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duz EUROPA
05/10 vom 11.06.2010
 

  Foto: privat
Kurt Buchinger ist emeritierter Professor für Organisationsberatung an der Universität Kassel, Psychoanalytiker und Organisationsberater. Er lebt in Wien.
 

 
Führungsstile

„In jeder Kultur tut es
gut, gemeinsam zu lachen“

Humor ist zwar kein Allheilmittel für das Management. Er kann aber helfen, angespannte Situationen zu lockern und eingefahrene Wege zu verlassen, sagt der Organisatonsexperte Kurt Buchinger.

duz: Herr Buchinger, kennen Sie einen Witz aus der Hochschulwelt?

Buchinger: Treffen sich zwei Professoren vor der Universität und beobachten, wie vor dem Hauptgebäude eine schwarze Flagge gehisst wird. Sagt der eine: "Wissen Sie, wer gestorben ist?" Sagt der andere: "Mir ist jeder recht."

duz: Sieht es so schlimm aus in der Hochschulwelt?

Buchinger: Hochschulen sind oft Horte der Konkurrenz, Hochschulgremien eine Art Verhinderungsgremien. Gerne sind alle miteinander verstritten. Die Wissenschaftler weisen den forschenden Kollegen nach, dass diese fachlich auch nicht besser da stehen als sie selbst. Die außerhalb des Forschungsbetriebes stehenden Wissenschaftsmanager werden von ihnen von vornherein kaum ernst genommen. In so einer Lage kann man Humor gut gebrauchen.

duz: Ein guter Scherz – und die Situation ist gerettet?

Buchinger: So einfach ist das natürlich nicht. Humor ist viel mehr als ein guter Witz zur rechten Zeit. Es geht dabei nicht primär um den Inhalt, sondern um eine bestimmte Art des Kommunizierens.

duz: Das heißt?

Buchinger: Humor ist eine Lebenshaltung, eine Form, sich ganz auf eine Situation einzulassen, sich störenden Faktoren zuzuwenden – und sich zu sich selbst und den offensichtlichen Hindernissen in Distanz zu setzen. Und zwar jenseits von Zynismus oder Sarkasmus. Humor ist eine Art, die Dinge liebevoll auf die Schippe zu nehmen. Man könnte fast sagen, es ist eine Ausdrucksform der Liebe.

duz: Ein hehrer Anspruch. Wie kann man das im Management umsetzen?

Buchinger: Ein Beispiel: Hält sich ein Teilnehmer in einer Konferenz etwa nicht an die Regel, kurze Fragen zu stellen, und monologisiert, lasse ich ihn trotzdem ausreden. Ich unterbreche ihn nicht und weise ihn nicht vor den anderen zurecht. Damit würde ich ihn abwerten und seinen Widerstand provozieren. Stattdessen wende mich ihm aufmerksam zu, bedanke mich dann lächelnd für die "kurze Frage", scherzhaft, aber nicht zynisch, sondern respektvoll. Auf diese Weise lässt sich ein allgemeines Klima der Akzeptanz schaffen, das offenes, über eingefahrene Wege hinausgehendes Denken ermöglicht.

duz: Kann sich nur der Chef Humor leisten oder auch jemand, der in der Hierarchie weiter unten steht?

Buchinger: Jeder kann humorvoll agieren. Humor ist ja kein Wettbewerb, sondern eine Möglichkeit, sich beim Lösen von Problemen einzubringen.

duz: Ist Humor kulturspezifisch?

Buchinger: Humor im Sinne des liebenden Akzeptierens gibt es in jeder Kultur der Welt. Er tritt allerdings in ganz unterschiedlichen Formen auf. Denken Sie etwa an das trockene Understatement der Briten. Damit muss man als Deutscher erst einmal warm werden – bevor man herzlich darüber lachen kann.

duz: Dann wird Humor außerhalb der eigenen Kultur schnell missverstanden?

Buchinger: Ja, bei internationalen Konferenzen oder Vorträgen im Ausland sollte man daher tatsächlich eher sparsam mit Scherzen umgehen. Hält man sich aber länger in einer anderen Kultur auf, lohnt es, sich über den regionalen Humor aufklären zu lassen und zu sehen, wie man ihn adaptieren kann. In jeder Kultur tut es gut, gemeinsam zu lachen.

Die Fragen stellte Marion Hartig
 

       
   
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