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duz: Herr Bertrams, sollen Hochschulen ihren unzufriedenen Beschäftigten jetzt auch ein Glücksseminar anbieten?
Bertrams: In erster Linie ist Glück individuell und eine Sache des Einzelnen. Anregungen von außen können aber durchaus sinnvoll sein. Ein Workshop etwa, der Wege aufzeigt, wie man an seinem Glück arbeiten kann, der erklärt, wie man Verhaltensweisen einübt, die das ganz persönliche Glückslevel positiv beeinflussen, ist langfristig sicher eine gute Investition. Schließlich sind glücklichere auch leistungsstärkere Mitarbeiter.
duz: Welche Rolle spielen die Arbeitsbedingungen?
Bertrams: Sie können das Glück des Einzelnen nicht bestimmen, aber natürlich begünstigen. So sind Mitarbeiter in der Regel zufriedener, wenn sie keine kleinteiligen, sondern sinnstiftende, herausfordernde und ganzheitliche Aufgaben erfüllen. Sie sind in ihrem Job glücklicher, wenn sie die Möglichkeit haben, mitzubestimmen und Dinge selbst zu gestalten. Die Gehaltserhöhung verschafft dagegen nur ein kurzes Glücksgefühl.
duz: Gibt es allgemeingültige Glücklichmacher?
Bertrams: Untersuchungen belegen zum Beispiel, dass der Mensch in der Regel glücklicher ist, wenn er sich bewusst macht, wofür er in seinem Leben dankbar ist.
duz: Wie gingen Sie bei der Studie vor?
Bertrams: Wir haben Schüler vor der Einführung des Fachs und ein Jahr danach befragt und festgestellt, dass, im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, der Unterricht das subjektive Wohlbefinden der Teilnehmer gesteigert hat.
duz: Hat sich der Mensch so sehr von sich selbst entfernt, dass wir Glücklichsein jetzt in der Schule lernen müssen?
Bertrams: Das Bewusstsein hat sich verändert. In unserer Gesellschaft gibt es ein großes Interesse am Glücklichsein. Viele haben den Anspruch, ihr subjektives Wohlbefinden zu verbessern.
duz: Wie lehrt man Glück?
Bertrams: Im Unterricht zum Glücklichsein geht es um Freude an Leistung, darum, sich Ziele zu setzen und deren Erreichen mit positiven Emotionen zu verknüpfen: Die Schüler stellen sich etwa vor, dass sie stolz ihr Abschlusszeugnis entgegennehmen. Darauf arbeiten sie in kleinen Teilschritten hin, die wiederum mit positiven Emotionen verbunden werden. Außerdem gehen die Schüler zusammen klettern, sichern sich gegenseitig ab und erleben sich dadurch als sinnvoll und aktiv. Auf dem Stundenplan steht auch bewusste Ernährung, gemeinsames Kochen, Essen in Ruhe, damit verbundene Sinnlichkeit und Wohlbefinden.
duz: Gibt es ein Modul für Gefühle?
Bertrams: In jedes der Module spielen Emotionen hinein. Der Unterricht versucht, von negativen Emotionen wegzuführen. Die Schüler sollen sich nicht vornehmen, vor der Prüfung keine Angst zu haben. Sie sollen sich vielmehr einem positiven Ziel annähern und beispielsweise planen, einen guten Schulabschluss zu erreichen.
duz: Lassen sich solche Glückslehren übertragen?
Bertrams: Der Unterricht fußt auf der Glücksforschung und die ist weder auf eine bestimmte Zielgruppe noch auf ein bestimmtes Alter ausgerichtet. Auch Erwachsene haben oft ungünstige Strategien im Umgang mit ihren Gefühlen.
Kontakt: alex.bertrams@uni-mannheim.de
Die Fragen stellte Marion Koch.
URL:
http://www.duz.de//duz-europa/2011/10/das-wohlbefinden-hat-sich-gesteigert/40
Copyright:
duz - deutsche Universitätszeitung / Dr. Josef Raabe Fachverlag für Wissenschaftsinformation
Quelle:
duz Europa 10/11
Bei Veröffentlichungs- und nicht-privaten Nutzungsvorhaben wenden Sie sich an wissenschaftsinformation@raabe.de.
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