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Afrika braucht Geld
für Bildung. |
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Der
Artikel erschien im duz MAGAZIN 08/10
vom 23.07.2010
Wie die Lehre
aus dem Trott kommt
Überlastet,
desinteressiert, frustriert: Studien zeichen ein düsteres Bild von
Studierenden im Bologna-Zeitalter. Doch es gibt auch Lichtblicke. An der
Ruhruniversität Bochum zum Beispiel gründen Studierende zusammen
mit ihrem Professor gerade einen Stiftungsfond. Damit wollen sie Bildung
in Entwicklungsländern finanzieren.
von
Roland Koch
Hunderte Studenten
sitzen im überfüllten Hörsaal. Kaum ist die Vorlesung beendet,
müssen viele sofort los, weil neben der Uni der Job wartet. Erst
abends und an Wochenenden pauken sie dann für ihre Klausuren. Bis
zum Semesterende müssen sie die nötigen Leistungspunkte einsammeln.
44 Stunden pro Woche sind Studiosi im Bologna-Zeitalter durchschnittlich
im Einsatz. Das zeigt die neueste Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks.
Bei vielen ist es mehr.
Nachwuchs-Akademikern
bleibt da wenig Zeit, sich für Ideen zu interessieren, die nicht
unmittelbar für Scheine oder Zeugnisse wichtig sind. Doch immer wieder
gibt es Projekte, die trotz dieser Belastungen eine besondere Anziehungskraft
besitzen. Der Bochumer Wirtschaftsprofessor Stefan Winter hat jetzt ein
solches ins Leben gerufen. Und seine Studenten wollen dafür nicht
nur wissenschaftlich arbeiten, sie investieren sogar ihre knappe Freizeit.
Kann
die Finanzierung von Bildung in
Entwicklungsländern für Kapitalgeber
aus aller Welt rentabel sein?
Den
Beginn nimmt die Geschichte fernab von Deutschland. In den Entwicklungsländern
Afrikas zum Beispiel haben der Staat und die Familien oft nicht genügend
Geld, um ihren Kindern eine gute Ausbildung zu finanzieren. Dabei
sind Investitionen in Bildung sehr rentabel, sagt Professor Winter.
Wer gut ausgebildet sei, bekomme bessere Jobs, zahle mehr Steuern. Das
habe gerade erst einer seiner Studenten in einer Diplomarbeit gezeigt.
Und daraus ergebe sich eine interessante ökonomische Frage: Ist die
Finanzierung von Bildung in Entwicklungsländern womöglich ein
profitables Investment für Kapitalgeber aus aller Welt? Und eines,
das quasi nebenbei hilft, den Teufelskreis von Armut und mangelhafter
Ausbildung zu durchbrechen?
Stefan Winter
erzählte von dem Problem in einer seiner Vorlesungen. Er schlug zunächst
vor, Spendengelder für Kinder in Indien über einen Verein zu
sammeln. Doch an die Moral zu appellieren, reicht nicht, sagt
er. Ich glaube nicht an Utopien, sondern an Rendite. Wirtschaftswissenschaftler
müssten deshalb etwas anderes leisten: ein Finanzierungsmodell für
private Investoren erarbeiten. Es müsste zeigen, wie sich ökonomische
Anreize schaffen lassen, in Bildung zu investieren.
Der Funke sprang
sofort auf die Studenten über. Auf Anhieb fanden sich 20 Jung-Ökonomen,
die sich engagieren wollten. Nils Fronda ist einer von ihnen. Er studiert
im 6. Semester Management & Economics. Neben dem Studium arbeite
ich rund 20 Stunden die Woche, sagt er. Aber wenn die Sache
Spaß macht, scheue ich den Aufwand von zwei bis vier Stunden nicht.
Das Projekt biete schließlich die seltene Gelegenheit auszuprobieren,
wie man ein abstraktes Thema konkret anwenden könne. Außerdem
könne er hier fachliches und ethisches Interesse vereinen.
Ein wissenschaftlich
und menschlich ambitioniertes Thema, konkrete Beispiele, der direkte Draht
in die Forschung. Das wirkt offensichtlich Wunder in Sachen Motivation.
Zum dritten Mal in Folge ist Stefan Winter im vergangenen Jahr an seiner
Fakultät als Lehrstuhl des Jahres ausgezeichnet worden. Ich
will zeigen, dass Ökonomie Spaß macht, sagt Winter. Und
dass das, was wir im Hörsaal machen, auch in der Praxis Bedeutung
hat.
Die Praxis hat
an seinem Projekt zur Bildungsfinanzierung bereits erste Änderungen
bewirkt. Statt eines Vereins wird nun ein Stiftungsfond gegründet,
über den die Ausbildung von Kindern in Entwicklungsländern finanziert
werden soll. Die darüber gesammelten Daten dienen dann als Grundlage
für die weitere Forschung (s. Kasten).
Jessica Ramhab
studiert Management & Economics im 4. Semester. Das Projekt
ist ein komplexer praktischer Fall, der die Theorie auf die Probe stellt,
sagt die 28-Jährige. Da könne sie sich gut vorstellen,
im Masterstudiengang oder mit einer Promotion dabei zu bleiben. Mangel
an engagierten Studenten muss Stefan Winter so bald wohl nicht fürchten.
Roland
Koch ist Journalist in Berlin.
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