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Der Artikel erschien im duz MAGAZIN 06/10 vom 28.05.2010 Der Frust ist groß Viele Hochschulen nutzen die Juniorprofessur, um Nachwuchswissenschaftler zu rekrutieren. Vor acht Jahren wurde sie eingeführt. Doch vor allem in den Geisteswissenschaften gibt es noch Akzeptanzprobleme. Was besser werden muss, sagt Prof. Dr. Andreas Taubert, vom Vorstand des Juniorprofessur-Verbandes. duz: Herr Taubert, wie geht es den Juniorprofessoren in Deutschland? Taubert: Im Großen und Ganzen recht gut. Doch der Alltag vieler meiner Kollegen ist noch immer geprägt von Kinderkrankheiten, die die Juniorprofessur seit ihrem Start vor acht Jahren nicht ganz abgelegt hat. duz: Stellen Sie bitte eine Diagnose. Taubert: Größtes Problem bleibt für viele die Ungewissheit, ob sie nach Ablauf der Stelle nach sechs Jahren von der Universität übernommen werden. duz: Tenure Track hat sich also nicht durchgesetzt? Taubert:
Leider nein. Die Universitäten handhaben das ganz unterschiedlich.
Die Stellen werden sowohl als W1- duz: Ein weiteres Symptom bitte. Taubert: Die Erstausstattung. Darüber klagen viele Juniorprofessoren. Sie bekommen relativ wenig und müssen trotzdem viel lehren und forschen. Aber sie dürfen keine Zeit verlieren, da sie schon nach drei Jahren evaluiert werden und Ergebnisse vorweisen müssen. Wenn die Ressourcen dafür knapp sind, kommt man schnell in Bedrängnis. duz: Wie steht es mit der Akzeptanz durch die etablierten Professoren? Taubert:
Die hat sich sehr gebessert. Allerdings nur in den Naturwissenschaften,
etwa in der Physik oder in der Chemie. Nach meiner Beobachtung sehen sich
die meis- duz: Auch deshalb, weil sie ohne den Ritterschlag der Habilitation den Professorenstand genießen durften? Taubert: Richtig, und in den Geisteswissenschaften hat sich in dieser Hinsicht leider nicht viel geändert. duz: Muss man sich dort immer noch parallel über die Habilitation qualifizieren? Taubert: Unbedingt. Das ist auch der Grund, warum sich in den geisteswissenschaftlichen Fächern viele, eigentlich die meisten Juniorprofessoren nicht in die Community integriert fühlen. Der Frust ist groß. duz: Wie zeigt sich die Ausgrenzung? Taubert: Es gibt Fälle, wo Juniorprofessoren, gewollt oder mit sanftem Druck, mehr oder weniger in Eigenregie Masterstudiengänge aufbauen. Diese sind natürlich nach Ablauf der Stelle nach sechs Jahren akut gefährdet, was für die Studierenden ein riesiges Problem ist. duz: Gibt es auch Lerneffekte aus solchen Erfahrungen bei den Hochschulleitungen? Taubert: Ja, zum Beispiel beim Thema Erstausstattung. Seit die Anschubfinanzierung durch das Bundesforschungsministerium weggefallen ist, haben die Hochschulen gemerkt, dass es eine Fehlinvestition ist, wenn man nicht von Anfang an dafür sorgt, dass der Juniorprofessor bleibt. Die Unis überlegen sich deshalb heute genauer als früher, was sie sich von dieser Stelle versprechen. Das liegt aber auch daran, dass viele Hochschulen an einem bestimmten Profil feilen und dafür natürlich die besten Wissenschaftler auf die attraktivsten Forschungsgebiete setzen wollen. duz: Können Juniorprofessoren über Leistungszulagen verhandeln? Taubert:
Das ist nahezu sinnlos. Mehr als den Grundtarif bekommt man meist nicht.
Aber das gilt auch oft für W2- duz: Gibt es Hochschulen, die das Modell Juniorprofessur wieder abgelegt haben? Taubert: Ja, meines Wissens die Medizinische Hochschule und die Tierärztliche Hochschule, beide in Hannover. duz: Stirbt die Juniorprofessur aus? Taubert:
Nein, das Modell hat sich als Nachwuchsförderinstrument an vielen,
aber längst nicht an allen Hochschulen etabliert. Momentan gibt es
nur rund 700 Stellen, obwohl der Bund 1 000 fördern wollte und
bis zu 6 000 als Ziel hatte. Aussterben wird die Juniorprofessur
nicht. Aber zum Standard ist sie nicht geworden. Das
Interview führte duz-Redakteur
Hans-Christoph Keller. |
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