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Der Artikel erschien im duz MAGAZIN 01/10 vom 18.12.2009 Begutachtungen im Sinne von Web 2.0 Auf Spitzennachwuchsforscher wartet in Zukunft noch mehr zeitraubende Gutachterarbeit. Wie kommt man raus aus dieser Misere? Nun, die neue Forschergeneration hat neue Lösungsansätze. Prof. Dr. Tilman Brück, Sprecher der Jungen Akademie, stellt sie vor. duz: Herr Prof. Brück, Sie schreiben selbst jede Menge Gutachten. Kommen Sie daneben noch zu Ihrer eigentlichen Arbeit? Brück: Zeit ist immer knapp. Aber wenn ich ein neues Forschungspapier begutachte, das zu meinem Kernthema gehört, dann ist das auch Forschung. Für mich ist es dann spannend und ich mache es gerne. Wenn ich das Gefühl habe, ich kann mich nicht kompetent äußern, lehne ich auch Anfragen ab. duz: Viele Ihrer Kollegen klagen aber unter der zunehmenden Belastung durch Gutachtenschreiben. Brück: Ja, die Evaluitis nimmt überhand. Und es ist tatsächlich die Frage, inwieweit viele Begutachtungsprozesse noch sinnvoll und effizient sind. Die Belastung nimmt tendenziell zu und der Nutzen ab. Viele Produkte oder Prozesse werden einer Begutachtung unterworfen, wo man sich fragt, ob sich der Aufwand lohnt bei den Summen, um die es geht etwa bei Stipendien von ein paar Hundert Euro oder bei der hohen Frequenz, mit der Nachwuchswissenschaftler evaluiert werden. Begutachtungen könnten schlanker und sollten internationaler organisiert werden. duz: Sie meinen die bestehenden Verfahren in Deutschland stoßen an Grenzen? Brück:
Auf jeden Fall! Wir müssen uns vom Gedanken verabschieden, dass,
wenn wir ein, zwei oder drei Leute fragen, ein repräsentatives Bild
über das zu begutachtende Objekt, die Person oder den Vorgang entsteht.
Es bleibt immer ein extrem subjektiver Blick. Und wenn nur eine Person
die- duz: Was also muss getan werden, um die Qualität von Gutachten zu sichern? Brück: Ich glaube, dass die traditionellen Begutachtungsverfahren im Zuge des Internets und der Internationalisierung zunehmend hinfällig werden. Wir müssen zu einem offenen Verfahren kommen, wo beide Seiten wissen, wer jeweils beteiligt ist. Es gibt ja zwei Extreme: einerseits das totale Anonymisieren und andererseits die komplette Offenlegung. In Deutschland haben wir derzeit genau eine Mischung von beiden. Das ist ein sehr altmodisches und aufwendiges Verfahren für vermeintlich objektive Entscheidungen. Wir brauchen einen Begutachtungsprozess im Sinne des Web 2.0, wo sich die Scientific Community gegenseitig einschätzt, Gutachter sich eine Reputation aufbauen, Entscheidungen und Kommentare nachvollziehbarer sind und jeder sich eine eigene Meinung bilden muss. duz: Klingt innovativ. Aber wie soll der Peer Review 2.0 konkret funktionieren? Brück:
So wie beim modernen Publizieren. Wissenschaftler würden ihre Forschungspapiere
auf dem Server publizieren. Jeder Peer weltweit könnte dann Kommentare
anfügen. Aber auch der Kommentator kann wiederum bewertet werden.
Es werden Durchschnitte gebildet, etwa welcher Antrag oder welche Person
von der Online- duz: Sind Sie Ihrer Zeit zu weit voraus? Brück:
Jedes Verfahren der Qualitätskontrolle hat Vor- duz:
Würden Sie als Peer einer Online- Brück:
Ich würde viel stärker aussuchen, wozu und wie ich mich
äußere. Ich würde wohl weniger, aber besser schreiben. Die
Fragen stellte duz-Redakteurin
Christine Xuân Müller. |
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