„Verteilungskonflikte sind normal“
Dekane sollten sich zusammensetzen, wenn es ums Geld geht, rät Dr. Joachim Selter. Er ist Trainer für Konflikt-
management und Führung.
duz: Warum kommt es immer zu Konflikten, wenn Fakultäten mit der Hochschulleitung über Budgets diskutieren?
Selter: Der Streit ums knappe Geld ist ein existenzieller Konflikt. Es geht um die Stellung der Fakultäten. Je größer der Etat, desto höher das Ansehen. Hinzu kommt: Je mehr Geld eine Fakultät zur Verfügung hat, um so mehr kann sie Studierenden und Wissenschaftlern bieten.
duz: Wie sollten sich Dekane vorbereiten, um bei Budget-Verhandlungen ihr Ziel zu erreichen?
Selter: Sie sollten sich in jedem Fall eine Strategie überlegen. Die hängt davon ab, wie stark ein Dekan auftreten kann. Dahinter stehen die Zahlen einer Fakultät und das persönliche Geschick desjenigen, der in die Verhandlung geht. Vor allem aber sollten sich alle Parteien immer wieder klar machen, dass sie letztendlich ein gemeinsames Ziel teilen, nämlich eine hohe Qualität in Lehre und Forschung.
duz: Ist Ärger programmiert, wenn ein Dekan als Einzelkämpfer auftritt?
Selter: Jeder Dekan will das Maximum herausholen. Das ist ein verständliches Motiv, denn die Fakultäten stehen in Konkurrenz zueinander. Es birgt allerdings zusätzliches Konfliktpotenzial, wenn sich einzelne Dekane verleiten lassen, auf eigene Faust Sonderregelungen zu vereinbaren. Das kann beispielsweise den Nachteil haben, dass bei der nächsten Runde mit einem anderen Dekan gesonderte Vereinbarungen getroffen werden. Insgesamt schwächen solche Soloauftritte eher die Stellung der Dekane.
duz: Also fahren Dekane besser mit einer gemeinsamen Strategie?
Selter: Allianzen für eine gemeinsame Sache zu schmieden ist sicherlich sinnvoller, denn an den Hochschulen herrscht oft noch das Prinzip „teile und herrsche“. Gemeinsame Interessen werden in einzelne Interessen aufgespalten und sind so leichter zu steuern. Dekane sollten sich vor den Verhandlungen zusammensetzen und überlegen, wo ihre Chancen liegen. Zusammen sind sie meistens stärker.
duz: Und was, wenn die Verhandlungen stocken?
Selter: Wichtig ist, dass es immer eine konstruktive Ebene gibt, dass also weiter rational diskutiert wird. Kommt es vermehrt zu emotionalen Störungen, macht es Sinn, eine Pause zu machen, um die Ergebnisse mal sacken zu lassen, Gemeinsamkeiten festzuhalten und strittige Punkte zu isolieren. Danach lassen sich dann die Verhandlungen meistens besser fortsetzen. Die Beziehungen der Parteien sollen ja keinen langfristigen Schaden nehmen.
duz: Ist es Aufgabe der Hochschulleitung, Konflikte aus dem Weg zu räumen?
Selter: Nein keinesfalls, denn ein Verteilungskonflikt ist völlig normal, wenn der Kuchen zu klein ist. Ich sehe die Hochschulleitung in der Verantwortung, ein konstruktives Konfliktmanagement zu betreiben. Das heißt, zuerst einen fairen und transparenten Modus zur Verteilung des Budgets zu finden und dann gemeinsam mit den Dekanen Lösungen zu erarbeiten. Das sind in der Regel Kompromisse, die aber haltbar sein sollten. Das geht nur, wenn die grundsätzlichen Interessen der Beteiligten gewahrt werden.
duz: Kann ein Schlichter helfen?
Selter: Erst einmal sollte man eine Mediation versuchen. Dabei erarbeitet ein Allparteilicher, der nicht im Konflikt steckt, mit den Betroffenen Lösungen. Das kann ein Kanzler oder ein Rektor einer anderen Hochschule sein. Erst wenn die Mediation scheitert, sollte man einen Schlichter zu Rate ziehen.
duz: Holen sich die Hochschulen bei solchen Konflikten Hilfe von außen?
Selter: Die Akzeptanz dafür ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen.
Das Interview führte Benjamin Haerdle.
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