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Hochschulen mit Forschungsexpertise:
An der FH Köln ist Mitte Juni eine 3500 Jahre alte Papyrusrolle erstmals
wieder ausgerollt worden. |
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Der
Artikel erschien im duz MAGAZIN 08/10
vom 23.07.2010
Getrennt und
doch zusammen
Universitäten
und Fachhochschulen sollen in Zukunft besser miteinander kooperieren,
empfiehlt der Wissenschaftsrat. Vor allem bei den Promotionen. An der
Unterscheidung der beiden Hochschultypen halten die akademischen Berater
aber fest.
von
Roland Koch
Am Promotionsrecht
wollte der Wissenschaftsrat nicht herumdoktern. Als er Anfang Juli seine
jüngsten Empfehlungen zur Rolle der Fachhochschulen im Land bekannt
gab, stand fest: Das Kürzel Dr. sollen weiterhin ausschließlich
Unis vergeben. Sache der rund 100 staatlichen Fachhochschulen ist
dies nicht. Allerdings: Aus dem exklusiven Recht der Unis ergebe sich
auch eine Verpflichtung. Geeignete Absolventen von Fachhochschulen
müssen verlässliche Perspektiven für die Aufnahme einer
Promotion erhalten, sagte Prof. Dr. Peter Strohschneider, der
Vorsitzende des Wissenschaftsrats.
Geeignete
Absolventen müssen
verlässliche Perspektiven für die
Aufnahme einer Promotion erhalten.
In
der aktuellen Stellungnahme des Wissenschaftsrats war die Promotion damit
ein zentrales Thema. Wieder einmal. Bereits in früheren Empfehlungen
hatte sich das akademische Beratergremium für klarere Regelungen
zwischen Unis und Fachhochschulen ausgesprochen. Geändert hat sich
in der Zwischenzeit jedoch nicht viel. Noch immer stoßen FH-Absolventen
mit dem Wunsch zur Promotion an deutschen Universitäten auf erhebliche
Widerstände.
Damit sich das
ändert, hat der Wissenschaftsrat den Beteiligten nun ein Werkzeug
an die Hand gegeben: so genannte Kooperationsplattformen. Sie sollen die
Basis für eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Fachhochschulen,
Unis, gegebenenfalls auch Privatunternehmen und Forschungseinrichtungen
sein. Über deren Einführung könnten damit unter anderem
die Promotionswege für FH-Absolventen deutlich transparenter
werden, heißt es. Promotionen, die sowohl von Universitäts-
als auch von Fachhochschulprofessoren betreut würden, könnten
dann auch stärker an den thematischen Bedürfnissen von Fachhochschulen
orientiert sein und deren Forschung stärken. Voraussetzung sei die
formale Gleichstellung der Studienabschlüsse.
Gute Absolventen gehen ins Ausland
Die geforderte Öffnung der Unis für FH-Absolventen
begrüßen wir sehr, sagt Prof. Dr. Nicolai Müller-Bromley
dazu. Der Vorsitzende des Hochschullehrerbundes vertritt die Interessen
der Professoren an Fachhochschulen. Die Zahl der Promovenden mit FH-Abschluss
werde dadurch sicher weiter steigen. Ich befürchte allerdings,
dass die Unis in diesem Punkt mauern werden, sagt Müller-Bromley
und fordert die Länder auf, forschungsstarken Fachochschulen das
Promotionsrecht zu verleihen. Seit Jahren würden die Universitäten
ermahnt, die Kooperation mit den Fachhochschulen auf dem Gebiet der Promotion
zu verbessern, sagt Müller-Bromley. Getan habe sich aber wenig.
Viele FH-Absolventen promovierten deshalb im Ausland und seien dort
nicht selten Jahrgangsbeste. Auch wenn es vom Wissenschaftsrat keine Empfehlung
für ein Promotionsrecht an Fachhochschulen gab, ist das Thema für
Müller-Bromley nicht vom Tisch. Ich interpretiere den Hinweis
auf die Kooperationspflicht der Unis dahingehend, dass man sich auf Seiten
des Wissenschaftsrats eine solche Empfehlung durchaus vorstellen kann,
wenn es mit der vorgeschlagenen Zusammenarbeit nicht läuft,
sagt er.
Das Promotionsrecht
für Fachhochschulen würde auch Professor Dr. Bernd Reissert
begrüßen. Der neue Sprecher des Fachhochschulverbundes UAS
7 (Seven Universities of Applied Sciences) macht sich aber für ein
selektives Promotionsrecht stark. Forschungsstarke Fachhochschulen
sollten es in geeigneten Teilbereichen erhalten, fordert er. Die
Empfehlungen des Wissenschaftsrats seien deshalb zwar ein Schritt in die
richtige Richtung, aber nur eine Second-Best-Lösung.
Mehr Forschung
wagen
Obwohl die Berater von Bund und Ländern dazu raten, die beiden
Typen Universität und Fachhochschule beizubehalten, betonen sie explizit
den hohen Stellenwert letzterer für den Wissenschaftsstandort Deutschland.
Die Politik solle deshalb verstärkt auf die FH-Potenziale setzen.
Damit einher gehe eine weitere Differenzierung dieser Hochschulform, um
gesellschaftlichen Belangen gerecht zu werden. Die Empfehlung aus dem
Jahr 2006, neue, innovative Hochschultypen jenseits der bestehenden einzuführen,
ist damit vom Tisch.
Obwohl Fachhochschulen
grundsätzlich eher praxis- und berufsbezogene Ausbildungen anbieten,
sieht der Wissenschaftsrat bei ihnen auch ein hohes Innovationspotenzial.
Um dieses besser zu nutzen, rät er zur Einrichtung spezieller Forschungsprofessuren,
deren Lehrverpflichtung lediglich neun Semesterwochenstunden beträgt.
Mit dieser Empfehlung sind wir voll und ganz einverstanden,
sagt Nicolai Müller-Bromley. Forschung an Fachhochschulen
sollte nicht auf Projekte begrenzt bleiben, sondern durch grundfinanziertes
Personal verstetigt und ausgebaut werden. In Brandenburg werde dieses
Modell bereits sehr erfolgreich umgesetzt.
Man müsse
allerdings aufpassen, dass durch eine Einrichtung von Forschungs-Professuren
die Lehre nicht abgewertet werde. Der Vorschlag des Wissenschaftsrats,
die Forschungsstellen zeitlich zu begrenzen, ist da sicherlich ein probates
Mittel, sagt Müller-Bromley.
Größeres
Fächerangebot
Auch das Fächerangebot der Fachhochschulen soll nach Meinung
des Wissenschaftsrats weiterentwickelt werden. Er sieht hier unter anderem
Potenzial im Bereich der Lehrerbildung. Sowohl für die Grundschul-Ausbildung
als für die Sekundarstufe I hätten die Fachhochschulen Kompetenzen
und Ressourcen. Geeignete Standorte sollten deshalb in der Lehrerbildung
Teile der pädagogischen und didaktischen Ausbildung übernehmen.
Fachwissenschaftlich könnten sie sich etwa in den Bereichen Technik,
Informatik oder Wirtschaft einbringen.
Bei der Ausbildung
für Gesundheitsberufe könnten die Fachhochschulen ebenfalls
eine stärkere Rolle wahrnehmen, heißt es. Studienangebote könnten
hier die bestehenden Ausbildungsangebote im dualen Bereich oder an den
schulen ergänzen. Die therapeutische Ausbildung könne so dem
internationalen Standard angepasst werden. Bedarfsgerechte Akademisierung
von Berufsfeldern, heißt das in der Prosa wissenschaftlicher
Empfehlungen.
Die greifen auch
den demographischen Wandel im Land auf sowie die Rolle, die die Fachhochschulen
dabei spielen können. Lebenslanges Lernen wird in Zukunft immer wichtiger
werden. Die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit, familiären Verpflichtungen
und Studium solle in flexiblen Modellen aufgegriffen werden. Kürzere
zertifikatsbasierte Weiterbildungen sollten akademische Abschlüsse
ermöglichen.
Für den
Wissenschaftsrat spielen Fachhochschulen auch in Zukunft ein wichtige
Rolle im Hochschulsystem. Also müssten sie adäquat ausgestattet
und weiterentwickelt werden. Gemeint sind damit mehr wissenschaftliche
Mitarbeiter, ein besseres Betreuungsverhältnis und die Umsetzung
von Sanierungen. Nun geht es also ums Geld guter Rat kann teuer
werden.
Roland
Koch ist Journalist in Berlin.
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