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Lehre ist Gemeinschaftsaufgabe

Plädoyer für eine wettbewerbliche, wissenschaftsbasierte Lehr-Institution auf Bundesebene.

Die Hochschulrektorenkonferenz konzentriert sich in ihrer Stellungnahme zum Positionspapier des Wissenschaftsrats im Mai dieses Jahres darauf, sich gegen eine eigenständige Organisation zur Förderung der Hochschullehre auszusprechen. Das erweckt der Hochschulrektorenkonferenz zufolge den Eindruck, diese würde der „klar konzipierten und verlässlichen Hochschulfinanzierung“ entgegenstehen.

Dabei fordert der Wissenschaftsrat nicht erst im Positionspapier „Strategien für die Hochschullehre“ von Anfang Mai eine höhere Grundfinanzierung für die Hochschulen ein. Er appelliert seit Langem explizit dafür, Dauermaßnahmen durch eine Dauerfinanzierung sicherzustellen und so zu verhindern, dass wertvolles Erfahrungswissen durch den ständigen Personalwechsel, den Befristungen mit sich bringen, verloren geht. Außerdem spricht sich der Wissenschaftsrat dafür aus, die Entwicklung von neuen Konzepten für die Lehre zu fördern. Es müssten neben der verlässlichen Finanzierung der Daueraufgaben in der Lehre auch projektförmige Lehrentwicklungen gefördert werden.

Was heute funktioniert, kann morgen schon passé sein

Die Argumente des Wissenschaftsrats sind einleuchtend. Wenn Deutschland künftig weltweit mithalten will, braucht es nicht nur exzellente Forschung, sondern auch exzellente Bildung. Die Anforderungen an die Lehre verändern sich ständig, weil sich die Studierendenschaft und unsere Lebenswelt wandeln. Was heute in der Lehre funktioniert, kann morgen schon passé sein. Das heißt nicht, dass Lehrende jedem Trend hinterherlaufen oder gar „Edutainment“ betreiben müssen. Aber ist es wirklich zu verantworten, wenn Studierende auf die gleiche Weise zum Lernen angeleitet werden wie vor zweihundert Jahren, ihre zukünftige Lebens­ und Arbeitswelt aber ganz anders aussehen wird, als wir uns das jetzt vorstellen können?

Schon heute arbeiten Absolventinnen und Absolventen von Hochschulen häufig in mehrsprachigen Teams, oft digital vernetzt über Staatsgrenzen hinweg. Sie müssen mit Datenmanagement umgehen, schriftlich kommunizieren, mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und in unterschiedlichen Sprachen arbeiten und in Organisationen agieren können, die Selbstverantwortung und Selbstorganisation einfordern. Auf all das bereiten traditionelle Lehrveranstaltungen bisher wenig vor.

Um die Lehre so weiterzuentwickeln, dass sie der veränderten Studierendenschaft und den Anforderungen an die Absolventinnen und Absolventen gerecht wird, ist es dringend notwendig, die Entwicklung von Lehre als Gemeinschaftsaufgabe zu begreifen – und zwar als Gemeinschaftsaufgabe der Hochschulen, aber auch der Länder und des Bundes. Eine wettbewerbliche, wissenschaftsbasierte Institution auf Bundesebene ist eine vernünftige Antwort auf eine solche Herausforderung. Warum sollte das, was für die Forschung funktioniert, nicht auch für die Lehre zu Exzellenz führen?

Das Argument der Hochschulrektorenkonferenz, „dem wettbewerblichen Vergleich von Lehre und Lehrkonzepten sind Grenzen gesetzt“, gilt erstens genauso für Forschung. Und zweitens ist es durch den Erfolg wettbewerblicher Förderungen, beispielsweise des Stifterverbands, längst widerlegt. Steht hinter der Ablehnung womöglich die Angst davor, Lehre könnte tatsächlich zum Konkurrenzfaktor in Wissenschaftskarrieren und Hochschulrankings avancieren? Schön wär’s!

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