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  Foto: Robert Fuchs
Hochschulen mit Forschungsexpertise: An der FH Köln ist Mitte Juni eine 3500 Jahre alte Papyrusrolle erstmals wieder ausgerollt worden.
 

Der Artikel erschien im duz MAGAZIN 08/10 vom 23.07.2010

Getrennt und doch zusammen

Universitäten und Fachhochschulen sollen in Zukunft besser miteinander kooperieren, empfiehlt der Wissenschaftsrat. Vor allem bei den Promotionen. An der Unterscheidung der beiden Hochschultypen halten die akademischen Berater aber fest.

von Roland Koch

Am Promotionsrecht wollte der Wissenschaftsrat nicht herumdoktern. Als er Anfang Juli seine jüngsten Empfehlungen zur Rolle der Fachhochschulen im Land bekannt gab, stand fest: Das Kürzel „Dr.“ sollen weiterhin ausschließlich Unis vergeben. Sache der rund 100 staatlichen Fachhochschulen ist dies nicht. Allerdings: Aus dem exklusiven Recht der Unis ergebe sich auch eine Verpflichtung. „Geeignete Absolventen von Fachhochschulen müssen verlässliche Perspektiven für die Aufnahme einer Promotion erhalten“, sagte Prof. Dr. Peter Strohschneider, der Vorsitzende des Wissenschaftsrats.

„Geeignete Absolventen müssen
verlässliche Perspektiven für die
Aufnahme einer Promotion erhalten.““

In der aktuellen Stellungnahme des Wissenschaftsrats war die Promotion damit ein zentrales Thema. Wieder einmal. Bereits in früheren Empfehlungen hatte sich das akademische Beratergremium für klarere Regelungen zwischen Unis und Fachhochschulen ausgesprochen. Geändert hat sich in der Zwischenzeit jedoch nicht viel. Noch immer stoßen FH-Absolventen mit dem Wunsch zur Promotion an deutschen Universitäten auf erhebliche Widerstände.
Damit sich das ändert, hat der Wissenschaftsrat den Beteiligten nun ein Werkzeug an die Hand gegeben: so genannte Kooperationsplattformen. Sie sollen die Basis für eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Fachhochschulen, Unis, gegebenenfalls auch Privatunternehmen und Forschungseinrichtungen sein. Über deren Einführung könnten damit unter anderem die Promotionswege für FH-Absolventen deutlich transparenter werden, heißt es. Promotionen, die sowohl von Universitäts- als auch von Fachhochschulprofessoren betreut würden, könnten dann auch stärker an den thematischen Bedürfnissen von Fachhochschulen orientiert sein und deren Forschung stärken. Voraussetzung sei die formale Gleichstellung der Studienabschlüsse.

Gute Absolventen gehen ins Ausland
„Die geforderte Öffnung der Unis für FH-Absolventen begrüßen wir sehr“, sagt Prof. Dr. Nicolai Müller-Bromley dazu. Der Vorsitzende des Hochschullehrerbundes vertritt die Interessen der Professoren an Fachhochschulen. Die Zahl der Promovenden mit FH-Abschluss werde dadurch sicher weiter steigen. „Ich befürchte allerdings, dass die Unis in diesem Punkt mauern werden“, sagt Müller-Bromley und fordert die Länder auf, forschungsstarken Fachochschulen das Promotionsrecht zu verleihen. Seit Jahren würden die Universitäten ermahnt, die Kooperation mit den Fachhochschulen auf dem Gebiet der Promotion zu verbessern, sagt Müller-Bromley. Getan habe sich aber wenig. Viele FH-Absolventen promovierten deshalb im Ausland und seien dort nicht selten Jahrgangsbeste. Auch wenn es vom Wissenschaftsrat keine Empfehlung für ein Promotionsrecht an Fachhochschulen gab, ist das Thema für Müller-Bromley nicht vom Tisch. „Ich interpretiere den Hinweis auf die Kooperationspflicht der Unis dahingehend, dass man sich auf Seiten des Wissenschaftsrats eine solche Empfehlung durchaus vorstellen kann, wenn es mit der vorgeschlagenen Zusammenarbeit nicht läuft“, sagt er.
Das Promotionsrecht für Fachhochschulen würde auch Professor Dr. Bernd Reissert begrüßen. Der neue Sprecher des Fachhochschulverbundes UAS 7 (Seven Universities of Applied Sciences) macht sich aber für ein selektives Promotionsrecht stark. „Forschungsstarke Fachhochschulen sollten es in geeigneten Teilbereichen erhalten“, fordert er. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrats seien deshalb zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber nur eine „Second-Best“-Lösung.

Mehr Forschung wagen
Obwohl die Berater von Bund und Ländern dazu raten, die beiden Typen Universität und Fachhochschule beizubehalten, betonen sie explizit den hohen Stellenwert letzterer für den Wissenschaftsstandort Deutschland. Die Politik solle deshalb verstärkt auf die FH-Potenziale setzen. Damit einher gehe eine weitere Differenzierung dieser Hochschulform, um gesellschaftlichen Belangen gerecht zu werden. Die Empfehlung aus dem Jahr 2006, neue, innovative Hochschultypen jenseits der bestehenden einzuführen, ist damit vom Tisch.
Obwohl Fachhochschulen grundsätzlich eher praxis- und berufsbezogene Ausbildungen anbieten, sieht der Wissenschaftsrat bei ihnen auch ein hohes Innovationspotenzial. Um dieses besser zu nutzen, rät er zur Einrichtung spezieller Forschungsprofessuren, deren Lehrverpflichtung lediglich neun Semesterwochenstunden beträgt. „Mit dieser Empfehlung sind wir voll und ganz einverstanden“, sagt Nicolai Müller-Bromley. „Forschung an Fachhochschulen sollte nicht auf Projekte begrenzt bleiben, sondern durch grundfinanziertes Personal verstetigt und ausgebaut werden.“ In Brandenburg werde dieses Modell bereits sehr erfolgreich umgesetzt.
Man müsse allerdings aufpassen, dass durch eine Einrichtung von Forschungs-Professuren die Lehre nicht abgewertet werde. „Der Vorschlag des Wissenschaftsrats, die Forschungsstellen zeitlich zu begrenzen, ist da sicherlich ein probates Mittel“, sagt Müller-Bromley.

Größeres Fächerangebot
Auch das Fächerangebot der Fachhochschulen soll nach Meinung des Wissenschaftsrats weiterentwickelt werden. Er sieht hier unter anderem Potenzial im Bereich der Lehrerbildung. Sowohl für die Grundschul-Ausbildung als für die Sekundarstufe I hätten die Fachhochschulen Kompetenzen und Ressourcen. Geeignete Standorte sollten deshalb in der Lehrerbildung Teile der pädagogischen und didaktischen Ausbildung übernehmen. Fachwissenschaftlich könnten sie sich etwa in den Bereichen Technik, Informatik oder Wirtschaft einbringen.
Bei der Ausbildung für Gesundheitsberufe könnten die Fachhochschulen ebenfalls eine stärkere Rolle wahrnehmen, heißt es. Studienangebote könnten hier die bestehenden Ausbildungsangebote im dualen Bereich oder an den schulen ergänzen. Die therapeutische Ausbildung könne so dem internationalen Standard angepasst werden. „Bedarfsgerechte Akademisierung von Berufsfeldern“, heißt das in der Prosa wissenschaftlicher Empfehlungen.
Die greifen auch den demographischen Wandel im Land auf sowie die Rolle, die die Fachhochschulen dabei spielen können. Lebenslanges Lernen wird in Zukunft immer wichtiger werden. Die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit, familiären Verpflichtungen und Studium solle in flexiblen Modellen aufgegriffen werden. Kürzere zertifikatsbasierte Weiterbildungen sollten akademische Abschlüsse ermöglichen.
Für den Wissenschaftsrat spielen Fachhochschulen auch in Zukunft ein wichtige Rolle im Hochschulsystem. Also müssten sie adäquat ausgestattet und weiterentwickelt werden. Gemeint sind damit mehr wissenschaftliche Mitarbeiter, ein besseres Betreuungsverhältnis und die Umsetzung von Sanierungen. Nun geht es also ums Geld – guter Rat kann teuer werden.


Roland Koch ist Journalist in Berlin.
 

 

     
 
Fachhochschulen
in Zahlen
 

Standorte und Angebot: Im Wintersemester 2008/2009 gab es 98 staatliche Fachhochschulen an insgesamt 151 Stand- und Studienorten. Zum Sommersemester 2010 werden an ihnen 2.335 Bachelor- und 1.374 Masterstudiengänge angeboten.

  Studierende: Für das Wintersemester 2008/2009 verzeichnete der Wissenschaftsrat 619.000 Studierende an Fachhochschulen – das sind rund 30 Prozent aller Studierenden. Im Wintersemester 1999/2000 waren es noch 411.000 Studierende und damit 24 Prozent aller Studierenden gewesen. Die Zahl der Studienanfänger stieg von rund 82.000 (1999) auf 147.000 (2009).
 
  Professoren und Mitarbeiter: Die Zahl der Professoren stieg von 13.185 (WS 1999/2000) auf 14.246 (WS 2008/2009). Das Betreuungsverhältnis verschlechterte sich damit von 31 auf 40,5 Studierende pro Professor. Die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter wuchs ebenfalls – von 1500 (1999) auf 4200 (2007).
 
  Drittmittel: Staatliche Fachhochschulen warben im Jahr 2007 rund 213 Millionen Euro an Drittmitteln ein. Pro hauptamtlicher Professur machte das durchschnittlich 17.200 Euro aus. Dieser Wert betrug an Universitäten 169.400 Euro.
 
  Link: www.wissenschaftsrat.de
 
 

Wissenschaftliche Mitarbeiter
an Fachhochschulen

 
   
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