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Humor ist
zwar kein Allheilmittel für das Management. Er kann aber helfen,
angespannte Situationen zu lockern und eingefahrene Wege zu verlassen,
sagt der Organisatonsexperte Kurt Buchinger.
duz:
Herr Buchinger, kennen Sie einen Witz aus der Hochschulwelt?
Buchinger:
Treffen sich zwei Professoren vor der Universität
und beobachten, wie vor dem Hauptgebäude eine schwarze Flagge
gehisst wird. Sagt der eine: "Wissen Sie, wer gestorben ist?"
Sagt der andere: "Mir ist jeder recht."
duz:
Sieht es so schlimm aus in der Hochschulwelt?
Buchinger:
Hochschulen sind oft Horte der Konkurrenz,
Hochschulgremien eine Art Verhinderungsgremien. Gerne sind alle
miteinander verstritten. Die Wissenschaftler weisen den forschenden
Kollegen nach, dass diese fachlich auch nicht besser da stehen als
sie selbst. Die außerhalb des Forschungsbetriebes stehenden
Wissenschaftsmanager werden von ihnen von vornherein kaum ernst
genommen. In so einer Lage kann man Humor gut gebrauchen.
duz:
Ein guter Scherz und die Situation ist gerettet?
Buchinger:
So einfach ist das natürlich nicht. Humor ist viel
mehr als ein guter Witz zur rechten Zeit. Es geht dabei nicht primär
um den Inhalt, sondern um eine bestimmte Art des Kommunizierens.
duz:
Das heißt?
Buchinger:
Humor ist eine Lebenshaltung, eine Form, sich ganz auf
eine Situation einzulassen, sich störenden Faktoren zuzuwenden
und sich zu sich selbst und den offensichtlichen Hindernissen
in Distanz zu setzen. Und zwar jenseits von Zynismus oder Sarkasmus.
Humor ist eine Art, die Dinge liebevoll auf die Schippe zu nehmen.
Man könnte fast sagen, es ist eine Ausdrucksform der Liebe.
duz:
Ein hehrer Anspruch. Wie kann man das im Management umsetzen?
Buchinger:
Ein Beispiel: Hält sich ein Teilnehmer in einer
Konferenz etwa nicht an die Regel, kurze Fragen zu stellen, und
monologisiert, lasse ich ihn trotzdem ausreden. Ich unterbreche
ihn nicht und weise ihn nicht vor den anderen zurecht. Damit würde
ich ihn abwerten und seinen Widerstand provozieren. Stattdessen
wende mich ihm aufmerksam zu, bedanke mich dann lächelnd für
die "kurze Frage", scherzhaft, aber nicht zynisch, sondern
respektvoll. Auf diese Weise lässt sich ein allgemeines Klima
der Akzeptanz schaffen, das offenes, über eingefahrene Wege
hinausgehendes Denken ermöglicht.
duz:
Kann sich nur der Chef Humor leisten oder auch jemand, der in
der Hierarchie weiter unten steht?
Buchinger:
Jeder kann humorvoll agieren. Humor ist ja
kein Wettbewerb, sondern eine Möglichkeit, sich beim Lösen
von Problemen einzubringen.
duz:
Ist Humor kulturspezifisch?
Buchinger:
Humor im Sinne des liebenden Akzeptierens gibt es in
jeder Kultur der Welt. Er tritt allerdings in ganz unterschiedlichen
Formen auf. Denken Sie etwa an das trockene Understatement der Briten.
Damit muss man als Deutscher erst einmal warm werden bevor
man herzlich darüber lachen kann.
duz:
Dann wird Humor außerhalb der eigenen Kultur schnell missverstanden?
Buchinger:
Ja, bei internationalen Konferenzen oder Vorträgen
im Ausland sollte man daher tatsächlich eher sparsam mit Scherzen
umgehen. Hält man sich aber länger in einer anderen Kultur
auf, lohnt es, sich über den regionalen Humor aufklären
zu lassen und zu sehen, wie man ihn adaptieren kann. In jeder Kultur
tut es gut, gemeinsam zu lachen.
Die
Fragen stellte Marion Hartig
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