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Der Artikel erschien im duz MAGAZIN 11/07 vom 16.11.2007

Branche im Höhenflug

Seit den Terroranschlägen boomt die Sicherheitsindustrie. Profitieren von dem Aufschwung auch junge Forscher? Ja. Doch vorerst gilt das vor allem für die, die in der Informations- und Kommunikationstechnologie zu Hause sind.

von Benjamin Haerdle

Die Zahlen sind weltweit prächtig: Wachstumsraten von acht Prozent verzeichnet die Sicherheitsindustrie nach Angaben des Bundesforschungsministeriums. Das US-Markforschungsunternehmen Freedonia Group prognostiziert allein für private Sicherheitsdienstleistungen für 2008 ein Marktvolumen von fast 100  Milliarden Euro. Gute Prognosen auch für die Sicherheitselektronik: Für 2010 sagt der Fachverband Bitkom einen weltweiten Jahresumsatz von mehr als 40 Milliarden Euro voraus.
Rosige Karriereaussichten also für Wissenschaftler, die sich mit dem Gedanken tragen, einen Abstecher in die Industrieforschung zu wagen? Ja, wenn sie denn Experten der Informations- und Kommunikationstechnologien sind. Physiker, Chemiker, Biologen, Mediziner und Wirtschaftswissenschaftler sind zwar in den Sicherheitsforschungsprogrammen des Bundesforschungsministeriums und der Europäischen Union schwer gefragt, in der Wirtschaft aber ist das derzeit nicht in dem Maß der Fall.

Techniker und Denker in einem
Beispiel Bosch: Die Bosch Sicherheitssysteme GmbH mit Sitz im bayerischen Ottobrunn digitalisiert unter anderem Videobilder von der Münchener U-Bahn und entwickelt Brandschutzsysteme in einem Kraftwerk in Nordrhein-Westfalen oder biometriegestützte Zugangskontrollen am Frankfurter Flughafen – und braucht Forscher und Entwickler. „Wir suchen Hochschulabsolventen der Elektrotechnik und der Informatik, die wir bei uns in der Entwicklung vor allem als Experten für Sicherheits- und Kommunikationssysteme brauchen“, sagt Dr. Michael Jantzer. Er koordiniert als leitender Direktor die Forschungsaktivitäten der verschiedenen Business Units bei Bosch Sicherheitssysteme und promovierte einst an der Universität Stuttgart. Die Geschäfte laufen gut bei Bosch. Rund 1,3 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten die mehr als 10000 Firmenmitarbeiter in 45 Staaten. Fast zehn Prozent ihres Umsatzes investiert das Unternehmen in die eigenen Forschungsabteilungen. Wer dort eine feste Stelle bekommen möchte, sollte sich aber nicht nur auf seine fachlichen Kompetenzen verlassen. „Unsere Mitarbeiter müssen eigenverantwortlich arbeiten, teamfähig sowie bereit sein, häufig zu verreisen und im Ausland zu arbeiten“, rät Jantzer.

„Geistes- und Sozialwissenschaftler
helfen dabei, das unternehmerische
Risiko zu senken.“

Ganz ähnlich ist die Situation bei SAP. Der Software-Konzern mit Stammsitz im badischen Walldorf braucht für seine Entwicklungsabteilungen IT-Experten. SAP erforscht zum Beispiel, wie geografische Informationssysteme in die Planung von Notfalleinsätzen integriert werden können oder wie die geplante bundesweite zentrale Steuerdatei, auf der deutsche Behörden Informationen über steuerpflichtige Arbeitnehmer suchen können, vor Hackern geschützt werden kann. „Für Entwicklungsprojekte wie diese sind Hochschulabsolventen erwünscht, die eine Kombination aus Informatik und Betriebswirtschaft vorweisen können“, sagt Dr. Sachar Paulus, Senior Vice President für Produktsicherheit bei SAP. Zudem sollten sie über spezifische Kenntnisse wie Sicherheits- und Risikomanagement oder Identitätsmanagement verfügen. „Fähigkeiten, wie wir sie im Umfeld der Sicherheitsforschung und sicheren Softwareentwicklung in unserem Unternehmern für absolut notwendig erachten“, sagt Paulus.
Die Einstellungspolitik von Bosch und SAP zeigen: Firmen möchten in einem Forscher und Entwickler nicht nur das große Technikgenie, sondern auch den kleinen Ethiker finden. Nach Einschätzung des Stuttgarter Risikoforschers Prof. Dr. Ortwin Renn birgt das ein Risiko: „Geistes- und Sozialwissenschaftler helfen dabei, das unternehmerische Risiko zu senken und Probleme frühzeitig zu erkennen, ehe Investitionen in den Sand gesetzt werden.“


Benjamin Haerdle
ist Journalist in Leipzig..
   
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