Meinungen

 

Ärger, Freude, Unverständnis: duz-Leserinnen und Leser sind meinungsstark. Die besten Briefe an die duz-Redaktion finden Sie auf dieser Seite. Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken.

 


duz Magazin 04/13 vom 22. März 2013 , S. 42f

Die neue Vermessung des Forschers

"Auseinandersetzung ohne die nötige Tiefe"

Sehr geehrte Damen und Herren!
Nun zähle ich ja auch schon zu den Veteranen im Wissenschaftsbetrieb und konnte einige Entwicklungen miterleben. Nun hat uns also die Social Media Welle erreicht und ich habe einmal eine Einladung zur Teilnahme an Researchgate akzeptiert und seitdem "grundle" ich dort mit einem Researchgatescore von 10,63 oder 10,36 dahin. Wie ich zu dem kam, keine Ahnung. Wer meine "Karriere" verfolgt, ist für mich irrelevant und uninteressant. Bedenklich finde ich vielmehr, dass äußerst uninteressante Fragen gestellt werden in der Hoffnung Antworten zu finden, die man früher durch ausführliches Lesen und Lernen selbst gefunden hätte. Hier entsteht eine neue Kultur wissenschaftlicher Auseinandersetzung und Befassung mit einem Thema, wobei zu befürchten ist, dass dieses seicht und nicht in der nötigen Tiefe erfolgt. Mal sehen wieviele "Likes" oder "Dislikes" mein Kommentar erhält.

Prof. Dr. Herbert Kotzab, Lehrstuhl für ABWL und Logistikmanagement, Universität Bremen, Mitglied der wissenschaftlichen Kommission Logistik im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft

duz Magazin 03/13 vom 22. Februar 2013 , S. 68 f.

Frau Forscherin, wollen Sie zu uns?

"5 Jahre ausschließlich weibliche Form"

Vielen Dank für den Artikel von Heide Österreich zum Thema Frauen in der Wissenschaft...leider scheint aber auch bei Ihnen in der duz-Redaktion keine besondere Aufmerksamkeit für das Thema zu sein, denn wie soll ich sonst interpretieren, dass Sie sich ausschießlich an Männer wenden, an Forscher, Wissenschaftler, Leser....Ich bin nicht mitgemeint bei solchen Formulierungen! Ich würde vorschlagen, Sie verwenden für die nächsten 5 Jahre ausschießlich die weibliche Form der Sprache und teilen Ihren männlichen Lesern mit, diese seien mitgemeint.

Prof. Dr. Friederike Maier, Vizepräsidentin für Forschung und Wissenstransfer, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

duz Magazin 01/13 vom 14. Dezember 2012 , S. 32 f.

Hochschulen ausgebremst

"Generalisierende und negative Einschätzung schadet den Zentren"

Im Artikel „Hochschulen ausgebremst“  behauptet die Autorin Eva Keller, nur in Bayern gebe es ein verpflichtendes Orientierungspraktikum für Lehramtsstudierende. Dies entspricht insofern nicht den Tatsachen, als dass in Baden-Württemberg schon 2001 in der gymnasialen Lehrerausbildung ein obligatorisches 13-wöchiges Schulpraxissemester eingeführt wurde, womit dieses Bundesland zu den Vorreitern gehörte.

Die neue gymnasiale Studien- und Prüfungsordnung, die seit dem Wintersemester 2010/11 gültig ist, verlangt zudem noch ein zusätzliches zweiwöchiges Orientierungspraktikum als Studienvoraussetzung. Begleitet werden beide Praktika durch speziell ausgebildete Lehrkräfte – sog. Ausbildungslehrer/innen – an den Gymnasien und beim Schulpraxissemester zusätzlich durch die Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung, die für Pflichtveranstaltungen in Fachdidaktik und Pädagogik verantwortlich zeichnen.

Für wenig erfreulich halte ich die generalisierende und negative Einschätzung der Zentren für Lehrerbildung. Unterschreiben könnte ich lediglich die angesprochene Machtlosigkeit, da für notwendiges Personal häufig keine ausreichenden Ressourcen vorhanden sind. Aber auch da gilt es zu unterscheiden, da sich Profile, Aufgabenfelder und Ausstattung der einzelnen Zentren für Lehrerbildung innerhalb Deutschlands sehr unterscheiden. Es gibt Einrichtungen mit bis zu zwölf  wissenschaftlichen Mitarbeitern, während andere auf der Manpower einer einzigen Person basieren.

Die Behauptung, dass über nicht relevante bzw. überholte Themen auf Tagungen und Treffen der Zentren gesprochen wird, muss ich zurückweisen. Seit Jahren stehen lehramtswichtige Fragestellungen nach Berufsbild, Lehrerkompetenzen, Berufseignung und Optimierungsmöglichkeiten des Studiums im Fokus, die sich dann auch in Veröffentlichungen wiederfinden. Hier hat Ihre Autorin meines Erachtens nicht ausreichend recherchiert und schadet mit ihrer Einschätzung diesen Einrichtungen, die sich trotz häufig geringer Personalausstattung und finanzieller Mittel, aber mit umso mehr Engagement als äußerst hilfreich und wertvoll für die Lehramtsstudierenden vor Ort erwiesen haben.

Angelika Vogelbacher, Abteilungsleitung, Zentrum für Lehrerbildung der Universität Freiburg

duz Magazin 11/12 vom 19. Oktober 2012 , s. 64f.

Wie die Würfel fallen

"Hochschulgremien funktionieren wie in vorrevolutionären Zeiten (vor 1789)!"

"Gremienwahlen an einer deutschen Hochschule sind ein Paradebeispiel gelebter Demokratie“ schreiben Sie im Untertitel des oben genannten Artikels. Das ist aber ein Begriff von falsch verstandener Demokratie nach außen und nach innen, den der Autor anwenden.Nach außen, weil Bildung im tertiären Bereich immer weniger von den gewählten Volksvertretern und somit vom Volk bestimmt wird (als extremes Beispiel kann man auf die Unabhängigkeit der Stiftungshochschulen in Niedersachsen oder der Hochschulen in Nordrhein- Westfalen als Anstalt hinweisen), obwohl die Hochschulen vom Staat bzw. vom jeweiligen Bundesland weitgehend aus Steuermitteln finanziert werden. Nach innen, weil die Hochschulen in Deutschland von Standesparlamenten bestimmt werden auch in Fragen, die den verfassungsmäßigen Schutz der Freiheit in Kunst und Wissenschaft beziehungsweise in Forschung und Lehre (§ 5 GG) nicht berühren. Die Hochschulgremien funktionieren als solche wie in vorrevolutionären Zeiten (vor 1789!)
und sind ein Anachronismus in einer demokratischen Gesellschaft, da in fast allen entscheidenden Fragen die Professorengruppe eine Sitzmehrheit hat. Die Verstärkung der Exekutive an Hochschulen hat nicht zu einer Verbesserung der sogenannten demokratischen
Verhältnisse beigetragen, weil die Entscheider einer Hochschule von der Professorenmehrheit
in vielen Fällen faktisch bestimmt werden und von ihr abhängen. Die deutschen Hochschulen werden also nicht nach demokratischen Prinzipien (schon ausTradition nicht!) leben, solange keine Demokratisierung der Gremien stattfindet und jede Stimme im Gremium das annähernd gleiche repräsentative Gewicht besitzt.

Daniel Vaslet, Vorsitzender, Hauptpersonalrat beim Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur

duz Magazin 09/12 vom 24. August 2012 , S. 12 f.

Auf dem Weg zur McUniversity

"Keineswegs Studiengänge gekauft"

Die ifs internationale filmschule köln ist eine gemeinnützige GmbH, die vom Land Nordrhein- Westfalen mit der Aus- und Weiterbildung von Film- und Fernsehschaffenden beauftragt ist. Das Land NRW finanziert die ifs majoritär. Weitere Finanzierungsbeiträge kommen von ihrer Hauptgesellschafterin, der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen und dem ZDF.

Franchise- Kooperationen im Bildungswesen können in unterschiedlichen Varianten durchgeführt werden. Im Falle des Franchise-Vertrags der Fachhochschule Köln mit unserer Institution, der ifs internationale filmschule köln, fügt die ifs dem fachlich-inhaltlichen Profil der FH Köln ihr Portfolio an Studiengängen hinzu. Im Gegenzug erhält sie das Recht, akademische Abschlüsse zu vergeben, die Studierenden haben Studentenstatus und die Lehre wird federführend von entsprechenden Fachprofessoren betrieben.

Es verhält es sich also keineswegs so, dass wir unsere Studiengänge von der FH Köln übernommen oder gar „gekauft“ haben. Unsere Bachelor-Studiengänge „Film“ (mit den Fachschwerpunkten Drehbuch, Filmregie und Kreativ Produzieren), „ Digital Film Arts“ (mit den Schwerpunkten Editing Bild & Ton sowie Visual Arts) und „Kamera DOP“ haben wir eigenständig entwickelt und deren Akkreditierung betrieben. Lediglich formal wurden unsere Akkreditierungsanträge durch die FH Köln bei der zuständigen Agentur eingereicht. Die an der ifs tätigen Professoren werden nach den entsprechenden Berufungsverfahren formal als Professoren der Fachhochschule Köln an die ifs abgeordnet und von ihr bezahlt. Diese Kollegen sind prüfungsberechtigt und übernehmen damit bereits einen großen Teil der Qualitätssicherung. Auch im Masterbereich konzipieren wir derzeit Studiengänge, die nach dem oben beschriebenen Modell entwickelt und betrieben werden. Einen internationalen Masterstudiengang haben wir bereits. Unseren englischsprachigen MA „Screenwriting“ führen wir in Kooperation mit der University Salford in Großbritannien und der Tampere Art and Media School in Finnland durch.

Simone Stewens, Geschäftsführung "ifs internationale filmschule köln"

duz Magazin 07/12 vom 22. Juni 2012 , S.7 f

Die Kollegen-Dämmerung

"Zwischen all den mitsteuernden Gremien wird die Arbeit eines Hochschulpersonalrates oft marginalisiert."

Zunächst einmal möchte ich mich dafür bedanken, dass Sie in mehreren Artikeln in der duz-Ausgabe 07/2012 die oftmals schwierige Arbeit der Personalvertretungen an Hochschulen zu würdigen wussten. Dies dürfte nicht nur von mir als Balsam für wunde Personalratsseelen empfunden worden sein.

Neben den von Ihnen dargelegten Aspekten macht gerade eine Sache die Mitwirkungs- und Mitbestimmungsarbeit an Universitäten grundsätzlich diffizil und unhandlich: Anders als an den sonstigen Dienststellen des öffentlichen Dienstes ist hier die Rollenverteilung zwischen Leitung und Personalrat nicht leicht zu erfassen. Der Personalrat mit seinen genuinen Zuständigkeiten wird zwischen all den anderen mitwirkenden und mitsteuernden Gremien – vom Hochschulrat über den Senat mit seinen zahlreichen Kommissionen bis zu den Fachbereichsbeiräten und den Gleichstellungsbeauftragten – oft marginalisiert wahrgenommen. Gleichwohl sucht sich der Personalrat in Ausübung seines gesetzlichen Auftrags in diesem Stimmengewirr der Zuständigkeiten einzumischen. Die Mitarbeit im Personalrat einer Hochschule ist insoweit bestens dafür geeignet, sich auf Dauer […] gleich bei vielen Akteuren gründlich unbeliebt zu machen. Wem dieses Ehrenamt deshalb aufs Gemüt schlägt, der/die wird spätestens nach Ablauf einer Amtszeit den Bettel wieder hinwerfen - eigentlich schade.

 

Werner Rüffer, Vorsitzender des Personalrates der Universität Trier

duz Magazin 04/12 vom 23. März 2012 , S. 60 f.

Blitz, komm raus, du bist umzingelt

"Studierende können auch anders"

So unterhaltsam der Beitrag von Philipp Maußhardt und so drollig die einzelnen Ideen der Studierenden zur Optimierung der Hochschulen auch sein mögen, Studierende können auch anders. Es ist natürlich abhängig von der Fragestellung. Zur Verbesserung ihrer eigenen Studienbedingungen wünschen sich Studierende mehr praktische Anleitung und Ausbildung, weniger überfüllte Lehrveranstaltungen, Erhöhung der Bafög-Sätze, Verbesserung ihrer Arbeitsmarktchancen, vierjährige Bachelor-Studiengänge und bessere Betreuung durch die Lehrenden. Alle diese Wünsche werden jeweils von mindestens einem Drittel der Studierenden als sehr dringlich gewünscht.
Auch generelle Forderungen zur Weiterentwicklung der Hochschulen treffen auf starkes Interesse der Studierenden. Hier werden Praktikumspflicht, Ausbau der Hochschulen mit mehr Stellen und Studienplätzen, inhaltliche und didaktische Reformen, Kooperationen der Hochschulen mit der Wirtschaft sowie die Beteiligung der Studierenden an der Lehrplangestaltung angemahnt.
Diese dringlichen Wünsche und wichtigen Forderungen zur Optimierung von Studienbedingungen und Hochschulen äußern Studierende im Rahmen des deutschen Studierendensurveys, der alle drei Jahre - zuletzt im WS 2009/10 - die Studiensituation an den deutschen Hochschulen abfragt.

Dr. Michael Ramm, Arbeitsgruppe Hochschulforschung Universität Konstanz

duz Magazin 04/12 vom 23. März 2012 , S. 24 f.

Nachruf auf die Juniorprofessur

"Plakatives Negativurteil ist unpassend"

In seinem Beitrag macht Dr. Albert Kümmel-Schur gleich zu Beginn klar, dass er sich nur aus seiner Sicht als Geisteswissenschaftler äußert. Daher wundert es sehr, dass der Titel verallgemeinert und ohne Einschränkung von „Nachruf“ spricht. Im Internet steht sogar zusätzlich noch „Experiment gescheitert“.  Aus der Einzelsicht des Autors (die zeigt, dass im persönlichen Karriere-Management bedauerlicherweise einiges schief gegangen ist) ein so plakatives Negativ-Urteil abzuleiten ist unpassend, bei seriöser journalistischer Betrachtung auch unzulässig.
Der Autor spricht von vier Universitäten, welche das Konzept „Junior-Professur“ umgesetzt haben. Auch hier zeigt sich für die Publikation in einem Organ wie der duz eine unzulässig eingeschränkte  Sicht und daher Entstellung der tatsächlichen Lage. Die Technische Universität Kaiserslautern (wird nicht genannt,  vielleicht weil Geisteswissenschaften hier nicht angesiedelt sind ?),  gehört zum Beispiel zu den Universitäten, welche von Anfang an und bis heute mit überzeugendem Erfolg  das Konzept „Juniorprofessor“ akzeptiert und umgesetzt haben.
Als Bericht über ein Einzelschicksal, welches zeigt, was (und wo) schief laufen kann, wäre der Artikel von Dr. Kümmel-Schur durchaus akzeptabel, vielleicht auch für die duz-Leserschaft  von Interesse. Die gewählte Darstellung und vor allem die Überschrift leiten aus diesem Einzelschicksal jedoch unzulässig - journalistisch nicht seriös -  ab, dass das Konzept Juniorprofessur bundesweit gescheitert sei. Diese Schlussfolgerung ist falsch.

Prof. Dr. Klaas Bergmann, Seniorforschungsprofessor, Fachbereich Physik, Technische Universität Kaiserlautern.

duz Magazin 02/12 vom 27. Januar 2012 , S. 22 f.

Armut im Vorzimmer

"Kompetenz soll sich nicht nur in der Forschung lohnen"

Die Forderungen nach einer angemessenen Bezahlung von Sekretärinnen und Sekretären an Hochschulen kann ich nur unterstützen. In der Tat kommt es bei der tariflichen Eingruppierung maßgeblich auf die jeweilige Tätigkeitsbeschreibung an. Das letzte Wort hat im öffentlichen Dienst der Dienstvorgesetzte. In Hochschulen entscheiden am Ende Präsidenten, Rektoren, Kanzler oder Vizepräsidenten. Dazu bedarf es meiner Ansicht nach nicht nur einer guten Kenntnis des Tarifrechts. Es kommt auch auf Menschenkenntnis an. Kompetenz und Leistungsbereitschaft soll sich nicht nur in Forschung und Lehre finanziell lohnen. Das Prinzip muss auch für die Wissenschaftsverwaltung und damit eben für Sekretärinnen und Sekretäre gelten. Wer bei der Eingruppierung der Beschäftigten darauf achtet, legt den Grundstock für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Rektorats- beziehungsweise Kanzlerbüro. Das zumindest sind die Erfahrungen, die ich während meiner langjährigen Tätigkeit als Kanzler machte.

Helmuth Hoffstetter war bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2007 Kanzler der Fachhochschule Lippe und Höxter

duz Magazin 10/11 vom 16. September 2011 , S. 64 f.

Eine kurze Anleitung zum Neinsagen

„Als Scharfrichter gewählt“
Den genannten Beitrag von Bernhard Horsthemke zur Begutachtung von Forschungsanträgen bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) möchte ich mit eigener Erfahrung aus letzter Zeit, als Gutachter sowie als Antragsteller, ergänzen.

Ein Nachwuchswissenschaftler fragte mich unlängst um Rat und zeigte mir –  nicht wissend, dass ich einer seiner Gutachter war – die Gutachten zu einem Antrag im DFG-Normalverfahren. Meines war uneingeschränkt positiv. Er wagte sich in  einem molekularbiologischen Ansatz in das hochaktuelle Gebiet der Epigenetik, und zwar beim Einzeller Paramecium (einem nichtpathogenen engen Verwandten des Malaria-Erregers). Nach den genehmigten drei Jahren hatte er einen Verlängerungsantrag auszuarbeiten. Dazu hatte er seine kleine Arbeitsgruppe aufzubauen, Experimente zu machen, Publikationen einzureichen (deren Begutachtung meist drei Monate dauert, üblicherweise mit der Auflage zu Korrekturen und Ergänzungen, die weitere Zeit brauchen), um spätestens nach zweieinhalb Jahren den Fortsetzungsantrag einbringen zu können. Von der DFG wurde ihm mitgeteilt, ohne Publikationen gäbe es keine Verlängerung und die Publikationen müssten in Top-Journalen erscheinen. Also: Spitzenpublikation nach etwa eineinhalb Jahren Netto-Arbeitszeit. Er bekam schließlich nur eine Gnadenfrist von eineinhalb Jahren für sein Projekt und wird demnächst wohl seine Arbeit aufgeben müssen.

Der zweite Gutachter war wohl als Scharfrichter gewählt worden. Ich kann dessen Identität einigermaßen sicher erraten. Seine Einwände (die ich nicht nachvollziehen kann): Publikationen nicht gut genug (meine Einschätzung: wie soll das in so kurzer Zeit für ein Spitzenjournal funktionieren?), manches sei zu riskant (mein Urteil: innovativ), die Kooperationsabsprache mit einer sehr renommierten ausländischen Gruppe sei nicht detailliert genug (die Zusage zur Kooperation lag vor und diese selbst läuft gut) und das Forschungsumfeld an seiner Universität nicht ausreichend gut (mein Urteil: einerseits ein Affront, andererseits funktioniert ja die externe Kooperation). Aus Erfahrung unterstelle ich, dass hier eine innovative Entdeckung bewusst unter­drückt werden sollte und sich der Gutachter im Hinblick auf seine eigenen Anträge als kompetent und streng positionieren wollte. Beide Gutachten kamen vor den Fachausschuss, sozusagen das Obertribunal, der sich auf die Gutachten (besonders die negativen) verlässt und den Daumen hebt oder senkt. Dort wurde mein Gutachten als zu gutmütig beziehungsweise unkritisch abgetan. Da erinnere ich mich an die Erzählung eines heute sehr erfolgreichen Max-Planck-Institutsdirektors, der mir unlängst anvertraut hat, er wäre nicht hier, wenn in seiner Startphase ein Gutachter nicht auch einmal über die eine oder andere Schwäche im Antrag hinweggesehen hätte.

Ein wesentlicher Teil der Begutachtung wird heute den wissenschaftlichen Fachzeitschriften überlassen. Wie es dabei zugeht, habe ich kürzlich erlebt: Ohne inhaltliche Kritik wurde ein Artikel (der als sehr innovativ von den Gutachtern bewertet wurde) abgelehnt, weil sich nicht genügend viele Biologen dafür interessieren würden. Das Verkaufsargument der Verlage kann kein  Kriterium wissenschaftlicher Qualität sein. Doch zeichnet sich ein Wandel ab, da man bei jedem DFG-Antrag jetzt eine Liste der besten Publikationen angeben muss. Damit verwirft die DFG ihre bisherigen Qualitätskriterien. Schlimmer wird es noch, wenn eine Universität ihre Mittel „nach Leistung“ vergibt, dafür keinen Kriterienkatalog vorlegt, jedoch offensichtlich auf erfolgreiche Anträge bei der DFG achtet. Damit werden  Chancen für innovative Ansätze vergeben, die eine ausreichende Grundfinanzierung voraussetzen.

Gespräche mit weiteren Kollegen zeigen, wie Gutachter Antragsteller bevormunden und bis in die Anordnung von Experimenten hinein belehren. Die Kritik war im konkreten Fall vernichtend. Dabei wurde der im Antrag vorgeschlagene Ansatz bei einem internationalen Kongress von dem führenden Experten als Leitstern in einem sehr aktuellen (und praktisch relevanten Gebiet) gepriesen. Ist hier wieder ein Gutachter am Werk, der einem Antragsteller seine eigenen wenig innovativen Ideen aufdrängen will? Vielleicht ist ja gewünscht, dass Wissenschaftler mit dem Strom arbeiten sollen.

Nicht nur ich sehe jedenfalls eine Selektion der Gutachter nach der Vorgabe, dass sie möglichst viele negative Details aufspüren und damit Anträge ablehnen sollen. Die Sachbearbeiter der DFG brauchen erklärtermaßen solche Gutachten, weil die Mittel für die eingehenden Anträge im Normalverfahren nicht reichen. Dabei ist offensichtlich gewünscht, Antragsstellern möglichst zwei Schlingen um den Hals zu legen (falls eine reißen sollte). Wäre da nicht besser, man würde würfeln? Was will man entgegnen, wenn kritisiert wird, ein Teil des Antrages sei zu knapp (oder zu ausführlich), der Vorarbeiten seien zu wenige (oder zu viele, weil dann ohnehin schon vieles bekannt ist), oder etwas sei zu riskant (oder banal). Wo bleibt die Innovation, wenn das Ergebnis feststeht? Eine risikofreie, aber innovative Hypothese gibt es nicht.

Es heißt, die Mittel reichten nicht. Was mag der Grund sein? Ist es so, dass die Universitäten ihren Bonus lieber im Block, etwa für Sonderforschungsbereiche, einwerben wollen als in den kleinen Portionen der Normalverfahren, sodass für letztere zu wenig übrig bleibt? Ist wieder ein „Mainstream“ gefordert? Sollte man jungen Leuten raten, es erst gar nicht zu probieren? Soll man nur jenen die Chance geben, hinter denen ein potenter Apparat etwa eines Max-Planck-Instituts steht? Ich hatte als Gutachter nicht den Eindruck, dass Nachwuchswissenschaftler aus einem privilegierten Umfeld alles selbst ausgebrütet und formuliert hätten. Also nur Bundesliga, keine Regionalklassen mehr? Und diejenigen aus dem Nachwuchs, die etwas in der Wissenschaft erreichen wollen – ab ins Ausland?

Um Irrtümern vorzubeugen: Ich war  und bin für Qualitätssicherung, aber sie muss gerecht, realitätsnah und nachvollziehbar sein. Gott sei Dank brauche ich kein neues Geld mehr von der DFG. Für das, was ich bekam, bin ich dankbar. Das betraf auch einmal ein Projekt, das ein Gutachtergremium abgelehnt hatte, für das ein anderes Gutachterteam aber seine Realisierung durchgesetzt hat. Meine Arbeit ist nun abgeschlossen und das offene Wort ist mein Beitrag zu der Ehrlichkeit in der Wissenschaft, welche die DFG so gern fordert

Prof. Dr. Helmut Plattner, ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls Zellbiologie an der Universität Konstanz.

duz Magazin 08/11 vom 22. Juli 2011 , S. 16

Hochschulen, wacht auf!

Längst wach geküsst!
„Hochschulen, wacht auf!“ forderte Christof Anz im duz Magazin vom Juli 2011 und stellte fest, dass die deutschen Hochschulen die Thematik wissenschaftliche Weiterbildung seit Jahren vernachlässigen, obwohl Unternehmen seit langem deren Bedeutung für die Personal- und Fachkräfteentwicklung betonen. Immerhin billigte er einigen Hochschulen die Bereitschaft zu, für „Freitzeitwissenschaftler und Rentner“ zur Anhebung des allgemeinen Bildungsstands der Bevölkerung Angebote zu entwickeln, beklagte aber nach wie vor unzureichende Angebote für Berufstätige und meldete Zweifel an den angebotenen Themen und Methoden an. Anderen Hochschulen warf er vor, mit heißer Nadel gestrickte Managementkurse auf den Markt zu werfen mit dem Ziel, die gebeutelten Hochschulhaushalte zu sanieren. Anz, verantwortlich für die Bildungspolitik der BMW Group und Mitglied im Fachbeirat Bildungs- und Kompetenzmanagement der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW) in Berlin, einer „Privat-Public-Partnership“ der Freien Universität und der Klett-Gruppe, beklagte vor allem den Mangel an Angeboten im technischen Bereich und warnte die Hochschulen vor in Zukunft ausbleibenden Studierenden, wenn sie nicht endlich berufsbegleitende Angebote schaffen,

Aber befinden sich die deutschen Hochschulen, insbesondere die staatlichen, wirklich in einem Dornröschenschlaf oder sind sie nicht schon lange wach? Anlässlich des Bundeswettbewerbs „Offene Hochschule: Aufstieg durch Bildung“ bewarben sich 167 Hochschulen mit ihren Ideen zur Umsetzung von berufsbegleitenden Angeboten, von dualen Studiengängen und von Durchlässigkeit. Da gab es ja auch Fördermittel abzugreifen, wird Herr Anz vermutlich entgegnen, aber was sollen Hochschulen tun angesichts der Kürzung finanzieller Mittel, Überlast, doppelter Abiturjahrgänger und anderer Probleme?

Doch unabhängig davon: Auch ohne diesen Wettbewerb hat sich schon lange viel getan. Schon seit Anfang der 90er Jahre haben sich mehr als 20 Hochschulen zusammengeschlossen, um berufsbegleitende Fernstudienangebote zu entwickeln und anzubieten. Zunächst im Fernstudienverbund der Länder (FVL), seit 2003 im Hochschulverbund Distance Learning (HDL) werden zahlreiche Studiengänge mit Bachelor- und Masterabschlüssen in verschiedensten Fachrichtungen, darunter Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau, angeboten.

Die Virtuelle Fachhochschule (VFH), ein Verbund von 10 Hochschulen, bietet ebenfalls berufsbegleitende Studienangebote sowohl für Menschen, die einen ersten Studienabschluss erwerben wollen als auch für solche, die sich nach einem akademischen Abschluss weiterbilden möchten. Auch hier können sich beispielsweise Wirtschaftsingenieure ausbilden lassen und Unternehmen ihre Mitarbeiter weiterqualifizieren. Allein diese beiden Verbünde decken nördlich der Mainlinie weite Teile der Bundesrepublik mit ihren Angeboten ab und rund 10.000 Studierende bilden sich an ihren Mitgliedshochschulen per Fern- oder Online-Studium unter Nutzung innovativer Lehr- und Lernmethoden weiter. Unternehmen müssen diese Angebote für ihre Personalentwicklung nur nutzen. Weitere Beispiele für ähnliche Angebote lassen sich nennen: Die berufsbegleitenden Studiengänge der Fachhochschulen in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland, die über die Zentralstelle für Fachhochschulen (ZFH) koordiniert werden oder diejenigen der Fachhochschulen des bevölkerungsstärksten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, vertreten über das Institut für Verbundstudien (IfV) mit Sitz in Hagen. Und auch die Universitäten stehen nicht so schlecht da, wie Herr Anz glaubt. Zentrale Einrichtungen, Stabsstellen oder Institute zur wissenschaftlichen Weiterbildung haben sie alle, Angebote gibt es reichlich und zwar insbesondere für Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen.

Was ist also das Problem? „Marktorientierte Weiterbildung“ ist das Anz’sche Zauberwort. Ein großes Ziel, denn was will „der Markt“? Die nachfrageorientiert agierenden Hochschulkämpfer an der Weiterbildungsfront erleben es regelmäßig: In zahllosen Gesprächen mit Unternehmensvertretern erhalten sie auf ihre Frage nach dem Bedarf im Unternehmen die Antwort: “Was haben Sie denn?“. Auch Personalchefs sind oftmals nicht in der Lage zu konkretisieren, wer die Zielgruppe im Unternehmen sein soll und was diese benötigt. Ist diese Hürde genommen, stellt sich die Frage nach der Finanzierung, denn aus Bedarf wird noch lange keine Nachfrage. Die Tatsache, dass wissenschaftliche Weiterbildung, die doch eine Kernaufgabe der Hochschule ist und das auch noch gesetzlich festgeschrieben, etwas kosten soll und das auf Vollkostenbasis, ist für viele Unternehmensvertreter schwer vorstellbar. Und auch die Teilnehmer in wissenschaftlichen Weiterbildungsveranstaltungen erleben es vielfach: Die Kosten hierfür müssen sie privat tragen.

Und schließlich, es gibt sie, die rechtlichen Restriktionen, die die Hochschulen mit den Unternehmen laut Anz gemeinsam angehen sollen. Vielfach bremsen sie die Hochschulen bereits im Vorfeld aus. Das beginnt bereits bei der Definition von Weiterbildung und der Problematik der Studiengebührenerhebung. Ist ein Studiengang für Berufstätige, der sich an Menschen mit beruflicher Ausbildung, aber ohne ersten Studienabschluss richtet nun ein grundständiger Studiengang oder darf er als Weiterbildungsstudiengang angeboten werden? Schließlich bilden sich die potenziellen Teilnehmer biografisch betrachtet weiter. In Ländern mit Studiengebührenverbot eine wichtige Frage und oft das Aus für berufsbegleitende Angebote. Denn der grundständige Studiengang darf hier nur gebührenfrei angeboten werden, also aus den Kapazitäten der Hochschule. Woher nehmen, wenn man die Präsenzlehre kaum gestemmt bekommt und für berufsbegleitende Formate zusätzliche Ressourcen benötigt? Ministeriumsvertreter verweisen hier gerne auf „die Wirtschaft“, doch ach: Sie hört die Rufe nicht!

Dr. Annette Strauß, Geschäftsführung der Agentur für wissenschaftliche Weiterbildung und Wissenstransfer – AWW e. V.

duz Magazin 10/09 vom 18. September 2009 , S. 64 f.

Es gilt das gesprochene Wort

"Vivat Academia?! Vivat musica!!"

Jura und Musik, zwei auf den ersten Blick völlig gegensätzliche Materien. So muss man lange suchen, bevor man auf Beiträge stößt, die sich intensiv mit den Wechselbeziehungen zwischen der Musikwissenschaft und der Juristerei auseinandersetzen. Darin beklagen die Autoren, die oft nur unzureichende Untersuchung und die „Nicht-Kommunikation zwischen den Akteuren Neuer Musik und fast dem gesamten geistigen […] Umfeld“ . Neben dieser Globalkritik setzte Professor Hoeren im oben genannten Beitrag mit seinem Rüffel ein Level niedriger an. Er beschwerte sich darin über akademische Rituale und rechnet bei der Gelegenheit gnadenlos mit der Tristesse der „Kammer-Klampf-Krampfmusik“ an deutschen Hochschulen ab. „Das Gefiedel war überflüssig! […] Tod den Streichern! […] Warum nicht mal was Witziges, Modernes, Unterhaltsames als musikalisches Intermezzo?“, schreibt Hoeren.

Von diesem Aufsatz provoziert, den Aussagen von Professor Hoeren zustimmend, aber auch mit Vorbehalten gegenüberstehend, möchte ich die Gelegenheit nutzen und das Bild der deutschen Fakultätsmusik einen Praxis-Check unterziehen. Denn als hätten sich Juristen deutschlandweit diese öffentliche Schelte Professor Hoerens zu Eigen gemacht, hat in der letzten Zeit an ein paar juristischen Fakultäten eine Art musikalische Revolution stattgefunden, deren Akteure Erwähnung verdienen. Denn die geforderte „Jazz-Kombo, Dixieland-Band, Blues-Truppe, Hip-Hop-Gang“ bei universitären Festakten gibt es schon längst…

München, gefühlte 40 Grad, es ist ein Freitagnachmittag im Frühsommer – man sollte sich eigentlich in einem der unzähligen Biergärten der Landeshauptstadt eine Feierabendmaß gönnen und sich die Sonne auf den Bauch strahlen lassen. Aber in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität – ein prächtiger Saal –  treffen sich Doktoranden und hochbegabte Studenten der Juristischen Fakultät, um gemeinsam in einem feierlichen Festakt Promotions- und Wettbewerbsurkunden entgegenzunehmen. Auch die Familien und Freunde der Gefeierten haben sich an diesem Nachmittag zusammengefunden. Der Festvortrag beschäftigt sich mit immateriellen Schadensrecht, mit anderen Worten: Habe ich zivilrechtliche Ansprüche für die seelischen Qualen, wenn mir beispielsweise fahrlässig der kleine Zeh abhackt wird, meine Schwiegermutter verstirbt oder mich mein Chef mobbt? Die Mutter eines Doktoranden wedelt wie wild mit ihrem Fächer, völlig aufgeregt. Ein Baby weint. Nach etwa vierzig Minuten – also ich fand’s ehrlich gesagt spannend – ist das immaterielle Schadensrecht gänzlich abgegrast. Das Kind schreit nicht mehr.

Als nächster Programmpunkt kommt „jur’a cappella“, angekündigt als musikalische Umrahmung des Festakts. Alle erwarten vermutlich (mal wieder) „Kammer-Klampf-Krampfmusik“, um in der Terminologie von Professor Hoeren zu bleiben. Doch als „Lollipop“ angestimmt wird, die wedelnde Fächerfrau fröhlich mitwippt und bei dem hallenden „Plop“ sogar dem einen oder anderen Professor ein Lächeln zu entrücken ist, scheint dann doch ein wenig (Feier)Stimmung aufzukommen. Wurde ja auch Zeit. Um die Euphorie aber etwas zu bremsen, und die Leute wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen, wurde anschließend ein italienischer Lobgesang „Alta Trinita Beata“ gesungen, etwas Solides aus dem 15. Jahrhundert.  Luther hätte es gefallen. 

Musizierende Juristen der anderen Art kennt aber nicht nur die Ludwig-Maximilians-Universität München. Vorreiter war bereits vor über zehn Jahren die „Juraband“ von der juristischen Fakultät der Universität Bielefeld, bestehend aus mehreren Professoren, Referendaren, Anwälten und Studenten. Bielefeld bildet damit – trotz seiner angeblichen Nichtexistenz  –  die Vorhut einer wohl nicht zu stoppenden Bewegung.  Zum Semesterende werden dort die Studenten mit einem Semesterabschlusskonzert in den Urlaub geschickt. Auch bei Festveranstaltungen wie etwa beim Jubiläum zum 40jährigen Bestehen der Fakultät durften die Protagonisten der „Juraband“ in die Tasten hauen, „Born to be wild“ und „Sweet Home Alamaba“ performen. Wenn „Wonderful tonight“ von Eric Clapton angestimmt wird bleibt kein Auge trocken.

Doch nun stellt sich einige Fragen: Will man das überhaupt? Juristen, die sich ploppend vor die Menge stellen und „Lollipop“ singen? Professoren, die vor der versammelten Studentenschaft „Born to be wild“ grölen? Wie kann man vor solchen Akadamikern noch Respekt haben? Diese Fragen könnte ich mit einem – typisch juristischen – „es kommt darauf an“ beantworten. Das wäre zu einfach! Vielmehr möchte ich entgegnen: Warum nicht?
Denn es lassen sich – neben dem üblichen schriftlichen Konkurrenzkampf in der rechtswissenschaftlichen Literatur – neue Wettbewerbsfelder im Kampf der juristischen Fakultäten gegeneinander erschließen. Vorstellbar wäre ein deutschlandweiter Wettstreit für Fakultätsmusik. So könnten Streitigkeiten etwa über die Verfassungsmäßigkeit der lebenslänglichen Freiheitsstrafe nicht mehr mit Pergament und Tinte, sondern im musikalischen Diskurs auf der Bühne entschieden werden. Die Gottschalks und Bohlens auf der Welt würden sich umschauen, wenn die als trocken verschriene Wissenschaft plötzlich Emotionen auf die Bühnen dieser Welt bringt. 

Außerdem ist es für die Studieren erfreulich, die Professoren frei und beschwingt rocken zu sehen. Zu merken, „die hören die gleiche Musik wie ich“, stehen mit Leidenschaft auf der Bühne und bringen den Saal zum Schwingen. Eine neue Art, sich auf akademischer Ebene Respekt zu verschaffen, bei Studierenden und Kollegen. Diesen Pepp kann die Rechtswissenschaft schon vertragen und führt wieder zurück zu der Academia, wie sie sich ureigens selbst verstanden hat, als Gesamtheit der Lehrenden und Studierenden.

Und nicht zuletzt – und da darf ich abschließend Professor Hoeren noch einmal Gehör schenken (Balsam für seine gequälten Ohren) – läutet die wachsende Begeisterung für modernere Musik an den juristischen Fakultäten das Ende des „Kammer-Klampf-Krampf“-Musikzeitalters ein: Nie mehr Gefiedel und gelangweilte Festaktbesucher, denn künftig gibt es Pop statt Barock, Rock statt Klassik – Vivat musica!

Florian Ruhs, München

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