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Der Artikel erschien im duz MAGAZIN 05/09 vom 24.04.2009

Bringt zusammen, was zusammen gehört

Die meisten Hochschulen haben Fundraising als strategisches Finanzierungsinstrument entdeckt. Allerdings sammeln oft mehrere Abteilungen Geld von Spendern ein. Die RWTH Aachen hat zusammengeführt, was zusammen gehört, und über Schnittstellen eine Infrastruktur aufgezogen, die die gesamte Uni durchzieht.

von Angela Poth

Das Fundraising erfährt an deutschen Hochschulen eine immer größere Professionalisierung. Mehr als die Hälfte aller Universitäten haben die Bedeutung von Fundraising als strategisches Finanzierungsinstrument erkannt und investieren in den systematischen Aufbau von Fundraising-Abteilungen. Das heißt, sie stellen Fundraiser mit eigenem Budget und ehrgeizigen Zielen ein. Die Ansätze sind dabei in den Hochschulen durchaus unterschiedlich. Der folgende Beitrag gibt einen Einblick in die Fundraising-Strukturen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen.
Auch bei der RWTH sinken trotz ihrer überdurchschnittlichen Leistungsfähigkeit, der hohen Anerkennung bei Partnern aus der Wirtschaft und der Belegung von Spitzenpositionen in Forschungsrankings seit Jahren die staatlichen Zuwendungen. Um im zunehmenden Wettbewerb das Niveau zu halten und weiter auszubauen, sind zukünftig steigende Investitionen in Lehre, Forschung und Infrastruktur notwendig. Die Hochschule hat deshalb mit dem systematischen Aufbau professioneller Fundraising-Strukturen begonnen. Über Fundraising werden Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen angesprochen und überzeugt, strategische Entwicklungsprojekte durch Sponsoring, Spenden oder Stiftungen zu unterstützen. Mit Fundraising-Einnahmen werden an der RWTH Aachen Projekte realisiert, die das Profil der Hochschule stärken und an der Hochschulstrategie ausgerichtet sind, jedoch nicht aus dem Haushalt der Hochschule finanziert werden können.

Austausch und Integration sind unerlässlich
Ein weiteres Ziel des Fundraisings ist es, neue strategische Partner für die Hochschule zu gewinnen, mit deren Unterstützung langfris-tige Projekte zu beiderseitigem Nutzen durchgeführt werden. So soll die Drittmitteleinwerbung, das heißt die Akquisition von öffentlich finanzierten Projekten oder Aufträgen der Wirtschaft, bei der die RWTH Aachen mit rund 160 Millionen Euro pro Jahr bereits äußerst erfolgreich ist, ergänzt und stimuliert werden.
Die RWTH Aachen ist traditionell eine Universität mit ausgezeichneten Wirtschaftskontakten. So haben bereits in der Vergangenheit viele Fachbereiche und Wissenschaftler erfolgreich Gelder aus der Industrie eingeworben, ohne dass dieses individuelle Engagement von zentraler Seite koordiniert wurde oder in ein hochschulweites Fundraising-Konzept eingebunden war. Die Alumni-Arbeit, die Vermittlung von Forschungskooperationen, das Career Center und der Kreis der Freunde und Förderer der Hochschule sind weitere Funktionsbereiche, die sich mit der Koordination und Betreuung von Kontakten zu (potenziellen) Partnern der Hochschule befassen. Diese Bereiche sind an der RWTH unabhängig voneinander historisch gewachsen und daher nicht zu einer zentralen Organisationseinheit zur Kontaktpflege von Alumni, Stiftern, Spendern, Sponsoren und Unternehmen zusammengefasst.

Systematisches Fundraising erfordert eine professionelle Integration in die Organisationsabläufe.

Mit der Einstellung eines Verantwortlichen für die Koordination und Durchführung von Fundraising-Projekten der Universität und die Betreuung (potenzieller) Förderer, ergeben sich Schnittstellen mit all diesen Bereichen. Um bei den Partnern professionell aufzutreten, müssen Mehrfachansprachen vermieden, Ansprechpartner verbindlich zugewiesen, Ansprache- und Akquisitionsprozesse sowie eine Bindungskultur nachhaltig realisiert werden. Dazu ist ein kontinuierlicher Kommunikations- und Austauschprozess mit den agierenden Organisationseinheiten unerlässlich.
Systematisches Fundraising erfordert eine professionelle Integration in die Organisationsabläufe. Die Angliederung des Fundraising-Teams der RWTH als Stabsstelle des Rektorates hat sich als erfolgreich erwiesen, denn die enge Anbindung an die Hochschulleitung signalisiert die Bereitschaft des Rektors, die beteiligten Akteure der Universität bei ihren Fundraising-Aktivitäten zu unterstützen. Fundraising ist Chefsache und folglich die Aufgabe des Rektors, der die Hochschule repräsentiert und ihre Ziele nach außen vertritt. Somit ist es selbstverständlich, dass die Hochschulleitung die Zeit und Bereitschaft mitbringt, die Kontaktpflege zu (potenziellen) Großspendern und einflussreichen Fürsprechern in erforderlichem Umfang einzubringen. Das Fundraising-Team der RWTH Aachen bündelt und koordiniert die Aktivitäten auf Hochschulebene in allen Phasen – von der Idee über die Ansprache potenzieller Förderer bis hin zur Betreuung der Spender. In diesem Zusammenhang hat die organisatorische Nähe zum Rektor einen erheblichen Einfluss auf die Verhandlungsposition der Fundraising-Beauftragten.

Serviceangebot auch für Lehrstühle
Zur Unterstützung der Fundraising-Aktivitäten und Integration meinungsbildender Wissenschaftler aus der Hochschule wurde zudem ein interner Fundraising-Beirat einberufen und ein umfassendes Beratungs- und Serviceangebot für die Fachbereiche geschaffen. Die Aufgaben des Beirates bestehen in der Beratung des Fundraising-Teams in hochschulweiten Angelegenheiten und der Übernahme übergeordneter Aufgaben. Dazu zählen die gemeinsame Erarbeitung von Vorschlägen für Förderprojekte, die Unterbreitung von Vorschlägen zu neuen potenziellen Spendern und die Unterstützung des Teams bei der internen Kommunikation von Fundraising-Maßnahmen. Die Einstellung und Überzeugung der meinungsbildenden Wissenschaftler wirkt sich zudem positiv auf die Verankerung des Fundraisings in der Hochschule aus.
Es bietet sich an, die Fundraising-Infrastruktur der Hochschule im Sinne einer Service- und Beratungseinrichtung für Lehrstühle und Institute zu gestalten. Das Fundraising-Team kann bei der systematischen Entwicklung von Fundraising-Konzepten, der gemeinsamen Identifikation möglicher Förderer, der Anwendung von Fundraising-Instrumenten und der Bereitstellung von Musterverträgen helfen. Auch der Rektor, der aus seinem Amt heraus eine Schlüsselrolle einnimmt, kann so zugunsten eines Institutes handeln. Mit dieser Struktur wird zugleich Befürchtungen begegnet, dass die Kontakte und Beziehungen, die sich Institute über viele Jahre aufgebaut haben, an ein zentrales Fundraising-Team abgegeben werden sollen.
Fundraising sollte nicht nur eine Aktivität der Hochschulleitung und des Fundraising-Teams, sondern der gesamten Hochschule sein. Daher bedarf es auf der Verwaltungsebene der Integration und Koordination aller Schnittstellen, die Kontakte zu potenziellen Förderern pflegen. Dem wird an der RWTH Aachen mit regelmäßigen Abstimmungstreffen der involvierten Schnittstellenbereiche und der Nutzung einer gemeinsamen Datenbank zur Kontaktkoordination und -pflege begegnet.
Mithilfe geeigneter interner Kommunikationsinstrumente wird sichergestellt, dass die gesamte Hochschule am Fundraising teilnimmt, ihr Wissen zu diesem Thema erweitert, eventuell bestehende Vorurteile abbaut und an den eintretenden Erfolgserlebnissen teilhat. Auch wenn an einer Hochschule keine zentrale Organisationseinheit für die Pflege der Beziehungen zu externen Partnern besteht, können durch die Integration der verschiedenen Schnittstellen kurze Entscheidungswege, vielfältige Synergien nach innen und ein abgestimmtes Auftreten nach außen erreicht werden.
Eine der zentralen Zukunftsaufgaben des Fundraising-Teams der RWTH Aachen wird in der sinnvollen Koordination der zentralen und dezentralen Fundraising-Aktivitäten der Hochschule bestehen. Hier kommt es darauf an, die Interessen der Hochschule sowie der einzelnen Institute und Fachbereiche miteinander abzustimmen, um auf diese Weise den größten Erfolg und Nutzen für die Hochschule zu erzielen. In diesem Zusammenhang werden die Mitglieder des internen Fundraising-Beirates als Botschafter für Fundraising eine entscheidende Rolle einnehmen, wenn es darum geht, die Zusammenarbeit mit Professorinnen und Professoren zu vertiefen.


 

  Foto: RWTH Aachen  

 
Angela Poth
Leiterin der Stabsstelle Fundraising an der RWTH Aachen   

Die Themen Public Relations, Werbung und Sponsoring haben Angela Poth schon frühzeitig gepackt. Nicht nur, dass die 30-Jährige Kommunikationswissenschaft, Psychologie und Betriebspädagogik studierte und in ihrer Abschlussarbeit Telefongespräche eines Versicherungsunternehmens analysierte. Als Studentin verschaffte sie sich durch die Mitarbeit bei einer regionalen Bank auch Einblicke in den Finanzsektor. Gleichzeitig jobbte sie im Fundraising-Team der RWTH Aachen, dessen Leitung sie seit 2006 innehat. Seit 2008 leitet Angela Poth zudem beim Deutschen Fundraising Verband e. V. die Fachgruppe „Bildung“.
 

   
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