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Verträge, Stipendien und Kindergeld
Zu
den besten seiner Zunft will fast jeder Nachwuchsforscher gehören.
Da ist man an einem Max-Planck-Institut genau richtig. Doch wie bekommt
man den Fuß in die Tür und wie viel darf man sich gegenüber
etablierten Kollegen eigentlich erlauben? Eine kurze Einführung in
die Tücken des Elitealltags.
von
Tilmann Warnecke, Journalist in Berlin.
der Artikel erschien im duz MAGAZIN 05/2004
Wenn
bereits der Betriebsratsvorsitzende das Wort Elite im Mund
führt und sagt: Wir wollen die Besten, dann ist klar,
wie das Selbstverständnis aller Mitarbeiter lautet: Hier schaffen
es wirklich nur ganz Auserwählte hin, und das sind wir. Wobei Dirk
Hartung, der dem Gesamtbetriebsrat der MaxPlanckGesellschaft
(MPG) vorsteht und mit genau diesem Satz den Anspruch seiner Forschungsorganisation
beschreibt, sich beeilt hinzuzufügen: Aber ganz so klar sagt
man das dann natürlich nicht. Außerdem erfolgt die Suche weltweit
und daher nicht nur in einem möglichen Konkurrenzverhältnis
zu deutschen Universitäten.
Etwa
8000 Nachwuchsforscher arbeiten als Doktoranden, Postdoktoranden
oder ausländische Gastwissenschaftler an den 80 Instituten der
MPG. Rund 800 reichen jährlich ihre Promotion ein, 20 eine Habilitation.
Allein durch das Auswahlverfahren dürfen sie sich tatsächlich
als Auserwählte fühlen. In den USA leistet sich die MPG sogar
ein ScoutProgramm, um Talente zu finden.
Institute
streng hierarchisch geordnet
Allerdings:
Sind die Hürden der Aufnahme in ein Max-Planck-Institut
(MPI) erstmal genommen, beginnen die Niederungen des Alltags, und die
können auch für die Besten unter den Nachwuchswissenschaftlern
ziemlich ernüchternd sein. So ernüchternd, dass Dirk Hartung
vor einiger Zeit für die MaxPlanckGesellschaft sogar ein
kleines Handbuch mit dem Arbeitstitel How to live and survive as
an PhdStudent herausgeben wollte. Daraus wurde zwar nichts,
aber immerhin legte die MPG daraufhin Pflichten und Rechte der Promovierenden
schriftlich nieder und veröffentlichte sie als Rundbrief.
Ob
Promovend, PostdocStipendiat oder wissenschaftlicher Mitarbeiter
für alle gilt: Die Institute, von einigen Ausnahmen abgesehen,
sind noch immer streng hierarchisch geordnet, meint Hartung. Im
Kern denkt der Direktor eines Instituts, sagt der Betriebsratsvorsitzende,
der selbst am Berliner Institut für Bildungsforschung sitzt. Die
anderen sind die Hilfstruppe. Also: Der Chef sehr selten
eine Chefin, fügt Hartung hinzu gibt das Forschungsthema
und die Erkenntnisziele vor, seine Mitarbeiter arbeiten mehr oder weniger
brav zu. Insbesondere Promovenden sind also gut beraten, sich eher
unkritisch zu verhalten. Bei Abweichlern und unkonventionellen Ideen entstehen
schon mal Schwierigkeiten, kritisiert Hartung. Bei ihm beklagen
sich Doktoranden deswegen gelegentlich, dass man sie wie Unmündige
behandelt.
Die
Tücken des Alltags beginnen mit dem Geld, vor allem bei Promovierenden.
Denn an einen Teil der Doktoranden vergibt die MPG BAT-Verträge
mit einem Gehalt von 1000 bis 1080 Euro im Monat. Die anderen bekommen
etwas schlechter dotierte Stipendien, bei denen zudem die durch die Verträge
gewährleisteten Sozialleistungen fehlen. Insgesamt haben Stipendiaten
1000 bis 2500 Euro weniger im Jahr. Da Verträge meist an die deutschen
Promovierenden gehen und die ausländischen die Stipendien bekommen,
kommt es da manchmal zu direkten Konflikten, sagt Hartung.
Der ehemalige italienische MPGDoktorand Andrea Raccanelli zog
deshalb im Februar 2004 vor das Arbeitsgericht Bonn, um gegen die Ungleichbehandlung
zu klagen. In der Praxis leisten alle Doktoranden die gleiche Arbeit,
also müssen sie auch vertraglich gleich gestellt sein, sagt
Raccanelli, der Stipendiat am MPI für Radioastronomie in Bonn war
und jetzt an der Universität Bonn forscht.
Netzwerk als Sorgentelefon
Um
Probleme zu besprechen, gründete Raccanelli mit anderen Doktoranden
vor gut einem Jahr ein Promovendennetzwerk. MPG-Präsident Prof.
Dr. Peter Gruß ließ das Gründungstreffen im April letzten
Jahres von der MPG finanzieren. Die Internetplattform ist für den
Nachwuchs wichtig. Denn nicht nur zu Verträgen gibt es Gesprächsbedarf.
Die Kontakte mit den Universitäten sind ziemlich schwach,
sagt Raccanelli obwohl einer der beiden Doktorväter von der
Uni kommen muss. Darauf reagierte die MPG im Winter 2000 mit den Research
Schools. An ihnen arbeiten die Promovenden eng mit Universitäten
zusammen. Wer indes an einem MPI arbeitet, das keiner der 28 Research
Schools angehört, bleibt eher ein Einzelkämpfer.
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Wie kommt man in ein Max-Planck-Institut?

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Der
normale Weg für Nachwuchswissenschaftler in ein MaxPlanckInstitut
geht über Stellenausschreibungen für Doktoranden und Postdocs.
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Wer
sich für ein spezielles Forschungsthema in einem MaxPlanckInstitut
interessiert, sollte sich direkt mit der Einrichtung in Verbindung
setzen.
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In
Selbstständigen Nachwuchsgruppen fördert die
MPG besonders begabte junge Wissenschaftler.
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Die
International Max Planck Research Schools bieten deutschen
und ausländischen Studenten die Möglichkeit, sich an einem
MPI und einer Universität auf die Promotionsprüfung vorzubereiten,
Infos: www.mpg.de
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Das
Netzwerk der Max-Planck-Promovenden ist unter www.phdnet.mpg.de
zu finden. Dort geht es neben aktuellen Tagungen auch um Verträge
oder Kindergeld.
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