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Der Artikel erschien im duz MAGAZIN 03/10 vom 26.02.2009 Man muss den Druck aushalten Willkommen in der neuen Welt der strukturierten Promotion! Während sich Doktoranden zumeist über diese Begrüßung freuen, schauen Professoren eher skeptisch drein. Kein Wunder. Sie wissen: Das bedeutet mehr Betreuung. Doch die Doktoranden erwarten das zunehmend, beobachtet Alexander Schwarzkopf. duz: Herr Schwarzkopf, was ist für Sie ein sehr guter Betreuer? Schwarzkopf: Jemand, der in schwierigen Situationen Halt bietet und spürt, wenn bei mir das Bedürfnis zum Gespräch da ist. duz: Was brauchen Doktoranden am meisten von ihrem Doktorvater? Schwarzkopf: Ein Feedback, mit dem sie wirklich etwas anfangen können. Und auch mal Lob. Aber auch Orientierung, wenn man nicht weiß, warum manche Dinge zu lange dauern oder warum manche Ideen falsch oder richtig sind. duz: Sie wünschen sich einen Mentor? Schwarzkopf: Ja, denn wissenschaftlich zu arbeiten lernt man zwar im Studium, aber Forscher zu sein erst als Doktorand. duz: Die Doktorandenausbildung wandelt sich gerade. Viele Unis kümmern sich um eine bessere Betreuung ihrer Doktoranden. Inwiefern spüren Sie das? Schwarzkopf: Die Betreuungsstandards aus der strukturierten Promotion verbessern die Situation auch für jene Doktoranden, die nicht in solchen Programmen arbeiten. In Jena zum Beispiel kommen viele von ihnen in die Kurse der International Max Planck Research School. Sie wollen die Vorteile zusätzlicher Ausbildungsangebote auch nutzen. duz: Spüren die Professoren und Betreuer diesen Wandel auch? Schwarzkopf:
In Jena schon. Aber das ist nicht überall so. Man merkt das zuerst
daran, wenn die Betreuer ihrer Verantwortung gegenüber den Doktoranden
nicht voll nachkommen. Das wird in strukturierten Programmen schneller
zum Problem als in den Meister- duz: Warum? Schwarzkopf: In den strukturierten Programmen bekommen die Doktoranden ein engeres Zeitfenster gesetzt als in der klassischen Individualpromotion. Deshalb muss die Betreuungsintensität höher sein und damit auch die Verantwortung der Betreuer. duz: Was muss sich also verbessern? Schwarzkopf: Noch nicht optimal etabliert sind mancherorts die sogenannten multiplen Betreuungskonzepte. Ein wichtiges Instrument ist dafür das PhD Advisory Committee. Es besteht aus mehreren, mindestens aber zwei Betreuern, von denen einer vom Doktoranden gewählt wird. duz: Was ist gut daran? Schwarzkopf: Die Doktoranden berichten regelmäßig über den Stand ihrer Arbeit, und die Betreuer üben konstruktive Kritik. Daran müssen sich sowohl Doktoranden als auch Betreuer manchmal noch etwas gewöhnen. duz: Müssen Professoren diese Art der arbeitsteiligen Betreuung erst noch lernen? Schwarzkopf: Möglicherweise, aber vielleicht ist es auch nur eine Frage des Zeitmanagements. Denn man muss den Professoren schon zugute halten, dass sie viel Zeit in Forschung, Lehre und Gremien investieren. Da wird ein Doktorandentermin im Kalender immer noch als weniger wichtig eingestuft. Allerdings fängt genau da die gute Betreuung an: bei der Verlässlichkeit. Sie ist ein Zeichen dafür, wie viel Verantwortung Professoren in ihre Rolle als Betreuer legen. duz: Ist die strukturierte Promotion das Standardmodell der künftigen Doktorandenausbildung in Deutschland? Schwarzkopf: Was die Betreuungsinstrumente angeht, ja. Aber die Intensität mancher Programme ist nicht für jedes Fach und jeden Doktoranden geeignet. Man muss den Druck nämlich auch aushalten können. Insofern sollte die Vielfalt der Ausbildungswege erhalten bleiben. Es muss junge Forscher geben, die sich Zeit und Ruhe für sehr spezielle Themen nehmen können. duz: Wie kann der Druck für Doktoranden durch die Betreuer verringert werden? Schwarzkopf: Die Promotionsprojekte müssen so zugeschnitten sein, dass man sie auch schaffen kann. Ohne intensive Betreuung wird die Belastung für die Doktoranden ansonsten zu hoch. Bei manchen Betreuern fehlt manchmal noch das Gespür dafür, dass intensive Betreuung auch eine Gegenleistung für ihre eigene hohe Erwartungshaltung an die Doktoranden ist. duz: Wird umgekehrt die Erwartungshaltung der Doktoranden noch zunehmen? Schwarzkopf:
Absolut. Wer heute promovieren will, wählt bereits sehr genau aus.
Vor allem, weil zum Paket der strukturierten Programme meist noch Stipendien
dazugehören. Das macht sie für Absolventen viel interessanter
als die individuelle Promotion bei nur einem Doktorvater. Da sind Stellen
rar und man muss sich meist selbst um die Finanzierung kümmern. Die
Fragen stellte duz-Redakteur
Hans-Christoph Keller. |
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