Personalmanagement Ein Siegel soll die besten Forscher nach Europa holen

Europaweit arbeiten Hochschulen daran, einheitliche Standards in der Personalpolitik umzusetzen. Doch die Resonanz aus Deutschland ist verhalten. Erst vier Hochschulen beteiligen sich an der Initiative.

von Sebastian Meyer

Bonn/Brüssel „Das kann ein Aushängeschild für jede Hochschule sein – und wir wollen bei den Ersten dabei sein“, sagt Klaus¬Dieter Düformantel. Der Leiter des EU-Büros der Uni Freiburg arbeitet daran, dass seine Hochschule demnächst das Logo „HR Excellence in Research“ auf dem Briefkopf führen darf. Das ist eine Art Gütesiegel für gutes Personalmanagement. Die EU verleiht es, um Hochschulen im weltweiten Wettbewerb um kluge Köpfe zu unterstützen. Sie zeichnet damit Hochschulen aus, die die 2005 verabschiedete Forschercharta und den Verhaltenskodex für die Einstellung von Forschern umsetzen. Wenn Top-Wissenschaftler ein Qualitätssiegel für Personalmanagement sehen, beeinflusst das ihre Entscheidung positiv, so das Kalkül.

Um das Siegel zu erhalten, muss eine Hochschule an der Initiative zur Qualitätssicherung im Personalmanagement teilnehmen. Sie trägt den Titel „Human Resources Strategy for Researchers“ (HRSfR) und regelt in fünf Schritten, wie Charta und Code umgesetzt werden können. So müssen die Institutionen eine Bestandsanalyse vornehmen und einen Maßnahmenkatalog erstellen, mit dem eventuelle Lücken in der Personalpolitik behoben werden. Nach zwei Jahren soll dies intern überprüft werden, nach vier Jahren werfen EU-Experten einen Blick darauf. Charta, Kodex und die HRSfR sind zentrale Bausteine beim Versuch, einen einheitlichen und vor allem attraktiven Forschungsraum in Europa zu schaffen.

Nach Angaben der Kommission haben bereits 1200 Institutionen aus 35 Ländern, darunter auch die deutsche Hochschulrektorenkonferenz (HRK), ihre Unterstützung für Charta und Code erklärt. Mehr als 100 Hochschulen dürfen das Logo bereits führen, rund 50 davon kommen aus Großbritannien. Deutschland jedoch hinkt hinterher. Noch keine Hochschule hatte das Logo bis Ende 2012 erhalten, gerade einmal vier Hochschulen – neben der Uni Freiburg sind das die Unis Potsdam und Heidelberg sowie die FH Köln – bewerben sich derzeit darum. Auch deshalb hat die HRK im November 2012 ausdrücklich zur Teilnahme aufgerufen und Unterstützung angeboten. Eine aus Experten zusammengesetzte Arbeitsgruppe soll die Hochschulen jetzt bei der Umsetzung der Initiative beraten.

„Für die Universitäten kann das ein gutes Mittel zur Selbstreflexion sein.“

Für die Universitäten, die sich mit ihrer Personalstrategie beschäftigen, kann das ein gutes Mittel zur Selbstreflexion sein“, sagt Dr. Gerhard Duda von der HRK. Tatsächlich müssen die Hochschulen bei der Lückenanalyse einen 40 Punkte umfassenden Fragenkatalog beantworten. Dieser beinhaltet Rechte und Pflichten von Forschern und Arbeitgebern, etwa die Achtung vor geistigen Eigentumsrechten oder die Gemeinwohlorientierung ihrer Forschung, faire Gehälter und Arbeitsbedingungen, transparente Bewerbungsverfahren und ausreichende Fortbildungsangebote.

Dieser Umfang ist aber auch einer der Gründe, weshalb einige deutsche Hochschulen zurückhaltend sind. Die HRK hat eine erste Analyse für die Personalmanagement-Initiative durchgeführt. Dudas Fazit: „Der Aufwand kann hoch sein, aber man sollte ihn nicht zu hoch machen. Man sollte nicht ,zu deutsch' an die Sache rangehen“ (s. auch Interview). Da einige Aspekte der Initiative in Deutschland gelebte Praxis sind, hätten viele Universitäten bislang auch keine Notwendigkeit gesehen, daran teilzunehmen, glaubt Duda. „Ein transparentes Bewerbungsverfahren für Professoren ist bei uns zum Beispiel gesetzlich vorgeschrieben. Und bei der Bezahlung orientiert man sich an den Tarifverträgen.“ Zudem habe die Exzellenzinitiative in den vergangenen Jahren Ressourcen gebunden.

Hochschulen, die im Exzellenzwettbewerb aktiv waren, rät Duda ohnehin nicht dringend zur Teilnahme. „Institutionen, die sich gerade personalpolitisch von allen Seiten haben durchleuchten lassen, werden durch die Charta vielleicht wenig Erkenntnisgewinn haben. Sie werden aber auch wenig Mühe haben, das Logo zu erwerben.“ Insgesamt sei die Initiative dennoch sinnvoll. „Für die Hochschulen, die sich auf EU-Ebene um Mittel im Forschungsrahmenprogramm bewerben wollen, ist zum Beispiel das Logo hilfreich, weil es die Antragsstellung erleichtert“, meint Duda.

Das sieht auch der Freiburger EU-Experte Düformantel so: „Der Aufwand ist schon hoch. Aber die Sache lohnt sich. Wir müssen uns einfach internationaler aufstellen.“ Von der HRK wünscht er sich, dass einige der 40 Fragen im Vorfeld mit der EU geklärt werden. Schließlich hätten die meisten in der HRK vertretenen Hochschulen Themenkomplexe wie Gender oder Ethik bereits umgesetzt. „Das würde die Hürde deutlich senken“, sagt Düformantel. Die Ansprüche der EU stehen auch in Kontrast zur Realität an den deutschen Hochschulen. Gewerkschafter kritisieren, dass die Zahl prekärer Arbeitsverhältnisse steigt. So haben nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) 89 Prozent der Mittelbau-Beschäftigten keinen unbefristeten Vertrag. Auch je nach Fach sind die Fördermöglichkeiten und die Karriereaussichten unterschiedlich, sagt Duda: Eine Umfrage des Berliner Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung zeige, dass die Promovierenden diese vor allem in den Naturwissenschaften als gut bezeichnen. In den Geisteswissenschaften gebe es kritischere Töne.

Internet: www.hrk.de


INTERVIEW

Die Initiative im Alltag

„Zehn bis 15 Stunden in der Woche“

Die FH Köln nimmt seit 2011 an der EU-Initiative im Personalmanagement teil. Der Vizepräsident für Forschung und Wissenstransfer, Prof. Dr. Klaus Becker, über den Aufwand.

duz: Warum beteiligt sich die FH Köln an der EU-Initiative?

Becker: Vor dem Hintergrund unserer auf Internationalisierung ausgerichteten Forschungsstrategie ist es für uns sehr attraktiv, uns im europäischen Rahmen auszutauschen. Dazu kommt, dass wir dann auch das „Human Resources Excellence in Research“-Logo nutzen können, was für die Gewinnung von wissenschaftlichem Personal mit ausgeprägtem Forschungsinteresse durchaus interessant sein kann.

duz: Wann könnten Sie das Logo erhalten und was muss dafür noch getan werden?

Becker: Wir streben für dieses Audit Mitte 2013 an. Es ist recht einfach, die Gap-Analyse vorzunehmen und einen Maßnahmenkatalog daraus abzuleiten. Aber ohne ein Team, das sich um Personalentwicklung kümmert, geht es nicht. Wir etablieren seit Januar ein neues Team mit sechs bis sieben Personen, das sich unter anderem mit der Umsetzung der Initiative beschäftigt.

duz: Welchen Aufwand hat die FH Köln bei der Umsetzung?

Becker: Ich zitiere da immer eine Kollegin von der Medizinischen Universität Graz, die die Charta ebenfalls umsetzt. Nach ihren Erfahrungen sind für die Projektleitung zehn bis 15 Stunden die Woche für zwei bis drei Monate aufzubringen. Hinzu kommen rund zwei Dutzend Hochschulangehörige aus der Wissenschaftscommunity und allen Ebenen der Verwaltung, die an zwei bis drei Ganztags-Workshops teilnehmen und eine Multiplikatorenfunktion übernehmen.

Das Interview führte Sebastian Meyer.



URL:
http://www.duz.de//duz-europa/2013/01/ein-siegel-soll-die-besten-forscher-nach-europa-holen/154

Copyright:
duz - deutsche Universitätszeitung / Dr. Josef Raabe Fachverlag für Wissenschaftsinformation

Quelle:
duz Europa 01/13

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