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Brüssel bremst:
Weil Förderanträge für EU-Projekte kompliziert sind, forschen
viele Wissenschaftler lieber mit einheimischen Mitteln. |
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Der
Artikel erschien in
duz EUROPA 01/10 vom 12.02.2010
Groß
war die Hoffnung, die die EU-Kommission vor zehn Jahren in den Europäischen
Forschungsraum setzte. Tatsächlich hat Brüssel mit seinen Millionenzuschüssen
viel erreicht. Nur eines nicht: die Forscher zu begeistern.
Zehn
Jahre Europäischer Forschungsraum
Zu viel Bürokratie dämpft
den Schwung im Labor Europa
Brüssel
Vor zehn Jahren schlug die EU-Kommission Alarm: Europa läuft
Gefahr, den Entwicklungssprung zur wissensbasierten Wirtschaft nicht zu
schaffen. Für Abhilfe sorgen sollte der Europäische Forschungsraum
(EFR), dessen Vision der damalige EU-Forschungskommissar Philippe
Busquin im Januar 2000 zu Papier brachte. Der EFR sollte europäische
und nationale Förderprogramme, Infrastrukturen und Projekte aufeinander
abstimmen.
Eine gute Idee,
doch zehn Jahre danach steht fest: Der EFR ist ein Mammutwerk. Bis heute
versuchen Politiker, Unternehmen, Hochschulexperten und Forschungsmanager,
den EFR in Gang zu bringen, und kämpfen dabei vor allem gegen eines
an: die Bürokratie. Dass dem so ist, ist längst bekannt. Und
doch ändert sich nichts. Bis heute müssen Wissenschaftler einen
derart hohen Verwaltungsaufwand auf sich nehmen, dass sie den Weg zu den
Forschungstöpfen in Brüssel zu vermeiden suchen.
Lange
Bearbeitungswege
und überbordende Berichtspflichten behindern die Wissenschaft.
Experten
sehen das mit Sorge: In Europa müsse die Politik in Forschung,
Entwicklung und Innovation radikal verbessert werden, bilanzierte
Ende Dezember ein von der EU-Kommission eingesetzter Sachverständigenrat.
Vernetztes Denken und die bessere Koordinierung von Forschungsprogrammen
zwischen Brüssel und den nationalen Regierungen seien nötig,
um das bürokratische Fördersystem effizienter zu machen. Auch
aus den Reihen der Wissenschaft reißen die Klagen nicht ab. Lange
Bearbeitungswege, überbordende Berichtspflichten und intransparente
Entscheidungswege in den europäischen Forschungsförderprogrammen
behindern die Wissenschaft erheblich, kritisierten die Deutsche Forschungsgemeinschaft
(DFG) und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) im November 2009. Der
Erfolg des Europäischen Forschungsraums hängt wesentlich davon
ab, dass die Forschungsprogramme für Wissenschaftler so einfach und
einladend wie möglich gemacht werden, heißt es in der
gemeinsamen Stellungnahme weiter.
Brüssel
verteidigt den hohen Verwaltungsaufwand mit Verweis auf mögliche
Subventionsbetrügereien. Doch die Bürokratie führt dazu,
dass Wissenschaftler oft zurückschrecken, wenn es um Anträge
für EU-Geld geht. So macht der Anteil der EU-Mittel in den
Drittmitteletats deutscher Universitäten nach HRK-Angaben lediglich
zwischen fünf und zehn Prozent aus. Die Hochschulen haben auf den
hohen Verwaltungsaufwand etwa im 7. Forschungsrahmenprogramm (FRP)
reagiert. Die Technische Universität (TU) Dresden etwa richtete ein
European Project Center (EPC) ein, das bis zu 15 Mitarbeiter aus
EU-Projektmitteln finanziert. Das Center bietet den Wissenschaftlern
die Unterstützung an, die sie von der Antragstellung über das
Finanzmanagement bis hin zum Reporting für Brüssel benötigen.
Das zeigt
doch schon, wie kompliziert die europäische Forschungsförderung
ist, sagt Hannes Lehmann, TU-Dezernent für Forschungsförderung.
Anders als bei nationalen Förderprogrammen der DFG oder des Bundesforschungsministeriums,
bei denen die Wissenschaftler das Projektmanagement selbst in die Hand
nehmen und sich dagegen sträuben, Verwaltungspersonal über Forschungsmittel
mitzufinanzieren, nehmen die Wissenschaftler das Angebot des EPC gerne
an. Zum Problem wird für die Wissenschaftler auch die Programmvielfalt:
Allein im 7. FRP gibt es unzählige Unterprogramme und
Themen, jeweils mit unterschiedlichsten Förderbedingungen wie beispielsweise
stetig variierenden Overhead-Anteilen, sagt Lehmann. Dazu kommen
dann noch andere wichtige Fördertöpfe für die Hochschulen
wie der Europäische Fonds für regionale Entwicklung, Programme
zur Förderung von Drittstaatenkooperationen, zur Mobilität oder
zum lebenslangen Lernen. Professoren könnten da schon mal die Übersicht
verlieren, sagt Lehmann. Deshalb brauche man Profis, die regelmäßig
die Programme sichten und dann auf die Wissenschaftler zugehen und ihnen
Fördermöglichkeiten aufzeigen. Finanziell attraktiv sind
die Brüsseler Fördertöpfe für die Wissenschaftler
allemal. Für das 7. FRP veranschlagte die EU von 2007 bis 2013
ein Budget von mehr als 54 Milliarden Euro.
Die Klagen der
Wissenschaftler über die lästige Verwaltung kann Prof. Dr. Dieter
Imboden, Präsident der European Heads of Research Councils (Eurohorcs),
absolut verstehen. Die Bürokratie der EU-Programme ist
für die Hochschulen wahnsinnig mühsam, sagt Imboden. Diese
zu vereinfachen, sei Hauptaufgabe für Brüssel. Tatsächlich
will die EU-Kommission das Problem nun noch einmal angehen. Im Oktober
will Brüssel Vorschläge einreichen, wie das 7. FRP effizienter
gemacht werden kann.
Der EFR lebt
allerdings nicht nur von den EU-Programmen. Es gibt immer noch
sehr viel mehr Fördermittel, die die EU-Mitgliedstaaten national
und weniger bürokratisch verteilen, sagt Imboden. Wissenschaftler
können damit auch binational forschen, auch das komme dem Forschungsraum
zugute. Imbodens Hoffnung: Vielleicht gelingt es so, unter den Professoren
und den Universitäten noch mehr den europäischen Forschergeist
zu wecken.
Internet:
http://cordis.europa.eu/fp7/home_de.html
Benjamin
Haerdle ist Journalist
in Leipzig.
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Charlotte Fiala vertritt
die FU Berlin bei der EU in Brüssel. |
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Uni-Außenstelle
Signalwirkung für die Wissenschaftler
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Die Freie
Universität (FU) Berlin hat als erste deutsche Hochschule in
Brüssel eine Außenstelle. Was die Uni damit erreichen
will, sagt Charlotte Fiala, Leiterin des EU-Verbindungsbüros.
duz
Frau Fiala, ist die Freie Universität jetzt unter die Lobbyisten
gegangen?
Fiala
Lobbying klingt zu negativ. Die FU versteht sich als internationale
Netzwerkuniversität und hat Interessen, die sie auch in Brüssel
vertreten und kommunizieren möchte.
duz
Welche Interessen sind das?
Fiala
Das Verbindungsbüro soll die FU vor allem bei den europäischen
Institutionen wie zum Beispiel der EU-Kommission oder Verbindungsbüros
anderer europäischer Länder sichtbarer machen. Damit wollen
wir FU-Wissenschaftler und deren Expertise stärker in Brüssel
einbinden, etwa auf europäischen Konferenzen. Zudem wollen
wir unsere Wissenschaftler beim Einwerben von Forschungsmitteln
aus EU-Programmen unterstützen.
duz
Muss für Europa mehr geworben werden?
Fiala
Die FU hat das Ziel, dass sich ihre Wissenschaftler in
der Forschungsförderung noch mehr in Europa engagieren. Einige
sind schon sehr aktiv, andere sind noch sehr auf den deutschen Raum
konzentriert. Für sie soll das Büro Signalwirkung haben.
duz
Warum verstärkt die Freie Universität nicht einfach das
EU-Beraterteam in Berlin?
Fiala
Die Universität ist da bereits gut aufgestellt.
Die Idee des Brüsseler Büros ist, einen Mehrwert für
die FU-Angehörigen zu leisten, der über das bisherige
Angebot hinausgeht. Das Büro fügt sich zudem gut in das
Netz von Außenbüros ein, die die FU bislang etwa in New
York oder Peking eröffnet hat.
hbj
Internet:
www.fu-berlin.de/brussels
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