artenreichsten Regionen der Welt. Wissenschaftlich ist das sehr interessant, weil die ökologischen, geologischen und sozioökonomischen Prozesse einzigartig sind. Artenvielfalt und Klima sind in Amazonien zwar ähnlich, aber die Kultur ist völlig anders.

duz: Wie schätzen Sie die Qualität der Forschung ein?

Tscharntke: Die Universitäten haben sich in den vergangenen zehn Jahren hervorragend entwickelt. Die Tadulako Universität in Palu, mit der wir zusammenarbeiten, zählt mittlerweile zu den 50 vielversprechendsten Hochschulen des Landes. Davor spielte sie keine Rolle. Unter den Nachwuchsforschern gibt es kluge und engagierte, aber insgesamt ist das Niveau der Ausbildung nicht so hoch wie bei uns.

duz: Was sind die Voraussetzungen, damit eine Kooperation klappt?

Tscharntke: Von Vorteil ist, wenn die Hochschule bereits Erfahrung mit westlichen Partnern hatte. Dann lässt es sich offener reden, mit welchen Erwartungen man in das Projekt geht und wie man es am besten umsetzt. Der interkulturelle Umgang ist wichtig: Wir Deutsche sind oft zu direkt in Verhandlungen, das wirkt sehr hart und schreckt ab. In Indonesien werden Kontakte auf einer freundschaftlichen Ebene aufgebaut. Erst danach kommt man zu konkreten Abkommen. Das sollte man wissen.

Die Fragen stellte Benjamin Haerdle.

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