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// Editorial: Mehr Herz //

Was bloß hat das Modell eines Herzens, obendrein mit dem Textzusatz „mehr herz“, auf dem Cover der DUZ zu suchen, werden sich einige von Ihnen fragen? ...

... Damit Sie nicht denken, dass wir uns sozusagen über Nacht von einem seriösen Fachmagazin in ein auflagenheischendes „Herz-Schmerz-und-dies-und-das-Blättchen“ verwandelt haben, übe ich mich in ein paar erklärenden Worten für Sie: Das Titelbildmotiv bezieht sich auf unser Schwerpunktthema, das die Medizinerausbildung in Deutschland zum Inhalt hat und sich mit den derzeit im Aufbau befindlichen neuen Medizinfakultäten und Studienangeboten befasst (ab Seite 20).

So nimmt die Politik, oft auf Initiative der involvierten Hochschulleitungen und Wirtschaftslobbyisten, in Augsburg, Bielefeld und Oldenburg eine Stange Geld in die Hand, um dort neue Medizin- und Gesundheitsstandorte zu etablieren. Das politische und auch wirtschaftliche Kalkül, das dahinter steckt: den Bedarf an Ärzten in der eigenen, oft eher ländlichen, Region besser abzudecken, und damit zugleich deren Attraktivität für begehrte Nachwuchskräfte und gesundheitsrelevante Unternehmen zu erhöhen. Kurzum: Hier wird klassische Standort- und Wirtschaftsförderpolitik betrieben.

Ein aus meiner Sicht jedoch noch viel bedeutenderer Beweggrund, der die Promotoren der neuen Medizinerausbildungsstätten antreibt – und damit wären wir wieder beim Herz –, ist: das Medizinstudium zu modernisieren und die angehenden Ärzte „näher ran an die Patienten“ zu bringen. Es ist ja kein Geheimnis, dass das Gros der Mediziner – rein unter technischen Gesichtspunkten betrachtet – top-professionell ausgebildet ist, doch leider mangelt es vielen von ihnen an der notwendigen Empathie und einem Grundverständnis für die Bedürfnisse und Lebensumstände ihrer Patienten. Oder anders ausgedrückt: Viele Ärzte haben oder zumindest zeigen zu „wenig“ Herz, was fatale Auswirkungen hat: Denn für den Behandlungserfolg ist mitentscheidend, wie gut Patienten mitmachen. Und das wiederum hängt mit davon ab, ob die behandelnden Ärzte das notwendige – immer auf professioneller Ebene – Einfühlungsvermögen haben, ganz zu schweigen von der kommunikativen Kompetenz. So stehen nicht von ungefähr auf dem Ausbildungsplan der zum Wintersemester 2019/20 gestarteten Augsburger Medizinstudenten empathische Gespräche mit Kranken, die mithilfe von Schauspielern geprobt werden. Und die Bielefelder haben den Anspruch, den Nachwuchs frühzeitig an die vielfältige Berufspraxis von Medizinern heranzuführen, was dann auch Einsätze der Studierenden in den Praxen von Hausärzten auf dem Land beinhalten kann.

À propos gute und faire Gesundheitsversorgung: Auch da gibt es hierzulande noch jede Menge Verbesserungsbedarf, wie die Dortmunder Medizininformatikerin Britta Böckmann im Interview mit DUZ-Autorin Veronika Renkes zeigt (ab Seite 82).

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