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Das Erfolgsgeheimnis der Norweger

Während in Deutschland trefflich über die besten Wege der Lehrerausbildung gestritten wird, ist  Norwegen längst weiter. „Realistische Lehrerausbildung" nennt die Universität Trondheim ihr Modell. Was steckt dahinter?

Trondheim Immer, wenn in Deutschland über Schulen und Lehrerbildung diskutiert wird, wandert der Blick hilfesuchend nach Skandinavien, wo die PISA-Ergebnisse vorzeigbar und das Ansehen des Lehrerberufs ordentlich sind. Eine Universität, von der sich lernen lässt, ist die Technisch-Naturwissenschaftliche Universität Norwegens (NTNU) in Trondheim. Sie ist eine der sieben Unis in Norwegen, die das Lehramtsstudium umgekrempelt hat. An der NTNU ist darüber hinaus die nationale Forschungsschule für Lehrerausbildung angesiedelt. Dozenten, die an den 23 norwegischen Hochschulen Lehrer ausbilden, lernen dort ihr pädagogisches und didaktisches Handwerk.

Das Ziel der Bemühungen: „Wir wollen weg von der Seminartradition, hin zu einem forschungsbasierten Lernen, das eng mit der Praxis verknüpft ist“, sagt Prof. Dr. Per Ramberg, der die Lehrerausbildung an der NTNU leitet. Anders gesagt: Die gut 500 Studierenden pro Jahr bekommen keine Theorie vorgesetzt, die sie dann in die Schulpraxis übersetzen sollen. Stattdessen sind sie vom ersten Studientag an in der Schule im Einsatz, wo sie sich ihre Erkenntnisse selbst erarbeiten. Zu diesem Zweck bilden jeweils 40 Studierende mit Lehrern einer Partnerschule, die als Mentoren fungieren, sowie mit den Lehrerausbildern der NTNU eine studienlange Partnerschaft. Auf wöchentlichen Treffen werden Themen wie die Beurteilung von Schülerarbeiten oder der Aufbau von Unterrichtsplänen besprochen. Zur Vorbereitung müssen die Studierenden relevante Fachliteratur lesen und Informationen aus den Schulen mitbringen.

Pro Studienjahr verbringen die Studierenden acht Wochen in einer Schulklasse. Für fünf bis zehn Tage übernehmen sie den Unterricht – in dieser Zeit werden die Klassenlehrer auf Fortbildung geschickt. Täglich diskutieren Studierende, Mentoren und Lehrerausbilder dann ihre aktuellen Erfahrungen und entwickeln Strategien für den  Unterricht. Ob jemand für den Lehrerberuf geeignet ist, zeigt sich so recht schnell. Die Studierenden werden an Kriterien wie Kommunikationsfähigkeit, Führungskompetenz und der Bereitschaft gemessen, an sich zu arbeiten. Sind diese Fähigkeiten und Kompetenzen nicht vorhanden, legen Mentoren den Studienausstieg nahe.

Ein Teil der Praxisphase ist einem Forschungs- und Entwicklungsprojekt gewidmet. Die Studierenden entscheiden sich für eine bestimmte Methode, um Schülern bestimmte Inhalte zu vermitteln. Sie lesen Fachliteratur zum Thema, planen den Unterricht, sammeln im Verlauf des Projekts Daten, reflektieren diese und stellen ihre Ergebnisse bei einem Treffen mit den Partnern vor. Die Leitfrage heißt immer: Was haben die Schüler gelernt und wie lernen sie am besten? „Es reicht nicht, wenn Lehrer aus dem Bauch heraus Unterricht machen“, sagt Ramberg, „wir brauchen mehr schriftliche Evaluation und Reflektion des Unterrichts, damit sich die Lehrer, ihr Unterricht und ihre Schulen systematisch weiterentwickeln können.“

Diese Kompetenz für Forschung und Entwicklung hält die Uni Trondheim für den wichtigsten Erfolgsfaktor für Berufseinsteiger. Hinzu kommt das Angebot zum Austauschjahr an Hochschulen in den USA und den Niederlanden, bisher nicht in Deutschland. Doch nicht alles Wissen könne in der Grundausbildung, also im fünfjährigen Master-Programm, erlangt werden. Lehrerbildung gehe anschließend weiter. Dafür benötigen die Ausbildungsstätten allerdings noch mehr Kompetenz und Personal, sagt Ramberg – auch in Norwegen.

Internet: www.ntnu.edu/plu

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